ArchivDeutsches Ärzteblatt21-22/2015Interview mit Dr. med. Franz Bartmann, Vorsitzender der Weiterbildungsgremien der Bundes­ärzte­kammer Kompetenzen abbilden, keine Zeiten

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Interview mit Dr. med. Franz Bartmann, Vorsitzender der Weiterbildungsgremien der Bundes­ärzte­kammer Kompetenzen abbilden, keine Zeiten

Korzilius, Heike

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Franz Bartmann (64) leitet seit 2010 die Weiterbildungsgremien der Bundesärztekammer. Der Chirurg ist seit 2001 Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein. Foto: Ärztekammer Schleswig-Holstein
Franz Bartmann (64) leitet seit 2010 die Weiter­bildungsgremien der Bundes­ärztekammer. Der Chirurg ist seit 2001 Präsident der Ärzte­kammer Schleswig-Holstein. Foto: Ärzte­kammer Schleswig-Holstein

Die Weiter­bildungs­ordnung wird seit vier Jahren grundlegend überarbeitet. Franz Bartmann über die Herausforderungen, wenn man etwas völlig anders machen will

Warum ist eine grundlegende Novelle der Weiter­bildungs­ordnung notwendig?

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Bartmann: Die Versorgungslandschaft hat sich in den letzten zehn, 15 Jahren dramatisch verändert. Immer mehr Weiterbildungsinhalte werden ambulant vermittelt, und innerhalb der Klinik führt eine zunehmende Spezialisierung dazu, dass es immer schwieriger wird, Weiterbildung zeitlich zu definieren. Kompetenz lässt sich eben nur inhaltlich abbilden. Diese Inhalte können nicht immer an ein und derselben Weiterbildungsstätte angeboten werden. Deshalb muss die Weiterbildung flexibler werden.

Sie haben vor dem Ärztetag einige Kernpunkte herausgestellt: die Möglichkeit der ambulanten Weiterbildung, die berufsbegleitende Weiterbildung, aber auch das neue Logbuch, das die tatsächlich erworbenen Kompetenzen abbilden soll.

Bartmann: … und zwar besser als bisher.

Warum ist das so entscheidend?

Bartmann: Wir haben, auch durch die Evaluation der Weiterbildung, immer wieder erlebt, dass die unserer Ansicht nach essenziellen Anforderungen an eine gute Weiterbildung nur formal umgesetzt werden. Zum Beispiel wird das Curriculum, welches wir bei der Befugniserteilung vom Weiterbilder anfordern, nicht regelhaft an die Weiterbildungsassistenten weitergegeben. Folgerichtig kommt es damit auch nicht zu der erwarteten und notwendigen Rückkoppelung. Jährliche Gespräche werden nur von einer Minderheit aller Weiterbildungsassistenten als durchgeführt empfunden.

Weiterbildungsreformen waren immer geprägt von Konflikten zwischen Berufsverbänden, Fachgesellschaften und Ärztekammern. Wie verläuft der Abstimmungsprozess, den Sie mit der interaktiven Online-Plattform WIKI-BÄK eingeleitet haben?

Bartmann: WIKI-BÄK ist der große Wurf. Das hat auch dieser Ärztetag gezeigt. In der Vergangenheit sind viele Entscheidungen, auch über Detailfragen innerhalb der Gebiete und Fachbereiche, nur für wenige Beteiligte wirklich transparent gewesen. Die heutige Entscheidung des Ärztetags, inhaltliche Änderungen an der Weiterbildungsnovelle ausschließlich über das offizielle WIKI-BÄK-Verfahren vorzunehmen und es nicht zuzulassen, dass ein Ärztetag emotional bestimmte Interessenlagen bedient, ist völlig neu und richtig.

Sie arbeiten seit vier Jahren an der Novelle. Wo liegen die größten Probleme?

Bartmann: Wenn man etwas völlig anders machen will, ist das größte Problem das Änderungsmanagement. Das trifft auf die Weiterbildungsgremien der Bundes­ärzte­kammer und die 17 Lan­des­ärz­te­kam­mern genauso zu wie auf die Fachgesellschaften und Berufsverbände. Es war viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Aber im Moment sind alle mit dem Prozess hoch zufrieden und sehen ihn als großen Fortschritt im Hinblick auf die Transparenz an.

Die Hausärzte waren am Anfang gar nicht begeistert von dem kompetenzbasierten Weiterbildungsmodell. Konnten Sie deren Bedenken ausräumen?

Bartmann: Ich denke, ja. Die Hausärzte haben damals die unterschiedlichen Weiterbildungsmodi als hierarische Struktur interpretiert, so als gelte der Modus 3, das „Beherrschen“, mehr der Modus 2, das „Kennen oder Können“. Diese Nomenklatur hat sich mittlerweile geändert, so dass diese Missverständnisse rein sprachlich weniger wahrscheinlich sind. Auch inhaltlich scheint jetzt eine eindeutigere Zuordnung und damit Akzeptanz möglich.

Wann wird die Novelle fertig sein?

Bartmann: Mein letzter Ärztetag ist 2018. Ich werde die Gremienarbeit nicht verlassen, ohne die Weiterbildungsnovelle abgeliefert zu haben.

Das Interview führte Heike Korzilius

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