ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2015Internistenkongress: Die Kunst des Abwägens
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Die Initiative der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin halte ich für sehr wichtig und hoffe, sie kann sich gegen ökonomische Interessen durchsetzen. Mit der Verwendung des Begriffs Nichtstun ist allerdings Vorsicht geboten, besonders gegenüber Patienten. Der Beitrag hat diesbezüglich eine Schwäche. Er stellt nicht deutlich genug dar, dass es nicht etwa um Passivität geht oder um ein Ausschlussverfahren für Sonderfälle, sondern im Gegenteil um eine der grundlegendsten ärztlichen Fähigkeiten überhaupt, nämlich um die Kunst des Abwägens. Vielleicht ist das Abwägen von Tun und Lassen eine der schwierigsten und verantwortungsvollsten ärztlichen Fähigkeiten im Sinne einer patientenorientierten Medizin. Und es muss deutlich gesagt werden, dass das gut begründete und individuell entschiedene Lassen von Maßnahmen, die man auch tun könnte, in den meisten Fällen menschlich und fachlich sehr viel schwieriger ist als das Tun. Weil Lassen nämlich ein deutlich weiteres Vor-ausdenken und damit erweiterte Kenntnisse erfordert und zudem mehr Verantwortungsbereitschaft, Mut und kommunikative Fähigkeiten. Im Beitrag des DÄ steht richtigerweise „Man muss als Arzt viel wissen, um wenig zu tun“, was aber die grundlegende Bedeutung des patientenorientierten ärztlichen Abwägens nur unzureichend beschreibt. Und genau diese Kunst des Abwägens leidet unter ökonomischen Zwängen und schlechten Honorierungssystemen, die Ärzte dazu verleiten, grundlegende ärztliche Fähigkeiten zu vernachlässigen.

Wilfried Deiß, 57072 Siegen

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