ArchivDeutsches Ärzteblatt21-22/2015Wahlen auf dem 118. Deutschen Ärztetag: BÄK-Präsidium im Amt bestätigt

DEUTSCHER ÄRZTETAG

Wahlen auf dem 118. Deutschen Ärztetag: BÄK-Präsidium im Amt bestätigt

Maibach-Nagel, Egbert; Rieser, Sabine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Abgeordneten des Deutschen Ärztetages haben das bisherige Präsidium der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) für weitere vier Jahre gewählt. Damit steht die Spitze der Bundes­ärzte­kammer in Kontinuität zu ihrer Politik ärztlicher Selbstverwaltung in „Freiheit und Verantwortung“.

Sie stehen für Kontinuität in der Interessenvertretung für Deutschlands Ärzte: Vizepräsidentin Martina Wenker, Präsident Frank Ulrich Montgomery und Vizepräsident Max Kaplan.
Sie stehen für Kontinuität in der Interessenvertretung für Deutschlands Ärzte: Vizepräsidentin Martina Wenker, Präsident Frank Ulrich Montgomery und Vizepräsident Max Kaplan.

Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery ging, so seine Auskunft gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt, „relativ entspannt“ in seine zweite Wahl auf Bundesebene. Das hatte sicher auch damit zu tun, dass er auf eine langjährige Erfahrung als Kammerpräsident zurückblickt und auf entsprechend viele Wahlgänge: In seiner Heimatstadt Hamburg stand er von 1994 bis 2002 und erneut seit dem Jahr 2006 an der Spitze der dortigen Ärztekammer. Seit 2007 war er zugleich Vizepräsident der Bundes­ärzte­kammer.

Anzeige
„Freiheit ist die Grundlage unseres Handelns“: Frank Ulrich Montgomery wurde 2011 an die Spitze der BÄK gewählt.
„Freiheit ist die Grundlage unseres Handelns“: Frank Ulrich Montgomery wurde 2011 an die Spitze der BÄK gewählt.

Nun haben ihn die Abgeordneten des 118. Deutschen Ärztetags (DÄT) für weitere vier Jahre an die Spitze der gesamten Ärzteschaft gewählt. Mit 161 von 230 gültigen Stimmen wurde der Radiologe in Frankfurt am Main als Präsident der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) bestätigt. Einen Gegenkandidaten gab es nicht. BÄK-Ehrenpräsident Prof. Dr. med. Karsten Vilmar hatte souverän die Wahl geleitet, die der vor vier Jahren als Nachfolger von Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe angetretene Montgomery im ersten Wahlgang für sich entscheiden konnte.

Ebenfalls ohne Gegenkandidaten waren die bisherigen BÄK-Vizepräsidenten, Dr. med. Martina Wenker und Dr. med. Max Kaplan, angetreten. Wenker, zugleich Kammerpräsidentin in Niedersachsen, erhielt 221 von 245 gültigen Stimmen. Kaplan, Kammerpräsident in Bayern, wurde mit 209 von 233 gültigen Stimmen in das Präsidium gewählt. Damit steht ein Team für eine zweite Amtsperiode an der Spitze der Bundes­ärzte­kammer, das sich nach Ansicht der Delegierten offensichtlich bewährt hat.

Im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt sieht Montgomery die ersten vier Jahre als BÄK-Präsident im Rückblick geprägt „von sehr viel Arbeit innerhalb der Bundes­ärzte­kammer“. Grund dafür waren „mehrere Umstrukturierungsprozesse“, die angesichts zunehmender Mittelknappheit angestoßen und dann auch durchgehalten werden mussten. „Nach außen“, so der Präsident in seinem Resümee, musste das neue Präsidium gleichzeitig seinen eigenen „Diskussionsstil“ mit der Politik finden, aber auch „mit Härte und Konsequenz“ deutlich machen, „was wir wollen und was nicht“.

Montgomery hat das nächste Aufgabenpaket schon geschnürt: „Die wichtigsten Themen in der Politik der kommenden Monate sind das Hospiz- und Palliativgesetz, das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz und das geplante Anti-Korruptionsgesetz.“ Langfristig werde es aber vor allem auch darum gehen, für die deutsche Ärzteschaft „die Freiheit und Freiberuflichkeit in der Selbstverwaltung zu sichern“. Das, so betonte Montgomery, werde „die herausragende Thematik der nächsten vier Jahre“.

