ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2015Psychische Probleme: Vermehrt auffällige Kinder in den Arztpraxen

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Psychische Probleme: Vermehrt auffällige Kinder in den Arztpraxen

Dtsch Arztebl 2015; 112(20): A-888

Bühring, Petra

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Psychisch auffällig – Hilfsangebote für Familien sollen Abhilfe schaffen. Foto: picture alliance
Psychisch auffällig – Hilfsangebote für Familien sollen Abhilfe schaffen. Foto: picture alliance

Der Anstieg ist erschreckend. „Bis zu 30 Prozent aller uns vorgestellten Heranwachsenden sind psychisch auffällig“, erklärte Dr. med. Wolfram Hartmann, Vorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) beim „Politischen Forum“ am 6. Mai in Berlin. Der Verband hat deshalb die „Seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ zum Schwerpunktthema in diesem Jahr gemacht. In einer Broschüre hat der BVKJ Expertenbeiträge zu den häufigsten psychischen Störungen in Kindheit und Jugend zusammengestellt (http://d.aerzteblatt.de/AR14UU16).

Nach einer Studie des Robert-Koch Instituts sind rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen psychisch auffällig. Darauf wies Prof. Dr. phil. Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind, bei dem Forum hin. „Ängste stehen mit zehn Prozent an erster Stelle“, sagte er, gefolgt von auffälligem Sozialverhalten, depressiven Verstimmungen und ADHS. Maywald führte dies unter anderem darauf zurück, dass die Erwartungen an Kinder heute stark gestiegen seien: „Das Kind wird zunehmend von den Eltern als Leistungsträger wahrgenommen, weniger als Individuum“, sagte er.

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Die Ursachen für viele Verhaltensauffälligkeiten sieht der BVKJ-Vorsitzende in Erziehungsproblemen der Eltern. „Wir müssen zunehmend sozialpädiatrisch tätig sein“, so Hartmann. Er forderte eine bessere Ausbildung und Bezahlung von Erzieherinnen; zudem sprach er sich für die Einrichtung von Familienzentren aus, die sowohl eine qualifizierte Kindertagesbetreuung als auch soziale Hilfen und Bildungsangebote für die ganze Familie bereithielten. „Solche Strukturen könnten auch von den Kinder- und Jugendärzten adressiert werden“, sagte er. PB

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