ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2015Private Klinikträger: Die Großen erzielen gute Gewinne

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Private Klinikträger: Die Großen erzielen gute Gewinne

Stüwe, Heinz

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Die privaten Krankenhausträger streben streben zweistellige Renditeziele an. Foto: canstockphoto
Die privaten Krankenhausträger streben streben zweistellige Renditeziele an. Foto: canstockphoto

Medizinische Versorgungszentren betreiben sie alle, aber geschäftlich hat die ambulante Behandlung für die privaten Klinikgruppen noch keine große Bedeutung.

Unter den größten privaten Klinikträgern ist die Rhön-Klinikum AG, Bad Neustadt an der Saale, nur noch die Nummer vier, nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr 41 Krankenhäuser an Fresenius Helios verkauft hat. Aber zuletzt sorgte gerade Rhön für Schlagzeilen. Aufsichtsratsvorsitzender, Unternehmensgründer und Großaktionär Eugen Münch kündigte an, den Verkaufserlös auch in den Ausbau medizinischer Zentren zu stecken, um den Hausarzt vor Ort überflüssig zu machen. Münch bezog sich auf Investitionen am Stammsitz in Bad Neustadt. Dort will Rhön bis 2018 nach Darstellung im Geschäftsbericht 2014 insgesamt 180 Millionen Euro investieren. Das Ziel: ein „Mustervorhaben für die weitere Entwicklung der Gesundheitsversorgung in Europa“. Und über die zu Rhön gehörende Uniklinik Marburg heißt es in einem konzerninternen Protokoll, aus dem das Deutsche Ärzteblatt Mitte April zitierte: „Die weitere Existenz von Marburg wird nur in der Schaffung ambulanter Strukturen mit dem Ziel, die ambulante Flächenversorgung weitgehend zu übernehmen oder mindestens zu steuern, gesehen.“ Die Ambulanz solle zu einer Poliklinik oder einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in der Uniklinik ausgebaut werden.

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Scharfe Kritik an Münch

MVZ betreiben alle privaten Klinikträger. Niemand schlägt aber gegenüber den Niedergelassenen solche Töne an wie Münch und provoziert Widerstand. Der heftige Protest der Ärztekammer Hessen ließ deshalb auch nicht lange auf sich warten. Der Rhön-Vorstand steht vor der Schwierigkeit, für das deutlich geschrumpfte Unternehmen ein in der Zukunft tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Vorstandsvorsitzender Dr. jur. Dr. med. Martin Siebert setzt auf „organisches Wachstum, passende Akquisitionen und Ausbau der Netzwerkmedizin“. Ein Netzwerk hat Rhön ausgerechnet mit den früheren Gegnern im Übernahmekampf, Asklepios und Fresenius Helios, vereinbart. Gemeinsam wollen sie für Mitglieder einer Zusatzversicherung ambulante und stationäre Leistungen anbieten – mittelfristig, wie es im Rhön-Geschäftsbericht heißt.

Erst einmal haben die meisten Rhön-Aktionäre Kasse gemacht: Fast 1,7 Milliarden Euro flossen ihnen im Wege eines Aktienrückkaufs durch die Gesellschaft mit anschließender Kapitalherabsetzung zu. Dadurch verschoben sich auch die Gewichte unter den Großaktionären. Der Medizinproduktehersteller B. Braun Melsungen hält 18 Prozent, zweitgrößter Anteilseigner ist jetzt mit 15 Prozent der Alleingesellschafter der Asklepios-Kliniken in Hamburg, Dr. Bernard gr. Broermann, gefolgt von der Familie Münch (gemeinsam 11 Prozent).

Wegen der Großtransaktion erzielte die Rhön-Klinikum AG 2014 aus 1,5 Milliarden Euro Umsatz 1,23 Milliarden Euro Gewinn. Für 2015 erwartet der Vorstand 1,1 Milliarden Euro Umsatz und rund 150 Millionen Euro operativen Gewinn.

Umsatzplus bei Asklepios

Gr. Broermanns eigenes Unternehmen ist, gemessen an der Mitarbeiterzahl, dreimal so groß wie Rhön. Die Asklepios-Kliniken mit mehr als 45 000 Beschäftigten durchbrachen 2014 beim Umsatz erstmals die Drei-Milliarden-Euro-Marke. Noch schneller als der Umsatz, der um 4,2 Prozent zulegte, wurden das Betriebsergebnis (Ebitda) und der Konzernüberschuss (plus 25 Prozent auf 152 Millionen Euro) gesteigert. Damit machte Asklepios aus 100 Euro Umsatz fünf Euro Gewinn.

Die verbesserten Erträge gehen nach Angaben der Geschäftsführung auf Einsparungen bei der Beschaffung von Medizinprodukten und bei den Energieaufwendungen zurück. Der Material- und auch der Personalaufwand seien langsamer gewachsen als der Umsatz. Der Krankenhauskonzern in Familienbesitz, mit einer Eigenkapitalquote von 35 Prozent solide finanziert, konnte zwei Drittel von 243 Millionen Euro Investitionen selbst aufbringen. Der Rest stammte aus öffentlicher Förderung.

Die Kennzahlen der privaten Krankenhausträger
Tabelle
Die Kennzahlen der privaten Krankenhausträger

Insgesamt 2,2 Millionen Patienten wurden 2014 in den 54 Akutkliniken, 41 Rehakliniken, 13 Psychiatrischen Einrichtungen sowie 33 MVZ und sonstigen Einrichtungen der Gruppe behandelt. Der Zuwachs um 2,6 Prozent verteilt sich fast gleichmäßig auf die stationären und ambulanten Einrichtungen. Für dieses Jahr erwartet die Asklepios-Spitze ein weiteres Wachstum.

