ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2015Psychoanalyse: Noch nie gehört
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Mich erstaunt, was ich hier unter dem Titel „Stille Traumata nicht verfestigen“ über Psychoanalyse zu lesen bekomme: „Die Gegenfrageregel“ ist ein Wort, das ich in zwei psychoanalytischen Ausbildungen, zur Analytischen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin und zur Psychoanalytikerin der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung, nie gehört habe. Dass Psychoanalytiker auf eine Frage grundsätzlich mit einer Gegenfrage antworten würden – und sich ansonsten in Schweigen hüllen – ist ein überkommenes Zerrbild altmodischer Psychoanalyse, das nicht in dieses Jahrhundert passt.

Unter den Psychoanalytikern, denen ich in meinem Heimatinstitut, auf Tagungen und internationalen Kongressen begegne, besteht indessen Übereinstimmung, dass dem Patienten auf der Basis einer tragfähigen emotionalen Beziehung größtmöglicher Raum für seine psychische Entwicklung, vor allem unter Berücksichtigung des ihm unbewussten Geschehens, gewährt wird. Abstinenz, die Zurückhaltung des Analytikers in Hinsicht auf seine persönliche Ansicht und auf unmittelbare Befriedigung von Bedürfnissen des Patienten wie beispielsweise direkte Antworten, hält den therapeutischen Raum, der nicht mit Konkretismen zugeschüttet werden soll, offen für das, was sich im Unbewussten des Patienten zu formieren beginnt.

Hier geht es jedoch eher um eine Haltung als um die Anwendung kochbuchartiger Techniken. Es geht nichts kaputt, wenn beispielsweise eine Sachfrage beantwortet wird und dabei der Blick für den möglichen unbewussten Kontext offen bleibt. Das übergeordnete Ziel ist der fruchtbare therapeutisch wirksame Dialog zwischen Patientin und Psychoanalytikerin. In unprätentiöser authentischer Weise zu sprechen schafft Vertrauen, und das ist eigentlich selbstverständlich.

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Dipl.-Psych. Cornelia Puk, 71083 Herrenberg

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