ArchivDeutsches Ärzteblatt21-22/2015Anorexia Nervosa: App statt Fragebogen zur Symptomerfassung

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Anorexia Nervosa: App statt Fragebogen zur Symptomerfassung

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In einem Forschungsprojekt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie des Universitätsklinikums Dresden erhalten Patientinnen, die unter Anorexia Nervosa leiden, ein Handy, auf dem eine eigens dafür entwickelte App in unregelmäßigen Abständen mehrmals täglich Fragen zum aktuellen Befinden stellt (www.zfe.kjp-dresden.de). Der Schwerpunkt des Projekts unter der Leitung von Prof. Dr. med. Stefan Ehrlich liegt vor allem in der Untersuchung der bisher wenig erforschten biologischen Einflussfaktoren auf die Entstehung der Magersucht.

Um das Erleben und Verhalten in Alltagssituationen zu erfassen, werden oft Fragebögen eingesetzt, bei denen sich die Patienten im Nachgang an bestimmte Situationen erinnern müssen. „Erinnerungen sind fragil und können von vielen Faktoren beeinflusst und unpräzise werden, wenn wir längere Zeiträume in der Vergangenheit abfragen“, erläutert Ehrlich. „Deshalb nutzen wir Smartphones, um Symptome besser erfassen zu können.“

Über einen Zeitraum von zwei Wochen erhalten die Probandinnen daher ein Smartphone, über das ihnen sechsmal täglich kurze Fragebögen in Form eines „Alarms“ gesendet werden. Darin geht es unter anderem um Gedanken zum Essen und Körpergefühl, um Gemütszustände oder um die aktuelle Beschäftigung. Beispielsweise: „Hast du dich seit dem letzten Alarm gedanklich mit Dingen, die mit Essen, Nahrung, Kochen, Kalorien zu tun haben, beschäftigt?“ Der Fragebogen muss innerhalb einer halben Stunde beantworten werden.

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Die gesammelten Daten geben genauer Auskunft über den direkten Einfluss der natürlichen Umgebung des Probanden. Auch lassen sich auf diese Weise die Veränderungen von seelischen und körperlichen Zuständen präziser messen und Gedächtnisfehler vermeiden. Mit der Datenerhebung in Echtzeit wollen Wissenschaftler untersuchen, welchen Einfluss die kognitive Kontrolle auf das Alltagsleben von Magersüchtigen hat und wie sich dies auf die Langzeitergebnisse einer Therapie auswirkt. EB

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