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Für das entgegengebrachte Interesse an der Darstellung der Durchimpfungsraten auf regionaler Ebene möchten wir uns herzlich bedanken.

Übereinstimmend mit Dr. Lüder sehen wir die Impfpflicht in der ehemaligen DDR nicht als einzigen Grund für die unterschiedlichen Durchimpfungsraten in alten und neuen Bundesländern an. Die genannten alternativen Einflussfaktoren sind alle plausibel, konnten aber methodisch bedingt in unserer Studie nicht untersucht werden. Dr. Krüger danken wir für seinen Hinweis auf das Engagement der Kinderärzte als wesentlicher Erfolgsfaktor, der durch unsere Daten bestätigt wird.

Zu den Aussagen von Dr. Hirte merken wir an, dass bisher keine kausale Assoziation zwischen Hepatitis-B-Impfung und Autoimmunerkrankungen nachgewiesen wurde. Mit zunehmendem Kindesalter nimmt die Häufigkeit der Arztbesuche ab. Deshalb wird eine hohe Durchimpfungsrate durch Grundimmunisierung im Säuglingsalter zuverlässiger gewährleistet. Die Umstellung auf einen azellulären Pertussisimpfstoff (Pa) beendete die beim Ganzkeimimpfstoff (Pg) beschriebenen Nebenwirkungen. Eine Herausforderung bleibt die zeitlich begrenzte Immunität nach Impfung („waning immunity“), weshalb Auffrischimpfungen notwendig sind.

Leider können geimpfte Personen als Überträger des Pertussiserregers fungieren, was die Eindämmung der Erkrankung zusätzlich erschwert. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang eine auch nach Erkrankung auf 15–20 Jahre begrenzte Immunität (1). Der Nutzen der Impfung zeigt sich in einer Reduktion der zu einer Hospitalisierung führenden schweren Krankheitsverläufe.

Die Studienlage bestätigt, dass eine Mumpserkrankung bei Mädchen das Risiko von Ovarialkarzinomen senkt. Allerdings erfolgte die Mehrheit der Studien zu einer Zeit, in der die Kontrollgruppe aus überwiegend ungeimpften Frauen bestand. Die bisher einzige größere Studie mit höherem Anteil geimpfter Frauen in der Kontrollgruppe fand keinen Unterschied in der Häufigkeit des Auftretens von Ovarialkarzinomen, obwohl die für die Risikoreduktion verantwortlich gemachte Ausprägung von MUC1-Antikörpern bei Impfung nicht erfolgt (2). Erkrankungskomplikationen wie Encephalitiden, Ertaubung oder Oophoritis stellen daher auch bei Mädchen eine Indikation zur Infektionsprophylaxe dar.

Seit Einführung der Varizellenimpfung hat die Zahl der Infektionen mit notwendiger Hospitalisierung signifikant abgenommen. Der beobachtete Anstieg an Zoster-Erkrankungen ist in seiner Ätiologie noch nicht vollständig verstanden. Auffällig ist jedoch ein Anstiegsbeginn schon Jahre vor Einführung der Varizellenimpfung, so dass andere Risikofaktoren als mögliche Ursachen anzunehmen sind. Trotz der nach einer Impfung beschriebenen „waning immunity“ konnte bisher noch kein Anstieg der Varizelleninzidenz bei Erwachsenen beobachtet werden. Das gilt auch für die USA, wo die Varizellenimpfung seit 1995 verfügbar ist (3).

Die Bestimmungen einer klinischen Prüfung vor Zulassung von Impfstoffen regelt die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) (4). Nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht eine Meldepflicht für mögliche Impfkomplikationen und -Schäden. Die Meldungen werden vom Paul-Ehrlich-Institut gesammelt und jährlich veröffentlicht.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0403

Für die Autoren

Dr. med. Martin Weigel

Abteilung Versorgungsepidemiologie und Community Health,
Institut für Community Medicine

Universitätsmedizin Greifswald
martin-weigel@gmx.net

Interessenkonflikt

Dr. Weigel bekam Studienunterstützung (Drittmittel) von den Firmen Wyeth Pharma, Sanofi Pasteur MSD und Novartis-Behring.

PD Dr. Bruns wurde honoriert für Beratertätigkeit (Advisory Board) von den Firmen Pfizer, AstraZeneca und Sanofi Pasteur MSD. Sie bekam Kongressgebühren- und Reisekostenerstattung von der Firma Pfizer. Für Vorträge wurde sie honoriert von den Firmen Pfizer, AstraZeneca, Sanofi Pasteur MSD, GlaxoSmith Kline, Novartis und Abbvie.

Frau Weitmann und Prof. Hoffmann erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten: Merkblätter für Ärzte – Pertussis; Epidemiologisches Bulletin 2001: 43: 328–31.
2.
Cramer DW, Vitonis AF, Pinheiro SP, et al.: Mumps and ovarian cancer: modern interpretation of an historic association. Cancer Causes Control 2010; 21: 1193–201 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Siedler A, Hecht J, Rieck T, Tolksdorf K, Hengel H: Die Varizellenimpfung in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt 2013; 56: 1313–20 CrossRef MEDLINE
4.
European Medicines Agency, Committee for Human Medicinal Products: Note for guidance on the clinical evaluation of vaccines. 2005.
5.
Weigel M, Bruns R, Weitmann K, Hoffmann W: Immunization rates at the school entry in 2012—nationwide German data with regional and local breakdown. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 788–94 VOLLTEXT
1.RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten: Merkblätter für Ärzte – Pertussis; Epidemiologisches Bulletin 2001: 43: 328–31.
2.Cramer DW, Vitonis AF, Pinheiro SP, et al.: Mumps and ovarian cancer: modern interpretation of an historic association. Cancer Causes Control 2010; 21: 1193–201 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Siedler A, Hecht J, Rieck T, Tolksdorf K, Hengel H: Die Varizellenimpfung in Deutschland. Bundesgesundheitsblatt 2013; 56: 1313–20 CrossRef MEDLINE
4.European Medicines Agency, Committee for Human Medicinal Products: Note for guidance on the clinical evaluation of vaccines. 2005.
5.Weigel M, Bruns R, Weitmann K, Hoffmann W: Immunization rates at the school entry in 2012—nationwide German data with regional and local breakdown. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 788–94 VOLLTEXT

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