ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2015Randnotiz: Grenzen des Pressekodex

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Randnotiz: Grenzen des Pressekodex

Rieser, Sabine

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„Blind vor Angst“ – unter dieser Überschrift berichten Autoren der „Süddeutsche Zeitung“ am 12. Juni, was Ermittler bisher über die Motive von Andreas Lubitz herausgefunden haben. Er steuerte am 24. März ein Germanwings-Flugzeug gegen eine Bergwand, tötete sich selbst und 150 Passagiere. „Blind vor Angst“ legt nahe, dass sich Lubitz aus einer (unbegründeten) Angst zu erblinden heraus das Leben nahm. Und dass er den Absturz wählte, weil er fürchtete, ein Suizid könne misslingen.

Der lange Text ist aufschlussreich und nicht reißerisch. Er wird aber unter Ärzten und Psychologen, die ihn gelesen haben, erneut Diskussionen über die Schweigepflicht auslösen. Denn drei Autoren schreiben darüber, welche Unterlagen Kriminalbeamte bei 46 Ärzten sicherstellten, welche Ärzte-Odyssee Lubitz hinter sich hatte, was in Attesten stand. Ist das alles richtig?

Der Deutsche Presserat meldete Anfang Juni, dass 430 Menschen die Berichterstattung zum Germanwings-Absturz beanstandeten – bislang die höchste Zahl an Beschwerden zu einem Einzelereignis. Dabei ging es vor allem um die Namensnennung, um Fotos, aber auch darum, ob der Absturz als Suizid zu behandeln war und deshalb nach dem Pressekodex mit besonderer Zurückhaltung zu berichten gewesen wäre. Diese gilt dem Kodex nach auch für „die Schilderung näherer Begleitumstände“. Nicht alles, aber vieles befand der Presserat angesichts der „außergewöhnlich schweren Tat, die in ihrer Art und Dimension einzigartig ist“, für zulässig.

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Auch der Umgang mit der ärztlichen Schweigepflicht gehört rückblickend diskutiert. Aus dem Einzelunglück kann man wohl nichts lernen. Aus dem Umgang damit schon.

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