VARIA: Schlusspunkt

Raucher-Bonus

Ellermann, Bernd

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LNSLNS USA im März 1999: Ein Geschworenengericht in Oregon verurteilt den Tabakkonzern Philip Morris, den Angehörigen des verstorbenen Kettenrauchers Jesse Williams umgerechnet 141 Millionen DM zu zahlen. Deutschland im März 1999: Eine Lebensversicherung führt eine neuartige private Sonderrente mit höheren Leistungen für Raucher ein.
Als Arzt mußte ich zweimal hinschauen. Die Logik beider Ereignisse machte mich fassungslos: Dort raucht einer 40 Jahre lang täglich drei Schachteln - dafür gibt es jetzt eine Rekord-Entschädigung, weil vor den gesundheitlichen Schäden angeblich nicht eindringlich genug gewarnt wurde. Hier belohnt eine Versicherung mit besseren Leistungen, weil Raucher ja früher sterben und weniger Rente verbrauchen - schon ab acht Zigaretten am Tag zählt man zu den Privilegierten.
Wieso empfehle ich meinen Patienten Entwöhnungskurse - von der Akupunktur bis zum Nikotinpflaster? Raucher gehören ja nun - versicherungsmäßig betrachtet - zu den "guten Risiken". Wieso steht auf den Packungen nicht der ehrliche Hinweis: "Raucher bzw. deren Angehörige bekommen hohe Entschädigungen und zusätzlich mehr Rente"?
Das sind doch günstige Aussichten auch für andere Laster. Jetzt empfehle ich meinen trinkfreudigen Patienten, die Winzergenossenschaften zu verklagen. Oder haben Sie schon auf einer Weinflasche den Hinweis gelesen: "Übermäßiger Genuß führt zur Leberzirrhose"? Bei der Assekuranz gibt es sicher schon die Trinkerrente (Werbeslogan: "Auslese plus"). Von den Metzgern bis zu den Konditoreien wären genügend Verursacher von Gesundheitsschäden festzumachen. Alles potentielle Klageopfer! Wer Altersdiabetes hat, bekommt schon jetzt 28 Prozent mehr Versicherungsrente.
Jetzt endlich wird mir auch die Werbebotschaft klar, die ein Zigarettenhersteller seit Jahren plakatiert. Dort lächeln strahlende Raucher beiderlei Geschlechts die Passanten an: "Ich rauche gern!" - Ja, Sie etwa nicht?
Bernd Ellermann
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