ArchivDeutsches Ärzteblatt21-22/2015Infektiologie: Zu einfach gemacht
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Die Autoren beschreiben sehr gut die aktuelle „wirkliche“ Situation bei den nosokomialen Infektionen. Allerdings kann ich eine Einschätzung absolut nicht teilen. Eine Behandlung eines voll empfindlichen Pseudomonas aeruginosa ist in der Regel nicht schwieriger zu behandeln als eine Infektion mit einem MRSA. Der gegensätzliche Fall liegt leider vor. Schwierigkeiten bei der Behandlung von Infektionen mit unterschiedlichen Erregern sollten auch niemals allein daran fest gemacht werden, wie viele Antibiotikaklassen noch zur Verfügung stehen. Damit macht man es sich zu einfach! Die Berücksichtigung von Pharmakokinetik, Pharmakodynamik mit Penetration in die unterschiedlichen Lokalisationen sollten beim Einsatz von Antibiotika immer berücksichtigt werden. Dies wird am Beispiel einer Pneumonie sehr deutlich. Für eine MRSA-Pneumonie steht nur noch das Linezolid als Optimal-Therapie zur Verfügung, da Vancomycin nur sehr schlecht in das Lungengewebe penetriert. Daptomycin wird durch das Lungensurfactant deaktiviert. Das recht neue Ceftarolin hat alle Vorteile eines Cephalosporins bei der Behandlung von Pneumonien, ist aber leider nicht für eine nosokomiale MRSA-Pneumonie zugelassen. Damit schrumpfen die Möglichkeiten doch sehr schnell auf ein Minimum. Bei einer Pneumonie verursacht durch einen gut empfindlichen Pseudomonas aeruginosa dagegen, bleiben noch viele Möglichkeiten, wie zum Beispiel Chinolone, Piperacillin/Tazobactam oder Ceftazidim. Als Reserve stehen dann auch noch Antibiotika wie Meropenem oder Colistin zur Verfügung.

Norman Lippmann, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Universitätsklinikum Leipzig, 04103 Leipzig

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