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Aus dem „ Kontra“ kann ich keinen Grund ableiten, keine Patientenverfügung zu erstellen.

  • Die Patientenverfügung wird in der Regel für Situationen erstellt, in denen der Patient sich im unmittelbaren Sterbeprozess oder im Endstadium einer unheilbaren Erkrankung befindet. Es wird also gerade nicht „ . . . jede medizinische Notversorgung, künstliche Ernährung und künstliche Beatmung eingestellt“. Behandlungen von akuten Situationen (Myokardinfarkt, Status epilepticus, Lungenembolie usw.) werden in den üblichen Verfügungen nicht abgelehnt.
  • Die Verfügung gilt gerade für Menschen, die zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Lage sind, ihren eigenen Willen zu äußern.
  • Die Verfügung kann vom Patienten jederzeit geändert werden.
  • Aus diesem Grund ist das Beispiel mit der ALS schlecht geeignet. Hier ist der Patient sehr lange noch fähig, selbst zu entscheiden, und kann dann hinsichtlich der aktuellen Erkrankung bestens aufgeklärt und informiert werden. Wenn er dann die Beatmung wählt, spricht dies doch nicht gegen die Patientenverfügung.
  • Die Situation, in der ein Patient mittels Brain-Computer-Interface oder Tracker befragt wird, wird sich in den meisten Häusern auch der höchsten Versorgungsstufe nur selten ergeben, da diese Geräte und das Know-how dort nur selten vorhanden sein dürften. Natürlich sollen diese eingesetzt werden. Das hilft aber dem Komatösen nicht, der dem Rat von Prof. Birbaumer folgt und keine Verfügung angefertigt hat.

Deshalb macht die Erstellung einer Patientenverfügung mit Vorsorgevollmacht immer Sinn. Ich möchte nicht nach intrazerebraler Blutung in tiefer Bewusstlosigkeit monate- oder jahrelang beatmet und ernährt werden, bis ich dann an der zehnten Pneumonie versterben darf. Für diesen Fall bestimme ich im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, dass die Behandlung beendet wird (aber nicht, dass eine Behandlung a priori gar nicht stattfindet).

Dr. med. Klaus-Detlev Jost, 85521 Ottobrunn

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