ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2015Narzissmus: Schwieriges Thema unterhaltsam aufbereitet

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Narzissmus: Schwieriges Thema unterhaltsam aufbereitet

Breitenbach, Gaby

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Narzissmus stellt sich im therapeutischen Alltag als schwer zu behandelnde Störung dar, die Psychotherapeuten an die Grenzen, persönlich und fachlich, zu führen vermag. Häufig sind die Eingangsdiagnosen und Fragestellungen des Patienten, wie Depression und psychosomatisches Leiden, nur ein Teil dessen, was der Behandlung bedarf. Die gering ausgeprägte Schamtoleranz der Betroffenen und die Neigung, alles Negative im Außen zu verorten, kann Behandlungen zäh und unerfreulich werden lassen. Eigentlich also keine Situation, die man mit der Vorstellung von kurzweiliger Unterhaltung verbindet.

Erfrischend, wie es den beiden Autoren und Psychotherapeuten gelingt, die inneren Prozesse des Patienten und die dadurch ausgelösten Störungen im Inneren und Äußeren seiner Umwelt auf der Basis eines Kriminalromans zu beschreiben: fachlich kenntnisreich, spannend und sehr unterhaltsam.

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Das Buch handelt von dem narzisstischen Patienten Theodor Konrad Wolf, der den behandelnden Psychotherapeuten Braun an seine Grenzen bringt. Die Gespräche rund um den Patienten, in der Intervision mit dem Freund und Kollegen Hammer sowie im häuslichen Alltag mit Frau und Tochter werden witzig und lebendig dargestellt. Immer wieder scheint der Patient Wolf sich zu entwickeln, um dann doch wieder, angetrieben von einem inneren Anteil namens Deibel, eine Kehrtwende zu machen. Als er schließlich ein Verbrechen zu planen scheint, gerät die Welt des Therapeuten zunehmend in Unordnung. Panik beginnt, sein Leben zu ergreifen, und er macht sich auf die Suche nach den Ursachen. Daneben wird eindrücklich die Gewalt, die Schonungslosigkeit und Entwertung beschrieben, die Wolf in Begegnungen, zum Beispiel mit von ihm verachteten Frauen, an den Tag legt. Die Umdeutungen gemäß der narzisstischen Logik von angemessener Forderung der Umwelt in unangemessene Unterwerfung und Demütigung werden in inneren Dialogen sichtbar gemacht.

Es gelingt den beiden Autoren, die narzisstische Störung zu beschreiben, ohne in Abwertung oder Respektlosigkeit abzugleiten. Ein leicht verdauliches, gut lesbares und unterhaltsames Buch zu einem schwierigen Thema. Gaby Breitenbach

Heinz-Gerhard Witte, Holger Schmidt: Braun & Hammer. Narzissmus brutal. PRovoke Media, Osnabrück 2014, 320 Seiten, kartoniert, 14,80 Euro

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