Den Wert der Freiheit der Berufsausübung hatte der wiedergewählte Bundes­ärzte­kammer-Präsident zuvor in seiner Eröffnungsrede in der Paulskirche im Beisein von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) betont. Für die Ärztinnen und Ärzte sei sie „die Grundlage unseres Handelns“. Eine freie Berufsausübung schütze die Patienten vor medizinfremden Eingriffen in die Versorgung.

Sie sei der „Garant für Qualität“ und gleichzeitig „eine große Herausforderung, die uns als Ärztinnen und Ärzte alle eint: Freiberuflichkeit ist für uns viel mehr als wirtschaftliche Unabhängigkeit oder Garantie für die Versorgungswerke.“ Gerade die Freiberuflichkeit sichere freie medizinische Entscheidungen und die Unabhängigkeit des Patienten-Arzt-Verhältnisses und damit zugleich die Wahrung von Patientenrechten. Das BÄK-Präsidium will diese Ausrichtung der eigenen Arbeit beibehalten. Montgomery: „Deswegen kämpfen wir dagegen, dass die ärztliche Freiberuflichkeit in altbekannter Salamitaktik Scheibe um Scheibe beschnitten wird.“

Wie kämpferisch er sein kann, hat Montgomery zur Genüge in seiner langjährigen politischen Heimat bewiesen, beim Marburger Bund (MB). 18 Jahre lang, von 1989 bis 2007, war er Vorsitzender der Ärztegewerkschaft. Es ist vor allem ihm, dem begabten Redner und zur Not „Einpeitscher“ zu verdanken, dass die größten Ärztestreiks in der Geschichte Deutschlands in den Jahren 2005 und 2006 erfolgreich verliefen. Damals gelang es dem Marburger Bund, sich tarifpolitisch von der Gewerkschaft Verdi zu emanzipieren und sich als tariffähige Berufsgewerkschaft zu etablieren.

Als Vertreter der gesamten Ärzteschaft setzte Montgomery seit seiner erstmaligen Wahl zum Bundes­ärzte­kammer-Präsidenten auch auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, die die Interessen der niedergelassenen Ärzte vertritt. An welchen Stellen genau diese der Schuh drückt, vermitteln dem Sohn einer Hausärztin und eines britischen Offiziers nach eigenem Bekunden auch die Gespräche mit seiner Frau, die seit beinahe 20 Jahren als Allgemeinärztin in eigener Praxis in Hamburg tätig ist.

Darüber hinaus tragen Montgomerys vielfältige Kontakte dazu bei, dass er über die Sorgen und Nöte auch der Niedergelassenen oder der Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst gut informiert ist. Das kann er auch gegenüber Medienvertretern anschaulich und wirkungsvoll vermitteln. Mancher beneidet ihn insgeheim um seine Eloquenz und seine mediale Präsenz. Doch gleichzeitig sind viele froh, dass „Monty“, wie er von Freunden genannt wird, die ärztlichen Anliegen so gut vertritt.

Überzeugte Selbstverwalterin: So bezeichnet sich Vizepräsidentin Martina Wenker.
Überzeugte Selbstverwalterin: So bezeichnet sich Vizepräsidentin Martina Wenker.

Seine Kollegin Dr. med. Martina Wenker (56) ist seit 2006 Präsidentin der Lan­des­ärz­te­kam­mer Niedersachsen und arbeitet als Oberärztin in der Lungenklinik Diekholzen bei Hildesheim. „Ich bin ein überzeugter Selbstverwalter“, hatte sie vor vier Jahren nach ihrer Wahl ins Präsidium betont. „Die Ärztinnen und Ärzte wissen immer noch am besten, wo sie der Schuh drückt.“

Die Fachärztin für Innere Medizin hat sich in den vergangenen vier Jahren im Präsidium besonders für die Auseinandersetzung mit ethischen Themen innerhalb der ärztlichen Berufsausübung stark gemacht. So geht die Serie im Deutschen Ärzteblatt mit Kasuistiken zur ärztlichen Verantwortung in der Medizin am Lebensende auf ihr Engagement zurück. Wenker wird zudem sicher auch in den nächsten Jahren für die Kammern werben. „Wir müssen den Ärztekammern ein zeitgemäßes, modernes Gesicht geben“, sagte sie zu Anfang ihrer ersten BÄK-Wahlperiode.

Mit ein paar Zehen in der Praxis: Max Kaplan will die Bodenhaftung behalten.
Mit ein paar Zehen in der Praxis: Max Kaplan will die Bodenhaftung behalten.

Präsidiumsmitglied Dr. med. Max Kaplan (62), der seit 2010 auch Präsident der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer ist, hatte sich in seiner ersten Amtsperiode vor allem für die Qualitätssicherung der Weiter- und Fortbildung engagiert.

