ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2015Hormon-Substitution bei Depression
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Bei diesem häufigsten chronisch-affektiven Problem im Alter wird zu wenig der deutliche Inzidenz-Anstieg bei Frauen ab der Menopause und bei Männern mit Einsetzten von Hypogonadismus bedacht. Diese Phase ist so oft mit kognitiven Beeinträchtigungen und psychosozialem Rückzug assoziiert, dass hormonelle Aspekte der Rede wert sind.

Nach Daten der Berliner Altersstudien vor zwölf Jahren sind nur 10 % der Patienten ausreichend mit Antidepressiva behandelt. Als ein Grund bei Männern dürften verstärkte sexuelle Dysfunktionen unter Antidepressiva sein. Unter selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) berichtete die Hälfte der Probanden über eine Abnahme der Libido und eben so viele über mehr Orgasmus- und Ejakulationsprobleme. Damit müsste die Assoziation zum Hypogonadismus aufkommen.

Nach dem Versorgungs-Report 2013/14 zu Depression wird bei Neurologen der steilste Versorgungsanstieg bei Menschen zwischen 40 und 60 Jahren beobachtet. Das gelte für Frauen und Männer gleichermaßen, wenn auch bei letzteren auf etwas niedrigerem Niveau. Das sind jene beiden Dekaden, in denen die Gonadenfunktion zunehmend nachlässt.

2001 zeigte eine Studie (1) einen signifikanten Bezug zwischen Androgen-Rezeptor-Strukturen und Depression bei Männern. Diese hatten bei niedrigem Testosteron ein fünffach höheres Risiko für eine Depression. Eine andere Studie (Shores MM, et al.: The prevalence and incidence of depression in older hypogonadal men. Abstract, presented at the Annual meeting of the American Association of Geriatric Psychiatry 2001) ergab bei unbehandeltem Hypogonadismus ein dreifach höheres Depressionsrisiko. Beide Studien zeigten eine sehr effiziente Beseitigung depressiver Symptome. Das wurde begründet mit Wirkungen des Testosterons direkt auf das ZNS über monaminerge Transmissionsmechanismen. Zu diesen direkten antidepressiven Effekten kämen auch anabole Wirkungen von Testosteron auf das Energielevel in Richtung mehr Ausdauer. Das verbessere depressive Symptome unabhängig von basalen Testosteron-Serum-Werten im Grenzbereich zum Hypogonadismus.

Eine prospektive Langzeitstudie an hypogonadalen Männern bestätigte deutlich höhere Depressionsraten ohne Testosteronsubstitution (2).

Fazit: Bei älteren Männern mit Depression sollte mehr an Testosteronmangel gedacht werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0420c

Prof. Dr. med. Dipl. Psych. J. M. Wenderlein
Universität Ulm
wenderlein@gmx.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Seidman SN, Araujo AB, Roose SP, Mc Kinley JB: Testosteron level, androgen receptor polymorphism and depressive symptoms in middle-aged men. Biol Psychiatry 2001; 50: 371–6. CrossRef
2.
Burris AS, Banks SM, Carter CS, Davidson JM, Sherins RJ: A long-term, prospective study of the physiologic and behavioural effects of hormone replacement in untreated hypogonadal men. J Androl 1992; 13: 297–304 MEDLINE
3.
Bschor T, Bauer M, Adli M: Chronic and treatment resistant depression—diagnosis and stepwise therapy. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 766–76 VOLLTEXT
1.Seidman SN, Araujo AB, Roose SP, Mc Kinley JB: Testosteron level, androgen receptor polymorphism and depressive symptoms in middle-aged men. Biol Psychiatry 2001; 50: 371–6. CrossRef
2.Burris AS, Banks SM, Carter CS, Davidson JM, Sherins RJ: A long-term, prospective study of the physiologic and behavioural effects of hormone replacement in untreated hypogonadal men. J Androl 1992; 13: 297–304 MEDLINE
3.Bschor T, Bauer M, Adli M: Chronic and treatment resistant depression—diagnosis and stepwise therapy. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 766–76 VOLLTEXT

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Der klinische Schnappschuss

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