ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2015Öffnung der Krankenhäuser: Ärztemangel bleibt

POLITIK

Öffnung der Krankenhäuser: Ärztemangel bleibt

Rieser, Sabine

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In manchen Regionen bestehen Lücken, ambulant wie stationär, so das ZI.

Es klingt plausibel, was Gesundheitspolitiker regelmäßig vorschlagen: Wenn niedergelassene Ärzte in bestimmten Regionen fehlen, müssen die dortigen Krankenhäuser für die ambulante Versorgung geöffnet werden. Doch wäre das machbar? Derzeit nein, behaupten Autoren einer Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI).

Sie haben untersucht, welche Fachärzte in unterversorgten Gegenden fehlen. Datenbasis des ZI war eine Bedarfsplanungsumfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Als Schwellenwert wurde ein Versorgungsgrad von 75 Prozent für sogenannte grundversorgenden Fachärzte gewählt. Außerdem ermittelten die Wissenschaftler anhand der Krankenhaus-Qualitätsberichte von 2013, welche Fachabteilungen in den von ambulanter Unterversorgung betroffenen Regionen in den Kliniken überhaupt vorhanden sind.

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„In den meisten unterversorgten Regionen verfügen Krankenhäuser nicht über entsprechende Fachabteilungen oder Ärzte“, fasste der Vorstandsvorsitzende von KBV und ZI, Dr. med. Andreas Gassen, die Ergebnisse zusammen. Damit erweise sich eine der geplanten Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung aus dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz, nämlich die institutionelle Öffnung der Krankenhäuser, als unwirksam.

Im Detail sind nach den ZI-Kriterien 37 von 372 Kreisen und vier von 17 Fachgebieten unterversorgt. Betroffen sind Dermatologen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Psychotherapeuten, Augenärzte. In jeweils einem Kreis kommen Frauen- oder Kinderärzte hinzu.

Doppelte Lücken – in Kliniken und Praxen

Nur in neun der 37 Kreise befindet sich mindestens ein Krankenhaus mit einer entsprechenden Fachabteilung. In acht der neun Kreise werden diese ausschließlich von Belegärzten – also Vertragsärzten – betreut. „Wenn in einem Krankenhaus kein Facharzt für Augenheilkunde arbeitet, kann es auch nicht wegen einer Unterversorgung im augenärztlichen Bereich für die ambulante Versorgung zugelassen werden müssen“, betonte ZI-Geschäftsführer Dr. rer. pol. Dominik von Stillfried. Deutlich werden die doppelten Lücken besonders bei den Dermatologen. Diese fehlen in elf Planungsregionen. Doch in keiner einzigen gibt es dem ZI zufolge ein Krankenhaus mit einer entsprechenden Fachabteilung.

„Das Rückgrat der fachärztlichen Versorgung bilden die Vertragsärzte. Die Krankenhäuser haben nicht die Kapazitäten, um hier auszuhelfen“, sagte Gassen. „Was wir statt der Öffnung der Krankenhäuser brauchen, ist eine nachhaltige Förderung der vertragsärztlichen Versorgung.“ Rie

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