ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2015Hochschulmedizin: Volle Kraft voraus?

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Hochschulmedizin: Volle Kraft voraus?

Dtsch Arztebl 2015; 112(24): A-1065 / B-889 / C-861

Richter-Kuhlmann, Eva

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Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann, Politische Redakteurin
Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann, Politische Redakteurin

Als „taumelnde Tanker“ wurden die Universitätskliniken im vergangenen Jahr bezeichnet. Nicht ohne Grund: Die meisten von ihnen stecken in einer tiefen Finanzierungskrise. Etwa zwei Drittel der 33 Standorte mussten 2014 ein Defizit verkraften. Bund und Länder haben zudem einen pauschalen „Systemzuschlag“ zur Finanzierung ihrer besonderen Aufgaben abgelehnt. Stattdessen sollen dem Koalitionsvertrag entsprechend einzelne Leistungsbereiche besser finanziert werden, darunter die Hochschulambulanzen.

Nachdem lange über die Ausgestaltung dieser Finanzspritze debattiert wurde, könnte es für die Hochschulmedizin und ihre Tanker jetzt heißen, wieder mehr Fahrt aufzunehmen: 265 Millionen Euro zusätzlich versprach Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) zur Eröffnung des 76. Ordentlichen Medizinischen Fakultätentages am 4. Juni in der Ostseestadt Kiel. Verankert werden soll die Unterstützung für die deutschen Hochschulambulanzen im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz, das kurz vor seiner Verabschiedung steht.

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Gröhe würdigte vor den Hochschulmedizinern den großen Anteil der Universitätskliniken an der Gesundheitsversorgung in Deutschland, die zum Teil von ihnen auch ambulant erbracht werde. „Deutschland muss sich eine gute Krankenversorgung und gleichzeitig eine gute medizinische Ausbildung leisten können“, erklärte er. „Unsere Universitätskliniken sind Motor für den medizinischen Fortschritt und damit ein ganz wichtiger Partner im Gesundheitswesen. Die erfolgreiche Arbeit an den Universitätskliniken trägt maßgeblich zu einer guten Versorgung, insbesondere vieler schwer erkrankter Menschen, bei.“

Der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter ging sogar noch weiter: Er sicherte den Dekanen der Medizinischen Fakultäten zu, dass die Bundesregierung ihre Sorgen ernst nehme und die von ihnen geleisteten Sonderaufgaben, wie die Behandlung von schwierigen und seltenen Erkrankungen, die klinische Erprobung von Produkten und Verfahren, die ärztliche Aus- und Weiterbildung sowie die Vorhaltekosten für eine Notfallversorgung rund um die Uhr, stärker honorieren wolle. „Wir diskutieren noch über einen differenzierten Zentrenzuschlag, mit dem die Unikliniken und andere Maximalversorger angemessener vergütet werden können“, erläuterte Gröhe.

Für die Bewältigung der Aufgaben in Forschung und Lehre sieht der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter aber nach wie vor die Länder in der Pflicht: Sie müssten mehr Investitionsmittel bereitstellen. „Ich werde sie da ermutigen“, sagte Gröhe und verwies auf die Verpflichtung der Länder, die durch die Übernahme der BAföG-Zahlungen durch den Bund jährlich frei werdenden etwa 1,17 Milliarden Euro für Hochschulen und Schulen zur Verfügung zu stellen. „Das zusätzliche Geld darf gern in der Gesundheitsforschung landen“, befand er.

Für den im Amt bestätigten Präsidenten des Medizinischen Fakultätentages, Prof. Dr. rer. nat. Heyo K. Kroemer, sind die jüngsten Ankündigungen des Ministers ein Zeichen, dass die Politik die Problematik bei der Hochschulmedizin erkannt hat. Ob es bald tatsächlich für die Medizinischen Fakultäten und die Universitätskliniken „volle Kraft voraus“ heißt, bezweifelt er noch. Aber zumindest bewege man sich „in die richtige Richtung“.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann
Politische Redakteurin

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