ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2015Komorbidität im höheren Lebensalter: Verminderte Sehfunktion ist ein wichtiger Indikator

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Komorbidität im höheren Lebensalter: Verminderte Sehfunktion ist ein wichtiger Indikator

Gerste, Ronald D.

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Eine hochgradige Sehbehinderung ist bei älteren Menschen eine der wichtigsten Ursachen für ein Nachlassen sozialer Aktivitäten, den Verlust an Lebensqualität und für Stürze. Altersbedingte Makuladegeneration, Glaukom, diabetische Retinopathie, retinale und zentrale Gefäßleiden wie zum Beispiel ein Zustand nach Schlaganfall sind häufige Auslöser.

Eine schottische Arbeitsgruppe hat die demografischen und medizinischen Daten von mehr als 290 000 älteren Bürgerinnen und Bürgern (≥ 65 Jahre) analysiert auf Koinzidenzen von Sehbehinderungen und andere gesundheitliche Einschränkungen. 5 348 Individuen (1,8 % der gesamten Studienteilnehmer) waren als stark sehbehindert oder blind einzustufen. Im Vergleich zu den übrigen 98,2 % der Population, die als Kontrollgruppe fungierten, waren die Sehbehinderten im Schnitt deutlich älter (80,9 vs. 74,9 Jahre). Bei den visuell Eingeschränkten lagen signifikant häufiger mehrere Komorbiditäten vor als in der Kontrollgruppe: 15,4 % der Sehbehinderten hatten vier weitere Erkrankungen gegenüber 11,7 % der Individuen mit altersentsprechend normaler Sehleistung; fünf oder mehr Komorbiditäten hatten 37,4 % gegenüber 17,8 %.

Die am häufigsten diagnostizierte Komorbidität bei den Sehbehinderten war Hypertonus mit 55,6 % (46,7 % in der Kontrollgruppe). Sehbehinderte hatten eine um 50 % häufigere Wahrscheinlichkeit an Depressionen zu leiden, als der Rest des Kollektivs.

Die visuelle Behinderung wird von den Autoren als ein wichtiges Hindernis auf dem Weg zu einer gesunden Lebensführung bezeichnet, was mit Blick auf den Bluthochdruck sowie für die Prävalenz von Herzkrankheiten (28,8 %) und Diabetes mellitus (25,9 %) bei den Betroffenen gilt.

Fazit: „Die Studie belegt, wie wichtig die Überprüfung der Sehkraft im Alter ist, da zahlreiche Beeinträchtigungen mit vermindertem Sehvermögen einhergehen,“ kommentiert Prof. Dr. med. Antonius Schneider, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Technischen Universität München. „Insofern ist es erstaunlich, dass im geriatrischen Basisassessment ein Sehtest für Senioren nicht regelhaft implementiert ist. Auch die Bedeutung der anderen Sinnesfunktionen wie Gehör- oder Geschmackssinn werden nicht angemessen hoch bewertet. Weitere Forschung müsste klären, ob ein systematischer Check-up für Senioren, der entsprechende Untersuchungen beinhaltet, zu einer besseren Lebensqualität im Alter führen kann.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Court H, et al.: Visual impairment is associated with physical and mental comorbidities in older adults: a cross-sectional study. BMC Medicine 2014, 12: 181; www.biomedcentral.com/1741–7015/12/181

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