ÄRZTESTELLEN

Mitarbeiterführung: Tipps für ein gutes Betriebsklima

Dtsch Arztebl 2015; 112(25): [2]

Kutscher, Patric P.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ein heiteres Betriebsklima, in dem die Mitarbeiter gerne arbeiten, erhöht Leistungsbereitschaft und Motivation, reduziert Stress, hält den Krankenstand niedrig und führt zur Identifikation mit Klinik oder Praxis.

Foto: Fotolia/apops
Foto: Fotolia/apops

Was unterscheidet das gewittrig-demotivierende Betriebsklima vom sonnig-motivierenden? Würde man eine Umfrage starten, wäre das Ergebnis wohl eine lange Liste mit höchst unterschiedlichen Faktoren. „Die wichtigsten Merkmale sind wohl Teamgeist, Möglichkeiten zum selbstständigen Arbeiten, Kooperationsbereitschaft von Kollegen, Anerkennung durch Vorgesetzte, Beteiligung an Entscheidungen und gute Entwicklungsmöglichkeiten“, erläutert Dr. Ingo Schmehl, Chefarzt am Unfallkrankenhaus Berlin. Ein schlechtes Betriebsklima dagegen werde meistens gleichgesetzt mit Intrigen unter Kollegen, Anschwärzen beim Vorgesetzten, Angst um den Arbeitsplatz und fehlende Anerkennung.

Wie es um das Betriebsklima bestellt ist, lässt sich an Symptomen ablesen: Das Leistungsvermögen der Mitarbeiter sinkt, sie reagieren mit Fluchtbewegungen: in die innere Kündigung, in die Krankheit, in die Demotivation. Ein gutes Betriebsklima hingegen zeigt sich darin, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen und mit Spaß und Freude arbeiten. Ärzte mit Personalverantwortung sollten beobachten, wie sich die Leistungsbereitschaft des Teams entwickelt, ob die Fehlzeiten unerklärlich hoch sind, sich die Mitarbeiter mit den Zielen des Arbeitgebers identifizieren oder ob sie lediglich „Dienst nach Vorschrift“ leisten. Sind sie bereit, sich über das verlangte Arbeitspensum hinaus zu engagieren? Falls nicht, sollte der Arzt Maßnahmen ergreifen.

Ständig kommunizieren

Ärzte, denen an einem guten Betriebsklima gelegen ist, geben ihren Mitarbeitern Feedback – zu guten und auch zu nicht so guten Leistungen. Sie loben und kritisieren gleichermaßen. „Der Arzt“, empfiehlt Schmehl, „sollte alle Möglichkeiten ausschöpfen, damit die Informationen fließen, vom Schwarzen Brett über die Info per E-Mail bis hin zu Teamsitzungen und Einzelgesprächen.“

Die Mitarbeiter müssen das berechtigte Gefühl haben, dass sie vom Arzt ernst genommen werden und er sie auf dem Laufenden hält, sie mithin über alle Ereignisse und Entscheidungen informiert, die für sie relevant sind. Der Spruch, Betroffene zu Beteiligten zu machen, sollte keine Worthülse sein, sondern gelebt werden.

Kompetenzorientiert führen

Die Qualität des Betriebsklimas ist selten allein abhängig von der Höhe der Sachinvestitionen oder von Motivationsprogrammen. Die meisten Mitarbeiter legen ihr Hauptaugenmerk nicht nur auf materielle Zuwendungen, wenn sie in einer Atmosphäre tätig sein können, in der das Arbeiten Freude macht. Darum: Die Mitarbeiter sollten kompetenz- und persönlichkeitsorientiert geführt und ihren Stärken, Talenten und Begabungen gemäß eingesetzt werden.

Was jedoch ist mit „persönlichkeitsorientierter Führung“ konkret gemeint? Ein Beispiel: Es ist kontraproduktiv, den kommunikationsfreudig-kreativen Mitarbeiter mit Routineaufgaben zu traktieren und den introvertierten Mitarbeiter bei einer Teamaufgabe mit Dingen zu beauftragen, die Kommunikation pur bedeuten – es sei denn, der Arzt will ihm so helfen, sich auf dieser Ebene weiterzuentwickeln.

Werteorientierung beachten

Häufig sind das menschliche Miteinander und der von gegenseitigem Respekt getragene Umgang zwischen den Mitgliedern des Teams entscheidend. „Der Arzt kann mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt Schmehl. Er hat beobachtet: „Wenn die Führungskraft dem Mitarbeiter mit Respekt begegnet, wird dieser gleichfalls respektvoll auftreten, auch den Patienten und den Kollegen gegenüber.“

Hilfreich ist es, wenn sich die Menschen in Klinik oder Praxis auf derselben Werte-Ebene bewegen. Darum sollten die Ärzte die entsprechenden Werte kommunizieren. Natürlich stellt sich die Frage, welche Werte dies sein könnten. Die Wertekommission „Werte Bewusste Führung“ hat einige Werte definiert, die einen hohen allgemeinen Verbindlichkeitsgrad aufweisen und darum mit einiger Wahrscheinlichkeit auch für Kliniken und Praxen relevant sind:

  • Nachhaltigkeit bedeutet, Entscheidungen im Spannungsfeld zwischen kurzfristigen Gewinnen und langfristiger Profitabilität und im Einklang von ökonomischen, ökologischen und sozialen Parametern zu treffen.
  • Integrität heißt, aufrichtig gegenüber sich selbst und anderen zu sein.
  • Verantwortung meint, eigennützige Interessen dem Gesamtwohl unterzuordnen.
  • Respekt impliziert, auf die Dominanz der eigenen Denkweise zu verzichten.

Vielleicht können diese Definitionen als Anregungen dienen, um einmal die für Klinik und Team wichtigen Werte zu diskutieren und einen Wertekanon festzulegen, der Orientierung bietet.

Fehlerkultur aufbauen

Ein Fehler ist immer der Startschuss für einen neuen Lernprozess. Der Fehler muss zwar deutlich angesprochen werden – aber nicht, um einen Mitarbeiter zu kritisieren, sondern immer, um Konsequenzen für das zukünftige Handeln zu ziehen und um zu fragen, was passieren muss, damit er sich nicht wiederholt: Inwiefern hilft er dem Team sogar, sich zu verbessern? Wer Fehler nicht als Ausgangpunkt für Kritik und Maßregelungen betrachte, sondern sie produktiv nutze, um Verbesserungsprozesse in Gang zu setzen, trägt Schmehl zufolge zur Aufhellung des Betriebsklimas bei. „Indem der Arzt eine entsprechende Lernkultur etabliert, sorgt er dafür, dass Mitarbeiter die Angst vor Fehlern verlieren und es auch wagen, neue Wege zu gehen und Neues auszuprobieren.“

Weiterbildungen anbieten

Gute Schulungsangebote erhöhen die Mitarbeiterloyalität, führen zur engen Bindung an den Arbeitgeber und erhellen das Betriebsklima. Für die Arbeitszufriedenheit sind optimale Weiterbildungsmöglichkeiten oft ein wichtiger Faktor. Darum: Der Arzt setzt sich regelmäßig mit den Mitarbeitern zusammen, um gemeinsam diejenigen Weiterbildungsangebote herauszufiltern, die allen zugutekommen.

Patric P. Kutscher

Anzeige

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Zum Artikel

    Alle Leserbriefe zum Thema

    Ärztestellen

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige