ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2015Liste potenziell depressiogener Pharmaka
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Für mich als Neurologe in einem größeren Haus ohne Psychiatrie gibt es im Konsildienst regelmäßig Fragen zur Behandlung depressiver Störungen. Das Studium einer Leitlinie mit über 250 Seiten oder ihrer Kurzfassung mit immerhin mehr als 50 Seiten ist im Vergleich zum aktuellen Artikel (1) deutlich beschwerlicher. Das klare Statement der Autoren zur Diagnostik und zur Stufentherapie ist mir plausibel und wird eine klare Richtlinie werden.

Enttäuscht war ich nur von der Liste potenziell depressiogener Pharmaka. Auf diese hatte ich mich zunächst gefreut, da sie ein häufiges Problem adressiert. Wenn ich in die Innere Klinik gerufen werde, treffe ich dort häufig auf Patienten mit zehn verschiedenen Medikamenten und die Frage, ob diese für die depressive Störung des Patienten maßgeblich sind. Leider erscheint mir die Liste ohne sinnvolle Systematik (Punkt 1 würde auch die Punkte 2–4 einschließen, sind Digitalispräparate keine Kardiaka? – wofür dann?!) beziehungsweise fehlerhaft (Levodopamin heißt Levodopa, nebenbei soll es zumindest beim M. Parkinson eine antidepressive Wirkung haben, oder wird die den M. Parkinson häufig begleitende Depression der Substanz angelastet?). Eine echte Hilfe wäre gewesen, wenn man aus den verschiedenen Wirkstoffklassen nach Möglichkeit Substanzen herausgestellt hätte, die im Vergleich eine relativ geringe depressiogene Wirkung haben. In der Praxis ist es leider unrealistisch, „die Kardiaka“ und „die Antihypertensiva“ abzusetzen. Eine solche Tabelle zu erstellen wäre ungleich schwieriger, aus so berufener Feder hätte ich mir Unterstützung in diesen Fragen gewünscht.

Den Artikel – insbesondere die elektronische Version – nehme ich dennoch gern in meine „konsiliarische Bibliothek“ auf.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0420a

Dr. med. Stephan Kinze

Klinik für Neurologie, Unfallkrankenhaus Berlin

stephan.kinze@ukb.de

Interessenkonflikt

Dr. Kinze ist Dozent am Institut für Verhaltenstherapie (IVT) GmbH in Lübben.

1.
Bschor T, Bauer M, Adli M: Chronic and treatment resistant depression —diagnosis and stepwise therapy. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 766–76 VOLLTEXT
1.Bschor T, Bauer M, Adli M: Chronic and treatment resistant depression —diagnosis and stepwise therapy. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 766–76 VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige

Stellenangebote