ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2015Schwere psychische Störungen: Kompetenter Überblick für bessere Versorgung

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Schwere psychische Störungen: Kompetenter Überblick für bessere Versorgung

Broda, Michael

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Das Buch versucht sich einer Gruppe von Patienten mit Störungsbildern zu widmen, die in Klinik und Praxis allgemein als schwierig und in den Therapieaussichten als wenig erfolgversprechend angesehen werden. Dieses Buch ist ein wichtiger Beitrag zur besseren Versorgung dieser Patientengruppen und dazu, Therapeuten die Angst vor deren Behandlung zu nehmen.

Nach einem kurzen Abriss zur therapeutischen Beziehungsgestaltung und deren Wichtigkeit für die Verhaltenstherapie wird das in der Praxis häufig angetroffene Problem der Komorbiditäten schwerer psychischer Erkrankungen behandelt und auf die Tatsache hingewiesen, dass manualisierte Therapieanleitungen meist nur auf den monomorbiden Patienten abzielen. Als Anregung für die stationäre Psychotherapie werden Überlegungen zur Rolle und Selbstverständnis im Klinikrahmen vorgestellt. Der eigentliche Hauptteil des Buches beschreibt in sechs Kapiteln unterschiedliche Diagnosen (Posttraumatische Belastungsstörung, Borderlinestörung, Depression/Narzissmus, Schizophrenie, Schizophrenie/Sucht und Essstörungen), die alle durch den parallel gehaltenen Aufbau die nötigen Informationen übersichtlich zur Verfügung stellen.

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Die Stärke des Buches besteht darin, einen Überblick zur Behandlung dieser Störungsbilder unter Einbezug der neuesten Forschungsergebnisse und der Leitlinien zur Verfügung zu stellen. Erfreulicherweise taucht auch Ursula Gast als analytische Koautorin im Beitrag zur komplexen posttraumatischen Belastungsstörung auf, was verdeutlicht, dass es dem Autor nicht um die Darstellung eines „lupenreinen VT-Ansatzes“ geht, sondern um die Aufnahme von Impulsen auch anderer Therapieorientierungen zur Konzeption einer verbesserten Therapie für die Patienten.

Warum der Titel „Moderne Kognitive Verhaltenstherapie“ heißt, bleibt dem Leser nicht nur verschlossen, er wird leider potenzielle Interessenten möglicherweise vom Kauf eines solchen Buches abhalten. Das aufgenommene Zitat von Hoyer und Plag, die Kognitive Verhaltenstherapie als „Anwendung des aktuellen empirischen Wissens über eine Störung und die sie aufrechterhaltenden Bedingungen“ konzipieren, weist eigentlich eher in Richtung einer allgemeinen Psychotherapie.

Empfehlenswert für Therapeuten aller Grundorientierungen, die sich einen schnellen und kompetenten Überblick über die Behandlung der beschriebenen Störungsbilder verschaffen wollen. Michael Broda

Thomas Schnell: Moderne Kognitive Verhaltenstherapie bei schweren psychischen Störungen. Springer, Berlin 2014, 182 Seiten, gebunden, 19,99 Euro

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