Der Allgemeinmediziner Kaplan ist seit 1985 als Landarzt in Pfaffenhausen im Allgäu niedergelassen. „Ich möchte – wenn schon kein Bein – zumindest ein paar Zehen in der Praxis haben, um die Bodenhaftung nicht zu verlieren“, hatte er nach seiner ersten Wahl 2011 angekündigt – und sich einen festen Tag in der Praxis trotz der Ämter vorgenommen.

Kaplan hat in den letzten Jahren manches schwierige innerärztliche Thema aufmerksam verfolgt und seine Position freundlich, aber bestimmt eingebracht. Das konnten Journalisten in zahlreichen öffentlichen Debatten zur Zukunft der Allgemeinmedizin oder zu den Aufgaben der Kammern bei der Weiterbildung gut beobachten. Die Definition der Anforderungen an die ärztliche Weiter- und Fortbildung gehöre zu den Kernaufgaben der Ärztekammern, hatte er bei seiner Wahl vor vier Jahren betont. Das dürfe man sich nicht aus der Hand nehmen lassen.

Auch ein Verfahren zur gegenseitigen Anerkennung der Fortbildungen zur Versorgungsassistentin in der Praxis (VERAH) und der Nicht-ärztlichen Praxisassistentin (NäPra) hat Kaplan auf den Weg gebracht. Delegation ja, Substitution nein – davon ist er überzeugt. Aber bestimmte Teilbereiche der Arbeit könne man durchaus an qualifizierte Mitarbeiterinnen delegieren, um Ärztinnen und Ärzte zu entlasten.

Egbert Maibach-Nagel, Sabine Rieser

Anstehen zur Wahl des neuen Präsidiums
Anstehen zur Wahl des neuen Präsidiums
Präsidentenwahl: Montgomery war einziger Kandidat
Präsidentenwahl: Montgomery war einziger Kandidat
Stimmabgabe der 250 Abgeordneten
Stimmabgabe der 250 Abgeordneten
Die Stimmzettel werden verteilt.
Die Stimmzettel werden verteilt.
Erwartungsvoll: Frank Ulrich und Anita Montgomery
Erwartungsvoll: Frank Ulrich und Anita Montgomery
Der BÄK- Vorstand in neuer Besetzung
Der BÄK- Vorstand in neuer Besetzung

Weitere Mitglieder

Ellen Lundershausen, HNO-Ärztin aus Erfurt.
Ellen Lundershausen, HNO-Ärztin aus Erfurt.

Mit 133 von 248 gültigen Stimmen bestätigte der Deutsche Ärztetag Ellen Lundershausen (64) als weiteres Mitglied des Vorstandes der Bundes­ärzte­kammer (BÄK). Die Hals-Nasen-Ohrenärztin gehört dem Gremium seit 2011 an. Seit 2007 ist sie außerdem Vizepräsidentin der Lan­des­ärz­te­kam­mer Thüringen. Lundershausen engagiert sich seit mehr als 20 Jahren in der ärztlichen Berufspolitik, unter anderem in der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen und dem Deutschen Berufsverband der HNO-Ärzte. Sie arbeitet in eigener Praxis in Erfurt.

Es gehe ihr bei ihrem politischen Engagement insbesondere um ein geschlossenes Handeln der Ärzteschaft, hatte Lundershausen bei ihrer Wahlrede vor den Abgeordneten erklärt. Nur so könne man auch politischen Einfluss ausüben. In dieser Hinsicht hätten die Ärztekammern in den vergangenen Jahren viel Positives erreicht. Sie hoffe, dass auch sie dazu beigetragen habe, sagte die HNO-Ärztin.

Klaus Reinhardt, Hausarzt aus Bielefeld
Klaus Reinhardt, Hausarzt aus Bielefeld

Als zweites weiteres Mitglied wählte der Deutsche Ärztetag Klaus Reinhardt (54) mit 123 von 244 gültigen Stimmen in den Vorstand der BÄK. Er amtiert bereits seit zehn Jahren als Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Der Allgemeinarzt aus Bielefeld ist zudem seit 2011 Vorsitzender des Hartmannbundes. Er sei hausärztlich sozialisiert, erklärte Reinhardt anlässlich seiner Kandidatur. Im Hartmannbund, der niedergelassene und Krankenhausärzte vertritt, engagiere er sich aber getreu dem Motto: gemeinsam sind wir stark – und das setze den innerärztlichen Interessenausgleich voraus. Das berufspolitische Engagement sei für ihn das probate Mittel, um in einem freiheitlich demokratischen System seine Rechte zu wahren. HK

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote