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Globale Gesundheit: Hohe Erwartungen an den G7-Gipfel

Dtsch Arztebl 2015; 112(23): A-1015

Zylka-Menhorn, Vera

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Dr. med. Vera Zylka-Menhorn, Ressortleiterin Medizinreport
Dr. med. Vera Zylka-Menhorn, Ressortleiterin Medizinreport

Masern in Deutschland, Ebola in Westafrika, multiresistente Keime in Krankenhäusern, neue und alte Erreger auf dem Vormarsch – Infektionskrankheiten bergen Sprengkraft für die globale Gesellschaft. Sie haben das Potenzial, die wirtschaftliche, soziale und politische Stabilität von ganzen Regionen zu gefährden. Aber auch gesellschaftliche Umstrukturierungen (Demografie) und Ungleichheiten (Ökonomie) infolge globaler Prozesse schaffen neue Gesundheitsbelastungen. Dies ist keine neue Erkenntnis, aber ein politisches Feld, das Spielraum für deutliche Verbesserungen bietet, obwohl eine Reihe von Ländern – darunter auch Deutschland – bereits in den letzten Jahren Strategien für die globale Gesundheit sowie für die Zusammenarbeit mit der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) entwickelt haben. Unterstützung erfahren sie international von mehr als 100 Organisationen: darunter 26 UN-Organisationen, 20 globale und regionale Fonds, private Stiftungen sowie einzelne Philanthropen. Sie tun dies durchaus mit Erfolgen, wie die Beispiele HIV-Infektion, Malaria und Tuberkulose belegen.

Dennoch: Die Ebola-Epidemie hat erneut offengelegt, dass Gesundheitspolitik im 21. Jahrhundert verschiedene Ressorts und Akteure einbinden muss, um auf mehreren Ebenen gestaltend wirksam sein zu können. Dazu gehören so unterschiedliche Bereiche wie der Aufbau einer flächendeckenden medizinischen Grundversorgung in Entwicklungsländern, eine global funktionierende Seuchenkontrolle oder die dringend überfällige Reform der WHO, um nur wenige Beispiele für den politischen Handlungsdruck zu nennen.

Auch Ärzte und Wissenschaftler sehen sich in der Pflicht. „Es ist die Aufgabe der nationalen Wissenschaftsakademien, ihren Sachverstand in die politische Debatte einzubringen“, sagte Prof. Dr. med. Jörg Hacker, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, als er Bundeskanzlerin Angela Merkel drei Stellungnahmen zur Beratung beim G7-Gipfeltreffen in Schloss Elmau überreichte. Sie betreffen die Themen Zukunft der Meere, vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten sowie Antibiotikaresistenzen (siehe Seite A 1046).

Die Erwartungen an die G7-Gipfelpolitiker und die Gastgeberrolle Deutschlands sind groß (BMJ 2015; 350: h1210). Skeptiker stellen zwar infrage, ob resultierende Gipfelerklärungen überhaupt in der Lage sind, Veränderungen einzuleiten, zumal mächtige Akteure wie Brasilien, China, und Russland fehlen. Optimisten hingegen weisen auf positive Erfahrungen der vorhergehenden Gipfeltreffen hin: So wurde auf Basis der Beschlüsse von Okinawa (2000) und Genua (2001) der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria ins Leben gerufen, der bislang 31 Milliarden US-Dollar zur Stärkung von nationalen Programmen und Gesundheitssystemen zur Verfügung gestellt hat. Und beim Gipfel 2007 in Heiligendamm haben die Politiker eine finanzielle Verpflichtung von 60 Milliarden US-Dollar zum Kampf gegen Infektionskrankheiten unterzeichnet – und auch eingehalten.

Man darf daher gespannt sein, welches Signal von Elmau ausgehen wird. Darauf hofft sicher auch Multi-Milliardär und Aktivist Bill Gates. Er hält nach neuesten Computerberechnungen eine kontinentübergreifende Pandemie für die wahrscheinlichste Katastrophe, der die Menschheit ausgesetzt ist: „Ebola war vielleicht die letzte Warnung, die wir bekommen haben.“

Dr. med. Vera Zylka-Menhorn
Ressortleiterin Medizinreport

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    dr.med.thomas.g.schaetzler
    am Sonntag, 7. Juni 2015, 16:46

    Außer Spesen nichts gewesen?

