ArchivDeutsches Ärzteblatt21-22/2015Therapie der Hypertonie: Genügend Wirkstoffe vorhanden

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Therapie der Hypertonie: Genügend Wirkstoffe vorhanden

Mosler, Nana

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Die Quote kontrollierter Hypertonien beträgt immer noch nur 50 Prozent.

Unbehandelt reduziert eine Hypertonie die Lebenserwartung eines 30-Jährigen gegenüber dem Normotoniker um fünf Jahre. Aktuelle Leitlinien empfehlen einen Zielblutdruck von < 140/90 mmHg für die Mehrzahl der Hypertoniker, für spezielle Patientengruppen lauten die Empfehlungen wie folgt:

  • gebrechliche ältere Patienten (< 80 Jahre) und über 80-Jährige: RR systolisch von 140–150 mmHg
  • Diabetiker: RR diastolisch < 85 mmHg
  • chronische Niereninsuffizienz (Proteinurie > 300 mg/d): RR systolisch < 130 mmHg.

Aktuelle Zahlen belegen für Deutschland, dass von 3 394 hypertonen Männern 45,4 Prozent kontrolliert eingestellt sind und von 3 680 Frauen 57,5 Prozent. Wie Dr. med. Siegfried Eckert, Bad Oeynhausen, berichtete, ist nach dreimaliger Blutdruckmessung in der Regel eine Diagnose gestellt; und bei 90 Prozent der Patienten wird eine primäre Hypertonie vorliegen. Bei sekundären Formen imponiere oft die obstruktive Schlafapnoe neben Nierenarterienstenosen, Hyperaldosteronismus und Phäochromozytom. Eckert verwies darauf, solche Fälle an Hypertensiologen zu delegieren.

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Eine englische Studie hat für 88 756 Hypertoniker belegt, dass 9 985 ein akutes kardiovaskuläres Ereignis erlitten (11,3 Prozent). Bereinigt um Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Adipositas, Diabetes und Rauchen, ergab sich ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen oder Tod, wenn die Therapie erst bei über 150 mmHg (systolisch) gesteigert wurde.

Die Therapie der Hypertonie ist einfach geworden. Trotzdem ist die Compliance dürftig, denn die Patienten leiden nicht. Eine geringe Zahl von Tabletten fördert die Compliance. Die Einnahme einer Fixkombination (zum Beispiel Vocado®HCT mit Olmesartan + Amlodipin + Hydrochlorothiazid) geht mit einem Anstieg der Compliance um 29 Prozent einher im Vergleich zum gleichen Wirkstoff frei kombiniert.

Der Blutdruckzielwert lässt sich also erreichen mit AT1-Rezeptor-Blocker, ACE-Hemmern, Kalzium-Antagonisten und Betablockern bei kardialer Komorbidität. Außerdem kommen Diuretika, Aldosteron-Antagonisten, Alphablocker und Vasodilatatoren infrage. Die Inzidenz der therapieresistenten Hypertonie schätzt man auf fünf bis acht Prozent.

Prof. Dr. med. Stephan Jacob, Villingen-Schwenningen, widmete sich der unheilvollen Allianz von Diabetes und Hypertonie. „Behandelt man 200 Menschen mit Typ-2-Diabetes über fünf Jahre, erreicht man mit der Blutdrucksenkung eine Reduktion ihrer kardiovaskulären Ereignisse um 12,5 Prozent und mit einer HbA1c-Senkung nur eine Reduktion von 2,9 Prozent“, stellte er klar. In Bezug auf die Therapie des Hochdrucks des Diabetikers seien Betablocker und Diuretika zu vermeiden und eher ACE-Hemmer, Kalzium-Antagonisten und AT1-Rezeptor-Blocker zu bevorzugen.

Trotz verfügbarer Medikamente und kostenloser Versorgung sind 14 Prozent der hypertonen Diabetiker unbehandelt. Unter Behandlung weisen 29 Prozent einen kontrollierten Blutdruck auf. Therapierefraktär bleiben 15 Prozent. „Wir machen längst nicht das, was wir machen könnten“, schloss Jacob.

Dr. med. Nana Mosler

Symposium anlässlich des Internistenkongresses in Mannheim: Hypertonie im Praxisalltag – Eine Herausforderung! , Veranstalter: Berlin-Chemie

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