ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2015GOÄ-Ratgeber: Diagnostische Leistungen in der Augenheilkunde

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GOÄ-Ratgeber: Diagnostische Leistungen in der Augenheilkunde

Pieritz, Anja

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Die derzeit gültige Amtliche Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ist beinahe 20 Jahre alt. Hieraus resultieren zahlreiche gebührenrechtliche Streitfälle, insbesondere wenn es sich um selbstständige ärztliche Leistungen handelt, die in der GOÄ nicht aufgeführt sind und folglich analog bewertet werden können. 2002 wurde diese Problematik im Bereich der Augenheilkunde durch Empfehlungen des Zentralen Konsultationsausschusses für Gebührenordnungsfragen bei der Bundes­ärzte­kammer etwas entschärft.

Aktuell überrascht der Streit um den zweimaligen Ansatz diagnostischer Leistungen. So werden unberechtigt beispielsweise die Nr. 1242 GOÄ (Binokulare Untersuchung des Augenhintergrundes einschließlich der äußeren Peripherie …) oder die Nr. 1253 GOÄ (Fotographische Verlaufskontrolle von Veränderungen des Augenhintergrundes mittels Fundusfotographie) doppelt angesetzt. Ebenso unzulässig ist der zweimalige Ansatz der Nrn. 1248 und 1249 GOÄ (Fluoreszenzuntersuchung beziehungsweise Fluoreszenzangiographische Untersuchung der terminalen Strombahn am Augenhintergrund …) bei der Untersuchung beider Augen. Begründet wird die unzulässige zweimalige Abrechnung der Nrn. 1242, 1251, 1252 und 1253 GOÄ mit dem Singular des zu untersuchenden Ziels in der Leistungslegende. Die unzulässige zweimalige Abrechnung der Nrn. 1248 und 1249 GOÄ wird damit begründet, dass die Gebühr für diese Leistungen zu niedrig sei.

Alle in der GOÄ aufgeführten diagnostischen augenärztlichen Leistungen beziehen sich – soweit in der jeweiligen konkreten Leistungsbeschreibung nichts anderes bestimmt ist – auf beide Augen. Nur dann, wenn in der Leistungsbeschreibung die Berechnung je Auge explizit (wie bei der A 7008) erwähnt wird, kann die betreffende Gebührenziffer zweimal berechnet werden, wenn beide Augen untersucht worden sind.

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Diese Rechtsauffassung wird neben der Bundes­ärzte­kammer auch von den Kommentatoren des Kommentars zur GOÄ nach Brück (Herausgeber Klakow-Franck, Deutscher Ärzte-Verlag, Köln) und des GOÄ-Kommentars (Herausgegeben von Lang, Schäfer, Stiel, Vogt, Georg Thieme Verlag, Stuttgart) vertreten. Auch von den Autoren des Augenärztlichen Gebührenkommentars zur GOÄ nach Freigang (Fortgeführt Schneider, Dr. Winzer Pharma GmbH) wird diese Rechtsauffassung in der Einleitung ausführlich diskutiert und kritisiert, schlussendlich kommentieren die Autoren jedoch alle Leistungen unter Beachtung dieser Rechtsauffassung.

Umgekehrt besteht aber Einigkeit dahingehend, dass bei therapeutischen Leistungen der Ansatz je Auge erfolgen kann, wenn beide Augen behandelt wurden und es nicht in der Leistungslegende anders vermerkt ist. Dr. med. Anja Pieritz

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Avatar #622651
Ehring
am Dienstag, 23. Juni 2015, 09:02

First things first

Vielen Dank für Ihre längst fällige Richtigstellung.
Nur weil die letzte Neufassung der GOÄ nun schon 32 Jahre alt ist (das Honorar wurde allerdings seitdem um 13,6 % erhöht), bedeutet das noch lange nicht, dass ein Arzt machen darf, was er will.
Daran ändert auch nichts, dass durch die Inflation der Wert der ärztlichen Honorierung mehr als halbiert wurde (was ja bekanntlich bei Selbstständigen besonders zu Buche schlägt).
Es ist die vorrangige Aufgabe der Ärztekammer, zu verhindern, dass sich Ärzte unrechtmäßig bereichern. Um alles andere können sich Versicherungen und Politik kümmern.
Dr. med. Karsten Ehring, Augenarzt, 50226 Frechen

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