ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2015Frühe Erkennung von Lungenkarzinomen: Gentest erhöht die Aussagekraft der Bronchiallavage

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Frühe Erkennung von Lungenkarzinomen: Gentest erhöht die Aussagekraft der Bronchiallavage

Meyer, Rüdiger

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Welche Methode für die Abklärung malignomverdächtiger Veränderungen der Lunge das günstigste Nutzen-Risiko-Verhältnis hat, ist auf Basis der Krankenversorgung für Senioren in den USA (Medicare) untersucht worden. Sie bietet starken Rauchern ein jährliches Niedrigdosis-CT-Screening an. Damit lässt sich zwar Lungenkrebs im Frühstadium entdecken, noch häufiger allerdings sind falschpositive Befunde. Ein Karzinom kann oft erst mit Feinnadelbiopsie oder offener Lungenbiopsie ausgeschlossen werden. Nach offener Biopsie kommt es bei 5 % der Patienten zu Komplikationen, bei 1 % sogar zum Tod. Die Feinnadelbiopsie hat bei circa 6 % einen Pneumothorax zur Folge. Ein niedrigeres Risiko hat die Bronchoskopie. Die Sensitivität liegt mit modernen Bronchoskopen bei 70 %. An vielen Kliniken dürfte sie aber deutlich geringer sein.

Wahrscheinlichkeit für Lungenkarzinom nach Gentest (post test) in Abhängigkeit vom Risiko vor dem Test (prä test)
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Wahrscheinlichkeit für Lungenkarzinom nach Gentest (post test) in Abhängigkeit vom Risiko vor dem Test (prä test)

Hypothese war, dass eine Genexpressionsanalyse an bronchoskopisch gewonnenen Zellen die Genauigkeit der Untersuchung erhöht. Ein spezieller Test zeigt die Expression von 23 Genen an, die bei Krebszellen erhöht ist. Die diagnostische Genauigkeit wurde in zwei Studien an 639 Patienten (n = 298 in AEGIS I; n = 341 in AEGIS II) an 28 Standorten in den Vereinigten Staaten, Kanada und Irland geprüft. Die Teilnehmer waren starke Raucher, bei denen verdächtige Knoten in der Lunge abgeklärt werden sollten. Durch die Bronchoskopie allein wurden viele Tumore nicht erkannt. Die Sensitivität betrug insgesamt 75 %, bei kleinen Knoten mit einem Durchmesser < 2 cm lag sie bei 55 %. Wurden die Befunde des Gentests einbezogen, stieg die Sensitivität auf 96–97 %. Auch die Spezifität erhöhte sich. Bei niedriger Prätestwahrscheinlichkeit für ein Karzinom lag der negative Vorhersagewert bei 100 %, bei intermediärer Prätestwahrscheinlichkeit bei 91 %. Bei niedriger oder intermediärer Wahrscheinlichkeit für ein Karzinom vor Untersuchung kann nach Ansicht der Autoren bei negativem Testergebnis auf weitere diagnostische Eingriffe verzichtet werden.

Fazit: Eine Genanalyse von Zellen einer Bronchiallavage kann die diagnostische Genauigkeit der Bronchoskopie verbessern und damit die Risiken einer invasiven Diagnostik bei Abklärung verdächtiger Läsionen der Lunge mindern. Rüdiger Meyer

Silvestri GA, et al.: A bronchial genomic classifier for the diagnostic evaluation of lung cancer. N Engl J Med 2015. DOI: 10.1056/ NEJMoa1504601.

Wahrscheinlichkeit für Lungenkarzinom nach Gentest (post test) in Abhängigkeit vom Risiko vor dem Test (prä test)
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