ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2015Dieter Mitrenga: Mit Herz, Verstand und Eloquenz

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Dieter Mitrenga: Mit Herz, Verstand und Eloquenz

Dtsch Arztebl 2015; 112(20): A-931 / B-781 / C-757

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Dr. med. Dieter Mitrenga (74) hat sich für die Entstigmatisierung von Menschen mit HIV und AIDS eingesetzt. Seinem Engagement im Marburger Bund und für die Fort- und Weiterbildung haben die Ärzte viel zu verdanken. Foto: privat
Dr. med. Dieter Mitrenga (74) hat sich für die Entstigmatisierung von Menschen mit HIV und AIDS eingesetzt. Seinem Engagement im Marburger Bund und für die Fort- und Weiterbildung haben die Ärzte viel zu verdanken. Foto: privat

Dr. med. Dieter Mitrenga (74) hat sich für die Entstigmatisierung von Menschen mit HIV und AIDS eingesetzt. Seinem Engagement im Marburger Bund und für die Fort- und Weiterbildung haben die Ärzte viel zu verdanken.

Noch immer wird Menschen mit HIV und AIDS mit Vorsicht begegnet. Wie viel Einsatz es gefordert hat, wie viele Gespräche geführt werden mussten, um vor 25 Jahren in einem katholischen Krankenhaus einen Behandlungsschwerpunkt HIV und AIDS einzurichten, kann man sich leicht vorstellen. Der Internist und AIDS-Spezialist Dr. med. Dieter Mitrenga war damals Chefarzt im Kollegialsystem am Krankenhaus der Augustinnerinnen in Köln. Die Ordensschwestern des „Severinsklösterchen“, wie das Haus von den Kölnern genannt wird, wollten etwas für ausgegrenzte Menschen tun – und Mitrenga präsentierte sie ihnen. Später wurde er zum Vorsitzenden der Landeskommission AIDS in Nordrhein-Westfahlen (NRW) berufen.

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Dieter Mitrenga wurde am 6. Juli 1940 im oberschlesischen Ratibor als erstes von zwei Kindern des Zahnarztes Bernhard Mitrenga und seiner Frau Elisabeth geboren. 1945 mussten Mutter und Kinder aus dem heutigen Polen fliehen und gelangten über Tschechien nach Bayern. Zusammen mit dem aus dem Krieg heimgekehrten Vater zog die Familie weiter nach Schleswig-Holstein und später nach NRW. 1961 legte Mitrenga in Aarhus das Abitur ab. Im gleichen Jahr begann er das Studium der Medizin an der Universität zu Köln. Enthusiasmus und wohl überzeugende Argumente führten noch in der Vorklinik zu seiner Wahl als Fakultätssprecher der Medizinstudenten. Der Weg in die ärztliche Selbstverwaltung wurde damit früh vorgezeichnet. 1967 legte er das Medizinische Staatsexamen in Köln ab. Nach zweijähriger Medizinalassistentenzeit erhielt er 1970 die Approbation. Im gleichen Jahr wurde er Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Medizinischen Hochschule Hannover. Dort arbeitete er zu Fragen der Immunhistologie und Methoden der Fluoreszierenden Antikörpertechnik; 1972 promovierte er.

Von 1972 bis 1982 arbeitete Dieter Mitrenga als wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Dr. med. Rudolf Gross an der medizinischen Klinik der Universität zu Köln. 1978 erwarb er dort die Anerkennung als Facharzt für Innere Medizin, es folgten die Teilgebiete Nephrologie und Rheumatologie. 1983 wurde er Chefarzt im Kollegialsystem am Krankenhaus der Augustinerinnen in Köln. Zusammen mit Prof. Dr. med. Rudolf Thoma leitete er die Klinik Innere Medizin und den Behandlungsschwerpunkt HIV und AIDS erstmals von 1988 bis 1991. Seit 2000 bis heute ist er Ärztlicher Direktor des Krankenhauses. Für Mitrenga hatte in seiner ärztlichen Laufbahn die Versorgung der Patienten immer Vorrang und weniger die wissenschaftliche Karriere.

Breiten Raum nahmen in Vorträgen und Publikationen Fragen der Sterbebegleitung aus ärztlicher Sicht ein. Zu diesem Thema war er viele Jahre Referent an der Deutschen Richterakademie in Trier und Wustrau.

Der Name Mitrenga ist unweigerlich mit dem Marburger Bund (MB) verbunden. Schon als Student war er von dessen berufspolitischen und gewerkschaftlichen Zielen überzeugt. Seit 1981 war er im MB-Bundesvorstand tätig: als Vorsitzender der Arbeitskreise Weiterbildung und Ärzteversorgung und Mitherausgeber der Verbandszeitschrift. 2007 wurde er nach elf Wahlperioden verabschiedet und erhielt die seltene Ehrenmitgliedschaft.

Schwerpunkte von Mitrengas ärztlicher und berufspolitischer Arbeit waren die Weiter- und Fortbildung. Er hat an mehreren Musterweiterbildungsordnungen mitgewirkt. Von 1978 bis 2014 war er Vorsitzender der Weiterbildungsgremien der Ärztekammer Nordrhein (AK-NO) und Mitglied der Ständigen Konferenz Weiterbildung der Bundes­ärzte­kammer. Als Fortbildungsbeauftragter der Kreisstelle Köln der AK-NO hat er zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen organisiert und moderiert. Dieser Aufgabe will er sich auch weiterhin widmen.

Der inzwischen überzeugte Rheinländer sorgt dafür, dass der 1947 gegründete Medizinerkarneval im Kölschen Brauchtum erhalten bleibt. Seine liebste Freizeitbeschäftigung ist die Musik: Konzertsäle und Opernhäuser der Welt möchte er besuchen, solange es seine Gesundheit erlaubt.

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