ArchivDeutsches Ärzteblatt21-22/2015Weiterbildung zum Facharzt: Weiterbildung in den Praxen fördern

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Weiterbildung zum Facharzt: Weiterbildung in den Praxen fördern

Korzilius, Heike

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Der Deutsche Ärztetag hat sich erneut dafür ausgesprochen, die Möglichkeiten der ambulanten Weiterbildung auszubauen, wenn die Finanzierung entsprechender Stellen gesichert ist. Derweil ist die Novelle der Weiter­bildungs­ordnung „auf Kurs“.

„Weiterbildung ist ärztliche Berufsausübung“: Für Franz Bartmann ist das die Grundphilosophie der ärztlichen Weiterbildung in Deutschland, denn die Ausbildung ende hierzulande mit der Approbation.
„Weiterbildung ist ärztliche Berufsausübung“: Für Franz Bartmann ist das die Grundphilosophie der ärztlichen Weiterbildung in Deutschland, denn die Ausbildung ende hierzulande mit der Approbation.

Harmonie, Illusion, Fantasie – an letzterer mangelte es den Verantwortlichen im Congress Center Frankfurt anscheinend nicht, als sie ihren Sitzungssälen Namen gaben. Im Plenum des Deutschen Ärztetages herrschte dagegen ganz eindeutig Harmonie, als sich dieser am 15. Mai im gleichnamigen Saal mit Fragen der Weiterbildung befasste. Das ist nicht immer so. Das Thema erregt regelmäßig die Gemüter im Ärzteparlament. Doch diesmal hielten sich die Abgeordneten mit Diskussionen zurück, denn es bestand grundsätzlich Einigkeit darüber, dass die Weiterbildungsgremien der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) mit der Reform der Weiter­bildungs­ordnung auf Kurs sind.

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Ziel: Mehr Fächer fördern

Auch beim Thema ambulante Weiterbildung, das vor zwei Jahren noch für heftige Kontroversen gesorgt hatte, blieb es ruhig. In einem Beschluss sprach sich der Ärztetag, wie schon im Jahr zuvor, dafür aus, im Interesse einer bestmöglichen Qualifizierung junger Ärztinnen und Ärzte die Möglichkeiten der Weiterbildung in den Praxen niedergelassener Ärzte auszubauen. Eine Pflicht zur ambulanten Weiterbildung soll es aber erst einmal nicht geben. Verpflichtende Weiterbildungsabschnitte könnten nur dann eingeführt werden, wenn deren Finanzierung gesichert sei, heißt es. Mittel- bis langfristig sollten aus versorgungstechnischen und didaktischen Gesichtspunkten aber Mindestweiterbildungszeiten von sechs bis zwölf Monaten sowohl im Krankenhaus als auch in den Praxen angestrebt werden.

In diesem Zusammenhang begrüßten es die Abgeordneten, dass es nach dem geplanten GKV-Versorgungsstärkungsgesetz Kassenärztlichen Vereinigungen und Krankenkassen künftig möglich sein soll, die bislang auf die Allgemeinmedizin beschränkte Förderung von Weiterbildungsstellen auf andere Fachgebiete auszuweiten.

Beratungsführer: Ulrich Clever informierte über ein Modell der Mischfinanzierung ambulanter Weiterbildung. Ärzte erwirtschaften einen Teil ihres Einkommens selbst, die Kassen fördern zusätzlich
Beratungsführer: Ulrich Clever informierte über ein Modell der Mischfinanzierung ambulanter Weiterbildung. Ärzte erwirtschaften einen Teil ihres Einkommens selbst, die Kassen fördern zusätzlich

Über ein Modell, wie diese Stellen im ambulanten Bereich finanziert werden könnten, diskutieren zurzeit BÄK und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Dr. med. Ulrich Clever, der für den BÄK-Vorstand die Beratungen führt, stellte klar, dass die Kammer eine ausschließliche Förderung der Weiterbildung über einen eigenen Topf ablehnt. Das würde hingegen die KBV favorisieren. Sie hat dazu ein Stiftungsmodell in die politische Diskussion eingebracht.

Weiterzubildende sind Ärzte

Clever berichtete beim Ärztetag, dass man in dem gemeinsamen Gremium zurzeit über eine Mischfinanzierung ambulanter Weiterbildungsstellen nachdenke. Danach würden Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung auch in den Praxen ihre ärztlichen Leistungen abrechnen können und damit sozusagen ihr Gehalt erwirtschaften. Zur Förderung der Infrastruktur sollten aber Krankenkassen oder staatliche Stellen zusätzliche Mittel beisteuern. Geschäftsstellen für ambulante Weiterbildung in den Ländern, die von den dortigen Ärztekammern und KVen getragen würden, könnten die finanzielle Förderung abwickeln, erklärte Clever zum Stand der Beratungen. Eine solche Lösung innerhalb der Selbstverwaltung verhindere auch, dass sich Parallelstrukturen entwickelten.

