ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2015Antibiotika-Resistenzen: Therapiedauer
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Das DÄ-Editorial nennt als Grund für die Entstehung von Antibiotika-Resistenzen unter anderem das vorzeitige eigenmächtige Absetzen durch Patienten.

Die Vorstellung, Antibiotika müssten bei jeder Infektionskrankheit über eine so lange Dauer eingenommen werden, bis alle pathogenen Erreger abgetötet sind, weil verbleibende Keime ansonsten resistent würden, ist weit verbreitet und wurde Patienten jahrzehntelang so eingeschärft. Einnahmedauern von mindestens zehn oder 14 Tagen unabhängig vom individuellen Verlauf werden den Patienten vielfach empfohlen. Dieses Vorgehen wird aber von der verfügbaren Evidenz zunehmend infrage gestellt. Es mehren sich schon seit längerer Zeit die Hinweise darauf, dass im Sinne einer therapeutischen Deeskalation häufig eine kürzer andauernde Antibiotikatherapie sinnvoller ist.

Je länger die Keime dem Selektionsdruck eines antimikrobiellen Wirkstoffs ausgesetzt sind, desto wahrscheinlicher überleben überwiegend resistente Stämme. Resistente Bakterien entstehen beispielsweise durch Spontanmutationen oder bestehen teilweise schon seit sehr langer Zeit in der Umwelt (beispielsweise wurden resistente Stämme im Mikrobiom von Umgebungen gefunden, die niemals Kontakt zum Menschen und zu modernen Antibiotika hatten). Resistente Bakterien werden nun im Therapieverlauf durch die Antibiose „herausselektioniert“. Ein zu frühes Absetzen der Therapie kann natürlich dazu führen, dass die Therapie nicht ausreichend wirksam ist. Die Dauer sollte . . . vom Arzt nach aktueller Evidenz festgelegt werden – und nicht vom Patienten in „Eigenregie“. Ein Absetzen der Therapie nach 72 Stunden Symptom- beziehungsweise Fieberfreiheit wird aber in der Primärversorgung in den meisten Fällen als sicher anzusehen sein – hier muss man nicht weitertherapieren „bis die Packung leer ist“.

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Dazu kommt, dass von uns Ärzten noch immer vielfach Antibiotika verordnet werden, obwohl diese nicht indiziert sind (zum Beispiel virale Infektionen der Atemwege). Patienten, die in einem solchen Fall die Therapie vorzeitig absetzen, tragen unter Umständen sogar dazu bei, das Problem der Antibiotika-Resistenzen zu vermindern.

Literatur beim Verfasser

Dr. med. Felix Holzinger, Institut für Allgemeinmedizin,
Charité Universitätsmedizin Berlin, 10117 Berlin

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