ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2015Monster im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg: Das Wesen des Monsters

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Monster im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg: Das Wesen des Monsters

Bühring, Petra

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Die Sonderausstellung widmet sich geheimnisvollen Monstermythen vom Mittelalter bis zur Gegenwart.

Edvard Munch: Vampir, 1917, Öl auf Leinwand, 85 × 110 cm Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall
Edvard Munch: Vampir, 1917, Öl auf Leinwand, 85 × 110 cm Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall

Feuerspeiende Drachen, dämonisches Höllengetier oder gutmütige, dem Menschen hilfsbereit zur Seite stehende Fabelwesen: Die Ausstellung „Monster. Fantastische Bilderwelten zwischen Grauen und Komik“ geht der Frage nach, wovor wir uns fürchten. Was macht ein Wesen zum Unwesen, zu einem Monster? Die Schau im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg zeigt rund 230 Exponate aller Gattungen – von Gemälden über kostbare Buchmalereien und Wandteppiche bis hin zu modernen Filmplakaten und Videos. Sie alle folgen den wechselvollen Spuren der Dämonisierung und Entdämonisierung fiktiver Gestalten und Geschichten.

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Wie zum Beispiel Edvard Munchs Gemälde „Vampir“: Ursprünglich hieß es „Liebe und Schmerz“. Ein guter Freund Munchs aus Berlin, der polnische Schriftsteller Stanislaw Przybyszewski, sah das Gemälde 1894 in der ersten Version auf einer Ausstellung und taufte es um auf den Titel „Vampir“. Für ihn war die Darstellung der Inbegriff der zerstörerischen Liebe eines hilflosen, schwachen Mannes zu einer starken, vampirartigen Frau, einer Femme fatale.

Oft wurde gefragt, warum Munchs Werke so düster seien, oder es wurde sein depressiver Charakter mit seinem künstlerischen Schaffen in unmittelbaren Zusammenhang gesetzt. Jedoch war er nicht der einzige, der sich um 1900 mit düsteren Themen befasste. In dieser Zeit entstand Freuds Theorie der Psychoanalyse. Künstler und Wissenschaftler beschäftigten sich mit dem Unbewussten und der menschlichen Psyche.

Neben Munch sind Franz von Stuck und Max Beckmann in der Ausstellung vertreten, ebenso wie grafische Blätter von Albrecht und Federico Zuccari. Der berühmte Codex Aureus Epternacensis ist zu sehen, das Einhorn der Altöttinger Einhornapotheke, aber auch die Zeichnungen des Karikaturisten und Comiczeichners Christian Mosers aus heutiger Zeit. Seine „Monster des Alltags“ spiegeln auf humorvolle Weise menschliches Missverhalten: Der „Groll“ besitzt zwar spitze Zähne, mit den beleidigt vor der Brust verschränkten Armen erinnert er aber eher an ein trotziges Kind als an ein gefährliches Ungeheuer. Das Monster verliert so seinen Schrecken.

Ein großer Teil der Objekte der Ausstellung stammt aus der eigenen Sammlung des Germanischen Nationalmuseums; Leihgaben aus dem In- und Ausland ergänzen die beeindruckende Schau. Petra Bühring

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