ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2015Personalmangel: Arztberuf in Gefahr
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. . . Als Medizinstudenten und später Ärzte haben wir gelernt und sind dazu angetreten, kranken Menschen gegenüberzutreten, sie zu heilen, wo nicht möglich, die Erkrankung zu lindern, wo auch nicht mehr möglich, zumindest zu trösten. Letzteres ist im DRG-System überhaupt nicht mehr abgebildet und wird daher auch nicht finanziert.

Die Geschäftsführung dagegen, überwiegend wirtschaftlich ausgebildete Leute, insbesondere in den gewinnorientierten privaten Ketten, ist dem ökonomischen Wohl des Konzerns verpflichtet. Sie sehen und erleben in der Regel keine Patienten und machen auch keine Nachtschichten, in denen man den Menschen besonders nahe kommt. Die Gewinnvorgabe zum Beispiel bei Helios lautet auf 15 Prozent plus Umsatz (EBIT). (Welche Konzerne der allgemeinen Wirtschaft erreichen heute noch solche Margen?)

Das geht nur über Sparen, Kürzen, Streichen. Und am meisten muss beim Personal gespart werden, denn hier liegen zwischen 70 Prozent (kommunale und kirchliche Träger) und 60 Prozent (private Träger) der Gesamtkosten.

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Wer sich dagegen mit guten Gründen, medizinisch-statistisch gestützt, auflehnt, wird ohne Berechtigung abgemahnt . . . und ohne Begründung . . . gekündigt.

Die Solidarität unter Kollegen gibt es, aber meist will keiner die Speere auch gegen sich gerichtet haben.

Die oben genannte private Rendite wird fast ausschließlich aus Zwangsbeiträgen der Sozialversicherungen erwirtschaftet. Die Politik hat uns dies eingebrockt und schaut zu – wie lange noch?

Die logische Konsequenz ist die Arbeitsreduktion der Kollegen, die ihren Einsatz nicht mehr geschätzt, sondern nur noch berechnet sehen. Der Arztberuf als solcher, mit seiner bisherigen Motivation, ist in Gefahr.

Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Hans Pistner, 99094 Erfurt

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