ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2015Arzneimittel: Höherer Verbrauch, neue Arzneien

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Arzneimittel: Höherer Verbrauch, neue Arzneien

Osterloh, Falk

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Nach Jahren der Stagnation sind die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel im vergangenen Jahr wieder gestiegen. Die Gründe sind gesunkene Rabatte, ein höherer Arzneimittelverbrauch und teurere Innovationen.

Die Arzneimittelausgaben steigen wieder. Stagnierten sie seit dem Jahr 2010 bei etwa 30 Milliarden Euro, stiegen sie im vergangenen Jahr um knapp drei Milliarden auf 33,3 Milliarden Euro an. Ein Grund für diesen Anstieg die Absenkung der Arzneimittelrabatte von 16 auf sieben Prozent, die die schwarz-rote Koalition zu Beginn der Legislaturperiode beschlossen hatte. Konkret erhöhten sich die Preise für Arzneimittel dadurch um 795 Millionen Euro im Vergleich zu 2013. Es gibt jedoch noch weitere Gründe, wie die Autoren des Arzneimittel-Atlasses errechnet haben.

So hat der Mehrverbrauch von Arzneimitteln im Jahr 2014 zu einem Anstieg der Ausgaben um 1,3 Milliarden Euro geführt. „Es wurden insbesondere mehr Immunsuppressiva verbraucht – 35 Prozent mehr als im Vorjahr – sowie Arzneimittel gegen Multiple Sklerose, Schlaganfall, Hepatitis C und Makuladegenerationen“, erklärte Prof. Dr. med. Bertram Häussler, Leiter des IGES-Instituts, bei der Vorstellung des Arzneimittel-Atlasses Anfang Juni in Berlin (siehe Grafik). Seit zehn Jahren erstellt das Institut den Atlas im Auftrag des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa).

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Anstieg der Arzneimittelausgaben durch höheren Verbrauch in folgenden Substanzklassen
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Anstieg der Arzneimittelausgaben durch höheren Verbrauch in folgenden Substanzklassen

430 000 neue GKV-Versicherte

Ein weiterer Grund für den höheren Verbrauch von Arzneimitteln war im vergangenen Jahr der Anstieg der GKV-Versicherten um 430 000 Personen. „Das sind Menschen, die zusätzlich nach Deutschland gekommen und hier sozial­ver­sicherungs­pflichtig geworden sind“, erklärte Häussler. Dadurch seien Mehrausgaben in Höhe von 180 Millionen Euro entstanden.

Ebenfalls um 1,3 Milliarden Euro sind die Arzneimittelausgaben infolge einer Verordnung neuer und damit teurerer Arzneimittel angestiegen. Mit einem Plus von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr waren dafür vor allem antivirale Arzneimittel verantwortlich, gefolgt von antineoplastischen (+18 Prozent) und antithrombotischen Arzneimitteln (+10 Prozent) sowie Antidiabetika (+8 Prozent).

Einsparungen in Höhe von 539 Millionen Euro wurden hingegen durch Patentausläufe erzielt. Sogenannte technische Einsparungen erreichten eine Höhe von 19 Millionen Euro. „Sie werden unter anderem erreicht, weil chronisch kranke Patienten auf größere und damit auf, relativ gesehen, günstigere Packungen umgestellt werden“, sagte Häussler. Dieses Einsparvolumen stoße allerdings allmählich an eine Grenze, da die meisten Patienten bereits Großpackungen erhielten.

„2014 war ein bemerkenswertes Jahr“, befand vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. Denn die Zahl der Innovationen sei in diesem Jahr außergewöhnlich hoch gewesen. So basierten 49 Medikamente auf neuen Wirkstoffen – so viele wie seit 25 Jahren nicht. Das sei ein Beleg dafür, dass die Pharmaforschung ihre Produktivitätsdelle der 2000er-Jahre überwunden habe.

Elf der 49 Arzneimittel werden gegen Infektionskrankheiten eingesetzt, acht gegen Krebs. Neu auf den Markt gekommen sind auch zwei Antibiotika, die insbesondere gegen Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) wirken sollen, sowie Arzneimittel gegen multiresistente Tuberkulosestämme.

Falk Osterloh

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Anstieg der Arzneimittelausgaben durch höheren Verbrauch in folgenden Substanzklassen

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