ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2015Biospsychosozialer Aspekt
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Wir danken den Kollegen für den Beitrag, der sich ausführlich mit der Pharmakotherapie, Psychotherapie und Elektrokonvulsionstherapie (EKT, im Artikel als Elektrokrampftherapie bezeichnet) auseinandersetzt (1). Vermisst haben wir den biopsychosozialen Aspekt eines Gesamtbehandlungsplans. Nach unserem Verständnis sollten Medikamente, EKT, Psycho- und Soziotherapie gut aufeinander abgestimmte Teile einer übergreifenden Strategie sein, nicht isolierte Maßnahmen, die der Patient in einer bestimmten Reihenfolge durchlaufen muss. Es braucht eine integrierte Nutzung der verfügbaren Ressourcen unter Berücksichtigung des Patientenwunsches, um eine vollständige Remission zu erreichen und der Chronifizierung der Erkrankung entgegenzuwirken.

Daneben möchten wir darauf hinweisen, dass sich die „hohe Frührezidivrate“ der EKT zwanglos aus dem abrupten Absetzen einer hocheffizienten Intervention erklärt. Im Fall der antidepressiven Medikation wird eine erfolgreiche Therapie über viele Monate fortgesetzt. Deshalb wird auch EKT zunehmend und mit Erfolg als Erhaltungsbehandlung angewendet. Leider werden Patienten aufgrund irrationaler Bedenken und unter Berufung auf das vermeintliche Stigma häufig zu spät, nicht adäquat oder gar nicht aufgeklärt (2). Da die Wirksamkeit der EKT mit zunehmender Dauer und Therapieresistenz der Erkrankung abnimmt (3), schadet ein solches Vorgehen dem Patienten. Deshalb haben die psychiatrischen Fachgesellschaften von Deutschland (DGPPN), Österreich (ÖGPP), Schweiz (SGPP) und Südtirol (SIP) in einer gemeinsamen Stellungnahme 2012 den rechtzeitigen und adäquaten Einsatz der EKT angemahnt (4). Bereits 2003 hat die Bundes­ärzte­kammer und 2004 die ÖGPP sich für eine evidenzbasierte Anwendung eingesetzt. Diese deutschsprachigen Stellungnahmen stehen in guter Übereinstimmung mit denen internationaler psychiatrischer Fachgesellschaften.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0419b

Prof. Dr. med. Michael Grözinger
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik,
Universitätsklinikum Aachen, RWTH Aachen
mgroezinger@ukaachen.de

Prof. Dr. med. Andreas Conca
Psychiatrischer Dienst, Sanitätsbetrieb, Bozen, Italien

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht

1.
Bschor T, Bauer M, Adli M: Chronic and treatment resistant depression— diagnosis and stepwise therapy. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 766–76 VOLLTEXT
2.
Pfaff M, Seidl A, Angst K, et al.: [Electroconvulsive therapy as a „last resort“ in the treatment of depression?]. Psychiatr Prax 2013; 40: 385–90 CrossRef MEDLINE
3.
Kho KH, Zwinderman AH, Blansjaar BA: Predictors for the efficacy of electroconvulsive therapy: chart review of a naturalistic study. J Clin Psychiatry 2005; 66: 894–9 CrossRef
4.
Grözinger M, Conca A, DiPauli J, Ramseier F: Elektrokonvulsionstherapie: Psychiatrische Fachgesellschaften aus vier Ländern empfehlen einen rechtzeitigen und adäquaten Einsatz. Nervenarzt 2012; 83: 919–21.
1.Bschor T, Bauer M, Adli M: Chronic and treatment resistant depression— diagnosis and stepwise therapy. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 766–76 VOLLTEXT
2.Pfaff M, Seidl A, Angst K, et al.: [Electroconvulsive therapy as a „last resort“ in the treatment of depression?]. Psychiatr Prax 2013; 40: 385–90 CrossRef MEDLINE
3.Kho KH, Zwinderman AH, Blansjaar BA: Predictors for the efficacy of electroconvulsive therapy: chart review of a naturalistic study. J Clin Psychiatry 2005; 66: 894–9 CrossRef
4.Grözinger M, Conca A, DiPauli J, Ramseier F: Elektrokonvulsionstherapie: Psychiatrische Fachgesellschaften aus vier Ländern empfehlen einen rechtzeitigen und adäquaten Einsatz. Nervenarzt 2012; 83: 919–21.

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