ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2015Behandlungsfehler: Auf konstant niedrigem Niveau

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Behandlungsfehler: Auf konstant niedrigem Niveau

Gerst, Thomas

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Die Bundes­ärzte­kammer stellte die aktuellen Zahlen der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen zu Fehlerhäufigkeiten und Fehlerursachen vor.

Entscheidend ist, dass Fehler nicht unter den Tisch gekehrt werden und man aus ihnen lernt“, verdeutlichte Dr. med. Andreas Crusius, Präsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, am 15. Juni bei der Vorstellung der Behandlungsfehlerstatistik der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern für das Jahr 2014 den Standpunkt der ärztlichen Selbstverwaltung. Crusius verwies auf die zahlreichen Aktivitäten der Ärzteschaft im Bereich der Qualitätssicherung und betonte, dass die Zahl der von den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen festgestellten Fehler konstant im Promillebereich liege. Dies sei auch deshalb bemerkenswert, weil die Zahl der ambulanten Behandlungsfälle in Deutschland zwischen den Jahren 2004 und 2013 um 157 Millionen auf fast 700 Millionen zugenommen habe und sich die Zahl der stationären Fälle zwischen 2004 und 2012 um 1,8 Millionen auf 18,6 Millionen erhöht habe.

Krankheiten, die in den 7 751 Sachentscheidungen im Jahr 2014 im Krankenhausbereich am häufigsten fehlbehandelt wurden
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Krankheiten, die in den 7 751 Sachentscheidungen im Jahr 2014 im Krankenhausbereich am häufigsten fehlbehandelt wurden
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Im Jahr 2014 gab es insgesamt 7 751 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern. In 2 252 Fällen lag ein Behandlungsfehler vor. Davon wurde in 1 854 Fällen ein Behandlungsfehler oder ein Risikoaufklärungsmangel als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete. In 398 Fällen lag ein Behandlungsfehler oder Risikoaufklärungsmangel vor, der jedoch keinen kausalen Gesundheitsschaden zur Folge hatte. Die häufigsten Diagnosen, die zu Behandlungsfehlervorwürfen führten, waren Knie- und Hüftgelenksarthrosen sowie Unterarm-, Unterschenkel- und Sprunggelenkfrakturen.

Rund drei Viertel der Prüffälle im Klinikbereich

Von den Behandlungsmaßnahmen, die 2014 durch die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen geprüft wurden, entfielen 72,8 Prozent auf den Klinikbereich und 27,2 Prozent auf die ärztlichen Praxen. Zu den häufigsten Fehlern kam es in den Krankenhäusern bei den operativen Therapien (27 %), in den ärztlichen Praxen bei Diagnostik und bildgebenden Verfahren (20,9 %)

Wenn es zu einem Fehler gekommen ist, seien eine gute Kommunikation und ein professioneller Umgang mit den Betroffenen von besonderer Bedeutung, betonte Crusius. „Wir unterstützen Ärzte deshalb dabei, nach einem Fehler schnell das Gespräch mit den betroffenen Patienten zu suchen, damit zu den körperlichen Beeinträchtigungen nicht auch noch psychische Traumata kommen.“ Wichtig sei es aber auch, den Arzt, dem ein Fehler – möglicherweise aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände – passiert sei, nicht zu stigmatisieren. Crusius zeigte sich erleichtert darüber, dass die Berichterstattung über die Behandlungsfehlerstatistik in den vergangenen Jahren fast ganz ohne das Reizwort „Ärztepfusch“ ausgekommen sei.

Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen sind Einrichtungen bei den Lan­des­ärz­te­kam­mern, an die sich jeder Patient, der einen Behandlungsfehler vermutet, in einem für ihn gebührenfreien Verfahren wenden kann. Crusius wies darauf hin, dass deren Entscheidungen in rund 90 Prozent der Fälle von beiden Parteien akzeptiert und die Arzthaftungsstreitigkeiten beigelegt würden. Aber auch bei einem Verfahren vor Gericht würden die Gutachten der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen meistens bestätigt. Über seine Erfahrungen als Patientenvertreter bei der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern berichtete Gottfried Wasmuth aus Hannover. Seine Aufgabe sei insbesondere, für die öffentliche Transparenz der Verfahren Sorge zu tragen. Er habe die Möglichkeit, an den Sitzungen der Schlichtungsstelle teilzunehmen und dort die Arbeitsabläufe im Hinblick auf allgemeine Patienteninteressen zu beobachten. Zudem habe er bei formalen Beanstandungen Einsichtsrecht in eine laufende Schlichtungsakte.

Thomas Gerst

Krankheiten, die in den 7 751 Sachentscheidungen im Jahr 2014 im Krankenhausbereich am häufigsten fehlbehandelt wurden
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