    Wenn sich mit einem gigantischen finanziellen Aufwand Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industriestaaten (G7) im idyllischen bayrischen Schloss Elmau bei Garmisch-Partenkirchen (GAP) inmitten intensiver Land-, Alm-, Vieh- bzw. G7-Protestwirtschaft treffen, um ausgerechnet gemeinsam mit Gastgeberin und "Gesundheitskanzlerin" Frau Dr. Angela Merkel über "Gesundheitsthemen" zu plaudern, wirkt das wie eine Stationsbesprechung in einer geschlossenen Abteilung bei "Einer flog über das Kuckucksnest".

    Denn mehr semantische, krankheitsverleugnende Einfältigkeit geht gar nicht! W a s verbindet denn die drängenden Themen wie
    • Bessere weltweite Bekämpfung von Infektionskrankheiten (z. B. Malaria, TBC)?
    • Ebola-Ausbruch in Westafrika 2014, Dengue-Fieber, West-Nil-Infektion etc.?
    • Katastrophenhilfe bei zigtausend Ertrinkenden im Mittelmeer und Südostasien?
    • Kampf gegen Antibiotikaresistenzen mit hochgeschätzt weltweit Millionen Toten?
    • Optimierter Einsatz von Antibiotika in Human- u n d Tiermedizin?
    • Entwicklung dringend benötigter neuer Antibiotika/Anti-Infektiva?
    • Praxis- und Krankenhaushygiene bzw. deren Implementierung in der Bevölkerung?

    Geneigte Leserinnen und Leser des Deutschen Ärzteblatts wissen im Gegensatz zu einer völlig abgehobenen Politiker-Kaste längst, was ich meine:
    Es geht hier vornehmlich und ausschließlich um K R A N K H E I T E N, Siechtum, Tod und k e i n e s f a l l s um Gesundheit oder Wohlbefinden!
    Letzteres wird sich im von der realen Welt hermetisch abgeriegelten und abgeschirmten Schloss Elmau sicherlich einstellen, wenn es sich so behaglich über Gesundheit parlieren lässt. Weil damit die sich abstrampelnde Menschheit Draußen in der so fernen realen Welt mit ihren hässlichen K r a n k h e i t s-, S e u c h e n- und S o z i a l p r o b l e m e n abgeschüttelt bleibt.

    Unsere Physikexpertin und "Klimakanzlerin" hat sich schon mit der Klimarettung im eigenen Land mit dem Stichwort "Energiewende" bis auf die Knochen blamiert. Als "Gesundheitskanzlerin", wie sie nicht nur hier im eher konservativen Deutschen Ärzteblatt tituliert wird, wirkt sie jetzt schon wie ein Totalausfall:

    Weil sie und ihre G7-Kollegen mit oder ohne Wladimir Putin nicht mal einfachste Begrifflichkeiten bzw. die Differenzierung zwischen Gesundheit und Krankheit beherrschen. Außer Spesen nichts gewesen!

    Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
    EEBO
    am Samstag, 6. Juni 2015, 10:43

    Und ich bitte doch sehr darum,

    das Forum nicht für solche Ergüsse zu mißbrauchen - weltanschauliche Neutralität ist ein hohes Gut, im Gegensatz dazu ist es dieser plumpe Missionierungsversuch nicht!
    gennadij
    am Freitag, 5. Juni 2015, 22:50

    Herr

    Es scheint unpassend zu G-7 und globalen gesundheitlichen Problemen oder Einschränkungen zu sein. Aber ich beharre darauf, dass unten gewählte sehr aktuell und wichtig ist.
    ,,1Liebe Freunde, ich sehne mich von Herzen danach und bete zu Gott, dass das jüdische Volk gerettet wird. 2Ich kann bezeugen, mit welcher Hingabe sie Gott dienen, aber es fehlt ihnen die richtige Erkenntnis. 3Denn sie haben nicht erkannt, auf welche Weise Gott die Menschen gerecht erklärt. Stattdessen gehen sie ihren eigenen Weg, indem sie versuchen das Gesetz zu halten, um dadurch die Anerkennung Gottes zu gewinnen. Damit lehnen sie den Weg Gottes ab. 4Denn mit Christus ist die Absicht des Gesetzes vollkommen erfüllt. Wer an ihn glaubt, wird vor Gott gerecht gesprochen."
    Römer 10, Die Bibel. Neues Leben
    Mit freundlichen Grüßen
    Gena
    cave: Ich bitte die Mitlesen um Verständnis, nicht um Aufbaus. Und hoffe, dass dieser Tropf heilend wirken wird.

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