ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2015Arzneimittel: Immer ein besonderes Risiko
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Die korrekte Darstellung von Falk Osterloh, dass neue Medikamente ohne Zusatznutzen zum bisherigen Standard nicht weniger, sondern häufiger von Ärzten verordnet werden, hatte Stellungnahmen zur Folge, denen ich widerspreche: Alexander Ulbrich meint, die Patienten selbst seien Schuld, wenn ihnen die Ärzte die neuen – nicht besseren – Substanzen verschrieben.

Ärztliche Defizite können sich auch so bemerkbar machen! Der Geschäftsführer der „forschenden Pharma-Unternehmen“ findet es gar angemessen, wenn Ärzte neue Substanzen verordnen, die nicht schlechter als das Bekannte sind. Dürfen Patienten und Ärzte nicht erwarten, dass die Pharmaindustrie sich bemüht, einen Fortschritt, also eine Verbesserung, auf den Markt zu bringen? „Kein Zusatznutzen“ beinhaltet, dass die Dinge sogar (ein wenig) schlechter sein können (je nach statistischer Vorgabe). Markus Frick schreibt: „ . . . eine gleichwertige neue Therapie kann also kaum ein Qualitätsproblem darstellen.“ Das ist nicht korrekt. Die Verordnungen neuer Substanzen impliziert immer (!) ein besonderes Risiko für die Patienten, weil viele Dinge zum Zeitpunkt der Zulassung zwangsläufig noch nicht ausreichend bekannt und untersucht sind (unerwünschte Wirkungen, Langzeitrisiko, Nutzen bei multimorbiden Menschen usw.). M. Ujeyl et al. haben darüber im DÄ 7/2012 publiziert. Es ergäben sich – so ihr Kommentar – bei Neuzulassungen Interpretationsspielräume aufgrund der schwachen Datenlage. Welcher Pharmareferent argumentiert: „Lieber Doktor, das neue Medikament ist nicht wirksamer und auch nicht teurer als der Vergleich (Dank AMNOG); verordnen Sie es trotzdem großzügig, denn wir benötigen noch mehr Daten zum Risikoprofil der neuen Substanz. Ihre Patienten haben sicherlich nichts dagegen, an solch einem Erkenntnisgewinn aktiv teilnehmen zu dürfen.“ Nach meiner Erfahrung werden die oben genannten Interpretationsspielräume von den Pharmareferenten ganz anders genutzt.

Literatur beim Verfasser
Thomas Lindner, Nephrologe, 16761 Hennigsdorf

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