In einem weiteren Beschluss stellte der Ärztetag klar, dass die Weiterbildung im Rahmen ärztlicher Berufsausübung stattfindet. Daraus leite sich auch der Anspruch der Ärzte in Weiterbildung auf ein angemessenes Gehalt ab, das den tariflichen Konditionen für die Krankenhausärzte entspricht.

Grundphilosophie der Weiterbildung in Deutschland sei es, dass Ärzte nach der Approbation zur Ausübung der Heilkunde berechtigt seien, bekräftigte auch der Vorsitzende der Weiterbildungsgremien der BÄK, Dr. med. Franz Bartmann, als er über den Sachstand der Novelle der Weiter­bildungs­ordnung berichtete (siehe Interview „Kompetenzen abbilden, keine Zeiten“ in diesem Heft).

Seit vier Jahren arbeiten die Weiterbildungsgremien an einer grundlegenden Reform der Weiter­bildungs­ordnung. Basis sind die Vorschläge, die Fachgesellschaften und Berufsverbände auf der Internet-Plattform WIKI-BÄK für ihre jeweiligen Fachgebiete erarbeitet haben. Kern der Reform ist eine Ausrichtung an Kompetenzen, wobei die Grundstruktur von Facharzt, Schwerpunktbezeichnung und Zusatzweiterbildung erhalten bleibt. „Die Leitfrage ist: Welche Kompetenzen benötigt ein Arzt, um als Facharzt eigenständig tätig zu sein?“, erläuterte Bartmann.

An die Stelle der bisherigen kleinteiligen Spiegelstrichaufzählungen sollen Weiterbildungsblöcke treten, die die Inhalte der Fachgebiete definieren. Über Weiterbildungsmodi wird abgebildet, welche Inhalte der Arzt in Weiterbildung zum Zeitpunkt seiner Facharztprüfung „kennen/können“ oder „beherrschen“ muss. Mit diesen Begriffen hätten die Fachgesellschaften allerdings Schwierigkeiten gehabt, weil sie die notwendige Trennschärfe vermissen ließen, sagte Bartmann. Deshalb habe man sich in den Weiterbildungsgremien auf eine neue Nomenklatur geeinigt: Aus dem Modus „kennen und können“ seien „anwendungsbezogene Kenntnisse und Erfahrungen“ geworden, aus „beherrschen“ „kenntnis- und erfahrungsgestützte Anwendung und Fertigkeiten“.

Eine echte Neuerung der Novelle ist, dass Weiterbildung künftig auch berufsbegleitend möglich ist und in Form von Hospitationen, Kurs-Weiterbildungen, Fallseminaren oder Falldokumentationen stattfinden kann – sowohl ambulant als auch stationär. „Ziel ist, dass man sich auch als niedergelassener Arzt in eigener Praxis weiterbilden kann“, erläuterte Bartmann. Eine zusätzliche Qualifizierung müsse angesichts des raschen medizinischen Fortschritts und neuer gesetzlicher Anforderungen möglich sein.

Weiterentwickelt wird zurzeit auch das Logbuch, in dem die Weiterbildungsfortschritte der Weiterzubildenden regelmäßig dokumentiert werden müssen. Das, so Bartmann, solle letztlich auch für mehr Mobilität sorgen und Ärzten in der Weiterbildung den Wechsel zwischen Ärztekammern, Weiterbildungsstätten oder in den ambulanten Bereich erleichtern.

Langer Abstimmungsprozess

Außerdem soll künftig jedem Weiterzubildenden ein individueller Weiterbildungsplan ausgehändigt werden, der den geplanten Verlauf der Weiterbildung an der Weiterbildungsstätte verzeichnet und in jährlichen Gesprächen angepasst wird. Grundlage ist ein Curriculum, auf dessen Basis die Ärztekammern die Weiterbildungsbefugnis erteilen.

Zurzeit werde die Novelle der Weiter­bildungs­ordnung zwischen den Lan­des­ärz­te­kam­mern und der Bundes­ärzte­kammer abgestimmt, erklärte Bartmann. Danach folge eine erneute Konsultation der Fachgesellschaften und Berufsverbände. Eine Umsetzung in den Lan­des­ärz­te­kam­mern erfolge erst am Ende dieser Konvergenzphasen. „Ohne WIKI-BÄK gab es immer einen Sturm im Wasserglas“, sagte Bartmann. Die Kammern hätten zum Teil eigene Weiterbildungslösungen vorgelegt und beschlossene Änderungen nicht umgesetzt. „Jetzt nehmen wir sie bei jedem Schritt mit.“

Heike Korzilius

FAZIT

TOP IV: Sachstand der Novellierung der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung

  • Weiterbildung ist ärztliche Berufsausübung.
  • Die ambulante Weiterbildung wird in allen Fachgebieten gestärkt.
  • Verpflichtende Weiterbildungsabschnitte gibt es nur bei gesicherter Finanzierung der Stellen.
  • Ambulante Weiterbildungsstellen werden durch ärztliche Tätigkeit und einen Förderbetrag der Krankenkassen finanziert.

Die Entschließungen zu TOP IV im Internet: www.aerzteblatt.de/2015top4
Das gesamte Beschlussprotokoll im Internet: http://d.aerzteblatt.de/HG65NG22

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