Asklepios, das 2015 sein dreißigjähriges Jubiläum feiert, hat Bernard gr. Broermann zusammen mit dem Arzt Dr. med. Lutz Helmig gegründet, bevor sich 1994 ihre Wege trennten. Die von Helmig aufgebauten und 2005 an den Fresenius-Konzern verkauften Helios-Kliniken sind heute mit Abstand der größte private Klinikträger. Nach dem Erwerb der Lungenklinik Diekholzen im Kreis Hildesheim Ende März gehören zu Fresenius Helios 87 Akutkrankenhäuser, darunter sieben Maximalversorger, 24 Rehakliniken und außerdem 47 MVZ, fünf Rehazentren, elf Präventionszentren sowie 15 Pflegeeinrichtungen. 90 Prozent des Umsatzes von 5,24 Milliarden Euro (2014) stammt aus den Akutkliniken. Zum Gesamtkonzern gehören außerdem die Unternehmensbereiche Fresenius Medical Care (Dialysegeräte und -zentren), Fresenius Kabi (Infusionstherapie, Transfusionstechnik) und Fresenius Vamed (Dienstleistungen für Krankenhäuser). Im Blick auf die Pläne Münchs ist es bemerkenswert, dass der Fresenius-Vorstandsvorsitzende Dr. Ulf Schneider ausdrücklich keinen integrierten Gesundheitskonzern anstrebt, obwohl seine Gruppe am ehesten die Voraussetzungen dafür böte. „Wir betreuen zwar das eine oder andere Medizinische Versorgungszentrum, aber das machen wir nicht als erklärte Strategie flächendeckend, sondern nur dort, wo regional in Deutschland die ambulante Versorgung nicht sichergestellt ist“, sagte er im Juli 2014 dem „Spiegel“.

Renditeziel 15 Prozent

Dass gerade Beschäftigte in Helios-Kliniken über Leistungsverdichtung klagen, kommt nicht von ungefähr. Der börsennotierte Konzern setzt sich besonders hohe Gewinnziele: Nach fünf bis sechs Jahren soll eine übernommene Klinik 12 bis 15 Prozent Rendite erwirtschaften. In den kürzlich zugekauften Häusern lag diese Kennzahl (Ebit-Marge/Gewinn vor Zinsen und Steuern in Prozent des Umsatzes) 2014 bei 8,8 Prozent. Selbst die schon länger zu Helios gehörenden Kliniken erreichten mit
11,4 Prozent Umsatzrendite die Zielmarke noch nicht. „Die Integration der von der Rhön-Klinikum AG erworbenen Kliniken verläuft planmäßig“, heißt es im Bericht zum ersten Quartal 2015. Die Kosten für die Integration der zusätzlichen Krankenhäuser gibt Helios mit 60 Millionen Euro an, verteilt auf 2014 und 2015. Dem sollen jährliche Einsparungen von 85 Millionen Euro gegenüberstehen. Ausgezahlt hat sich die gute Entwicklung des Konzerns für den Vorstand: Schneider erhielt 2014 eine Barvergütung von 2,5 Millionen Euro, Dr. Francesco De Meo, der Fresenius Helios leitet, 1,58 Millionen Euro, davon gut eine Million Euro als Bonus.

Im Vergleich zu Helios gibt sich die Nummer drei unter den privaten Trägern, die Sana Kliniken AG, mit einer maßvollen Rendite zufrieden. Die Ebit-Marge lag bei dem Unternehmen, dessen Aktien von 30 privaten Krankenversichernern gehalten werden, 2014 bei fünf Prozent. Sana ist schnell gewachsen, seit 2000 um fast 16 Prozent im Jahresdurchschnitt. Auch wenn der Konzernumsatz 2014 nur um 7,1 Prozent auf 2,16 Milliarden Euro gestiegen ist: Profitables Wachstum mit zweistelligen Umsatzsteigerungsraten bleibt für die Zukunft das Ziel. Das lässt sich nur durch weitere Zukäufe realisieren. „Wir sind gut gerüstet, auch künftig eine bedeutsame Rolle bei Privatisierungsvorhaben zu spielen“, lässt sich Vorstandsvorsitzender Dr. Michael Philippi im Geschäftsbericht zitieren. Noch ist Sana dabei, die größte Akquisition der Unternehmensgeschichte zu bewältigen. Dabei geht es voran: Das Klinikum Offenbach, im Sommer 2013 von der Stadt übernommen, hat seinen Jahresverlust von 24 auf 5,5 Millionen Euro abgebaut. Auch deshalb stieg der Sana-Konzerngewinn auf 61,5 Millionen Euro.

Während Sana das Klinikum im Ohrekreis und die Ostemed Kliniken GmbH abgegeben hat, wurden die früher Helios gehörenden Kliniken Leipziger Land mit den Standorten Borna und Zwickau erworben. Ebenfalls seit Jahresbeginn gehört die Polikum-Gruppe zu Sana, die an drei Standorten in Berlin und einem in Leipzig MVZ betreibt. Polikum deckt mit gut 500 Mitarbeitern, darunter 130 Fachärzten und Zahnärzten, mehr als 20 Fachrichtungen ab. Auch Sana expandiert somit an seinen Klinikstandorten in die ambulante Versorgung - allerdings ohne schrille Begleitmusik.

Heinz Stüwe

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