POLITIK

Alkoholmissbrauch: Legale Droge mit immensen Folgen

Dtsch Arztebl 2015; 112(24): A-1082 / B-903 / C-876

Bühring, Petra

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Rund 74 000 Menschen sterben jährlich an den Folgen ihres Alkoholmissbrauchs. Präventiv wird vieles getan, aber nicht genug. Die Aktionswoche Alkohol ist ein Baustein: Auch Ärzte können sich dabei engagieren.

Foto: iStockphoto
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Alkohol in gesundheitlich riskantem Ausmaß konsumieren geschätzte 9,5 Millionen Menschen in Deutschland. Rund 1,8 Millionen Erwachsene gelten als alkoholabhängig. Und jedes Jahr sterben mindestens 74 000 Menschen an den Folgen des Missbrauchs der legalen Droge Alkohol. Eine weitere dramatische Zahl aus dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung: Die volkswirtschaftlichen Kosten von missbräuchlichem Alkoholkonsum belaufen sich auf fast 27 Milliarden Euro im Jahr.

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler wies bei der Vorstellung des Drogenberichts Ende Mai in Berlin außerdem darauf hin, dass bei jungen Frauen unter 24 Jahren ein steigender Konsum und eine steigende Prävalenz der Alkoholabhängigkeit zu beobachten seien. Besondere Sorge bereitet Mortler auch, dass immer noch zu viele Kinder mit Fetalen Alkoholspektrums-Störungen (FASD) auf die Welt kommen. 7,8 Prozent von 374 befragten Schwangeren weisen dem Drogenbericht zufolge einen riskanten Alkoholkonsum auf. „Nicht einmal jede Zweite weiß über die Risiken von Alkohol in der Schwangerschaft Bescheid“, sagte Mortler. Mehr Aufklärungsarbeit sei dringend notwendig.

Doch die Drogenbeauftragte konnte auch kleine Erfolge vermelden, die sie auf gute Präventionsarbeit zurückführt: Die Zahl der Krankenhauseinweisungen von Kindern und Jugendlichen aufgrund einer Alkoholvergiftung ist um 13 Prozent zurückgegangen. 2012 waren es noch knapp 27 000 Fälle in der Altersgruppe zwischen zehn und 20 Jahren; 2013 gut 3 000 Fälle weniger. Neuere Zahlen liegen nicht vor. Außerdem seien bei 18- bis 59-jährigen Männern im Zeitverlauf seit 1995 „tendenziell positive Entwicklungen zu mehr Abstinenz“ zu beobachten.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) warf der Bundesregierung bei der Vorstellung ihres „Jahrbuch Sucht“ vor, in der Alkoholprävention zu wenig zu tun. „Alkohol und Tabak sind und bleiben die Drogen mit dem größten Schadenspotenzial“, erklärte DHS-Geschäftsführer Raphael Gaßmann. So würde das wirksame Instrument der Steuererhöhung zur Prävention kaum genutzt. In Deutschland seien die Steuern auf Alkoholika deutlich niedriger als im EU-Durchschnitt. Auch beim Zugang zu Alkohol und im Jugendschutz sei präventiv noch viel mehr möglich.

Aufklärungsbedarf ist also nach Ansicht der Experten auf vielen Ebenen gefordert. Die DHS, die Barmer GEK, Deutsche Rentenversicherung Bund, Bundesverband für stationäre Suchtkrankenhilfe, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, die Diakonie und andere richten deshalb erneut die Aktionswoche Alkohol aus. Die Präventionskampagne findet vom 13. bis 21. Juni bundesweit statt. An vielen Orten finden Aktionen statt, die Menschen anregen sollen, über ihren Alkoholkonsum nachzudenken: beim Einkaufen, am Arbeitsplatz, auf dem Sportplatz, in der Apotheke und in der Arztpraxis.

Ärzten, vor allem Hausärzten, kommt bekanntermaßen bei der Früherkennung von Alkoholproblemen eine bedeutende Rolle zu. Vielen Ärzten fällt es jedoch schwer, das Erstgespräch über vermuteten riskanten Alkoholkonsum zu führen. Unterstützen können hier Poster, Broschüren, ein Selbsttest für Patienten und eine Leitfadenkarte zur Kurzintervention bei problematischem Alkoholkonsum, die die DHS im Rahmen der Aktionswoche zur Verfügung stellt. Die Materialien können im Internet heruntergeladen werden.

Petra Bühring

@Informationsmaterialien im Internet: http://d.aerzteblatt.de/FX71DX69w

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