ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2015Hansjörg Melchior: Hoher Einsatz für die Urologie

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Hansjörg Melchior: Hoher Einsatz für die Urologie

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Prof. Dr. med. Hansjörg Melchior hat sich Zeit seines Lebens für eine bessere Versorgung urologisch erkrankter Patienten eingesetzt. Ihm ist es zu verdanken, dass das Thema Inkontinenz aus der Tabuzone geholt wurde. Foto: privat
Prof. Dr. med. Hansjörg Melchior hat sich Zeit seines Lebens für eine bessere Versorgung urologisch erkrankter Patienten eingesetzt. Ihm ist es zu verdanken, dass das Thema Inkontinenz aus der Tabuzone geholt wurde. Foto: privat

Prof. Dr. med. Hansjörg Melchior hat sich Zeit seines Lebens für eine bessere Versorgung urologisch erkrankter Patienten eingesetzt. Ihm ist es zu verdanken, dass das Thema Inkontinenz aus der Tabuzone geholt wurde.

Die Urologie hat heute den Platz innerhalb der medizinischen Fachgruppen, der ihr gebührt. Das war nicht immer so und auch das Thema Inkontinenz war lange Zeit in der Tabuzone. Als Chefarzt der Klinik für Urologie der Städtischen Kliniken Kassel, dem heutigen Klinikum Kassel GmbH, hat Prof. Dr. med. Hansjörg Melchior maßgeblich zu einer moderneren Sichtweise beigetragen. Mehr als drei Jahrzehnte hat er sich für eine bessere Versorgung urologisch erkrankter Patienten eingesetzt. Mit Eintritt in den Ruhestand 2003 rief er die „Kasseler Gesundheitstage“ ins Leben, eine Informationsveranstaltung mit jährlich mehr als 10 000 Besuchern, deren wissenschaftlicher Leiter er bis heute ist.

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Hansörg Melchior wurde am 8. Juli 1937 als erstes von vier Kindern des Kinderarztes Dr. med. Paul Melchior und seiner Ehefrau Ruth in Kassel geboren. Er studierte zunächst fünf Semester Physik an der Philipps-Universität in Marburg an der Lahn, entschied sich aber dann doch für die Medizin. Hier konnte er sein naturwissenschaftliches Interesse mit dem am Menschen verbinden. Das Studium der Medizin schloss er 1966 mit der Promotion in Marburg ab. Für seine Weiterbildung zum Facharzt für Urologie zog es ihn 1968 an die Rheinisch-Westfälische-Technische Hochschule (RWTH) nach Aachen. Diese damals erste medizinische Fakultät an einer technischen Hochschule begeisterte ihn sehr, insbesondere der Kontakt zu den Ingenieuren. Hier fand sein großes naturwissenschaftliches Interesse Nachhall. Die Idee für den Arbeitskreis „Urologische Funktionsdiagnostik“, den er dann 1977 initiierte und 25 Jahre geleitet hat, entstand in dieser Zeit. 1972 erwarb er den Facharzt für Urologie; es folgten unmittelbar die Habilitation und die Ernennung zum leitenden Oberarzt der Abteilung Urologie der Klinischen Anstalten der RWTH. Drei Jahre später wurde er dort zum außerplanmäßigen Professor ernannt.

Hansjörg Melchior kehrte 1977 in seine Heimatstadt Kassel zurück – als Chefarzt der Klinik für Urologie der Städtischen Kliniken Kassel, dem heutigen Klinikum Kassel GmbH. 27 Jahre lang stand er der Klinik für Urologie vor; von 1986 bis 1988 war er Ärztlicher Direktor. Dabei war ihm neben einer exzellenten Patientenversorgung immer das harmonische Miteinander seiner Mitarbeiter in der Klinik wichtig. Die Apparatemedizin hat er nie in den Mittelpunkt gestellt. Stets ging es ihm vor allem darum, die neuesten Erkenntnisse aus Lehre, Forschung und klinischer Praxis konkret und zukunftsgerichtet für die Behandlungs- und Heilungsmöglichkeiten urologisch erkrankter Menschen zu erschließen und zu verbreiten. 1982 wurde er zudem zum Honorarprofessor an der Philipps-Universität in Marburg ernannt.

Eine Fülle medizinischer Ehrenämter zeugen von dem starken berufsständischen Engagement Hansjörg Melchiors: So gründete er unter anderem den Arbeitskreis „Urologische Funktionsdiagnostik und Urologie der Frau“ der Deutschen Urologen, er war Leiter der Sektion Urologie der Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen und Gründungsvorsitzender der Gesellschaft für Inkontinenzhilfe e.V., einem Verein, der durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit dazu beigetragen hat, die Inkontinenz aus der Tabuzone zu befreien. Er gründete auch den Arbeitskreis der leitenden Krankenhausurologen und die Deutsche Kontinenz Gesellschaft. Den Vorsitz der Förderation operativer medizinisch-wissenschaftlicher Fachgesellschaften hatte Melchior über viele Jahre inne.

Hansjörg Melchior hat sich inzwischen von der Medizin verabschiedet. Er ist aber als wissenschaftlicher Leiter der Kasseler Gesundheitstage immer noch dem Gesundheitswesen verbunden. Darüber hinaus engagiert er sich als Initiator und Vorsitzender des Kasseler Bürgerpreises „Das Glas der Vernunft“, der jährlich an dem Ansinnen würdige Prominente verliehen wird, für die Ideale der Aufklärung und die Überwindung ideologischer Schranken. Der Kunstsammler widmet sich schließlich, zusammen mit seiner Frau, mit großer Freude der zeitgenössischen Kunst.

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