ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2015Europäischer Menschengerichtshof: Ernährungsabbruch bei Koma-Patienten gebilligt

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Europäischer Menschengerichtshof: Ernährungsabbruch bei Koma-Patienten gebilligt

KNA

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Die künstliche Ernährung des französischen Koma-Patienten Vincent Lambert darf abgebrochen werden. Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof bestätigte damit am 5. Juni in Straßburg die vorherige Entscheidung eines französischen Gerichts zur passiven Sterbehilfe. Nach Auffassung der Richter hatte das oberste Verwaltungsgericht die geltenden Gesetze richtig interpretiert. Nach dem Leonetti-Gesetz von 2005 ist es Ärzten überlassen, lebenserhaltende Maßnahmen abzubrechen, wenn sich der Patient nicht mehr selbst mitteilen kann.

Lambert liegt seit einem Motorradunfall 2008 im Koma. Die Ehefrau Lamberts, die meisten seiner Geschwister und seine Ärzte hatten sich gegen lebensverlängernde Maßnahmen ausgesprochen, zumal Lambert nach dem Urteil von Ärzten Schmerzen empfinde. Die Eltern dagegen wollten, dass ihr Sohn weiter künstlich ernährt wird. Sie riefen deshalb den Menschenrechtsgerichtshof um Hilfe an.

Die Straßburger Richter stellten fest, Lambert werde durch das Urteil des französischen Gerichts nicht seiner Rechte beraubt. Das Leonetti-Gesetz gestatte weder Sterbehilfe noch assistierten Suizid. Nach der französischen Rechtsprechung sei es jedoch Ärzten möglich, nach Rücksprache mit nahen Angehörigen und nach bestmöglicher Ermittlung des Patientenwunsches lebenserhaltende Maßnahmen zu beenden. Der Fall Lambert hatte in Frankreich eine Debatte über eine neue rechtliche Regelung der Sterbehilfe entfacht. kna

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