ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2015Arzt-Patient-Kommunikation: Die Kunst des Zuhörens

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Arzt-Patient-Kommunikation: Die Kunst des Zuhörens

Dtsch Arztebl 2015; 112(20): A-926 / B-776 / C-752

Klinkhammer, Gisela

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Der Leitfaden der Ärztekammer Nordrhein ist abrufbar unter http://d.aerzteblatt.de/RG65ZP26.
Der Leitfaden der Ärztekammer Nordrhein ist abrufbar unter http://d.aerzteblatt.de/RG65ZP26.

Das Gespräch zwischen Arzt und Patient ist das Fundament einer guten Behandlung. Ein Leitfaden der Ärztekammer Nordrhein bietet dazu Hilfestellung.

Gespräche mit Patienten zu führen, sei lange auch unter Ärzten mal als Selbstverständlichkeit, mal als Kunst angesehen worden, keinesfalls aber als eigener Lehr- und Prüfungsstoff auf dem Weg zum Arztsein, sagte Dr. med. André Karger, Facharzt für Psychosomatische Medizin am Universitätsklinikum Düsseldorf. Mit einem Leitfaden „Kommunikation im medizinischen Alltag“ will die Ärztekammer Nordrhein jetzt zu einer besseren Verständigung beitragen. „Eine gute Kommunikation zwischen Arzt und Patient beeinflusst nämlich entscheidend die Therapietreue des Patienten und damit den medizinischen Behandlungserfolg“, betonte Rudolf Henke, der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, vor Journalisten. Gute Kommunikation spare Zeit und vermeide Missverständnisse durch Verständlichkeit von Anfang an. Sie müsse den Empfänger erreichen, bei dem sich entscheide, ob er versteht oder nicht. „Gute Kommunikation vermeidet den Fehler, ungefragt vom Niveau des eigenen Verständnisses auszugehen“, so Henke.

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Prof. Dr. med. Stefan Wilm, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf, brachte eine gute Kommunikation in „drei goldenen Regeln“ auf den Punkt: „Der Arzt sollte Zeit für seinen Patienten haben, er sollte zuhören können und er sollte den Patienten ernst nehmen.“ Diese Regeln bekräftigte der Philosoph Gerd B. Achenbach, Bergisch Gladbach: „Ein deutsches Sprichwort sagt: ,Schwatzen lernt man früher als zuhören’. Das bloße Hören ist eine Gabe der Natur, das Zuhörenkönnen hingegen ein Vermögen, über das nur wenige verfügen. Denn das fällt keinem zu, das muss als Fähigkeit erworben werden.“ Doch genau diese Fähigkeit sei bei vielen Ärzten eben häufig nicht vorhanden. In der Regel unterbreche der Arzt bereits nach durchschnittlich 18 Sekunden seinen Patienten, sagte Henke.

Von schlechten Erfahrungen berichtete auch Charlotte Link, Autorin des Buches „Sechs Jahre – Abschied von meiner Schwester“. Sechs Jahre lang hätten sie und ihre Familie ihre Schwester Franziska durch eine Krebserkrankung begleitet. Dabei sei sie „großartigen Ärzten“ begegnet, denen sie heute noch dankbar sei, aber auch Ärzten, „deren Verhalten mich immer noch fassungslos sein lässt. Ärzten, die dramatische Diagnosen in menschenverachtender und brutaler Form überbrachten, diese zudem unter solchem Zeitdruck verkündeten, dass keine Möglichkeit für Rückfragen blieb. Ärzten, die ungeprüft Todesdiagnosen in den Raum warfen, indem sie Metastasen im Körper meiner Schwester entdeckten, von denen sich später herausstellte, dass sie gar keine waren. In drei Fällen war dies eindeutig auf Schlamperei und zu große Hektik zurückzuführen.“

Der Leitfaden „Kommunikation im Alltag“ vermittelt Karger zufolge auf knapp 80 Seiten einen guten Überblick über die Grundlagen der Kommunikation, wichtige Gesprächstechniken sowie Hinweise und Strukturierungshilfen für die wichtigsten klinischen Gesprächssituationen, wie beispielsweise das Anamnesegespräch oder das Überbringen schlechter Nachrichten. Um dem Anspruch einer anschaulichen und praxisnahen Hilfe gerecht zu werden, seien die Hinweise konkret und kurz gehalten. Auf die Darstellung komplexer theoretischer Modelle sei weitgehend verzichtet worden. Am Ende jeden Kapitels finden sich, so Karger, Hinweise auf aktuelle wissenschaftliche Publikationen und auf bereits im Internet verfügbare Materialien der Bundes­ärzte­kammer und Lan­des­ärz­te­kam­mern sowie Videofilmbeispiele von Arzt-Patient-Gesprächen. Der Praxisleitfaden sei in der Schweiz entwickelt und an das deutsche Recht und den deutschen Sprachgebrauch angepasst worden. „Bisher gibt es in Deutschland noch keinen solchen Leitfaden“, betonte Karger. „Als Beitrag zu dieser notwendigen Diskussion legt die Ärztekammer Nordrhein außerdem eine Schrift vor, in der aus verschiedenen Blickwinkeln die Relevanz ärztlicher Kommunikation beleuchtet wird“, schreibt Henke.

Gisela Klinkhammer

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