ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2015Proximale Humerusfrakturen: Operative und konservative Therapie sind gleichwertig

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Proximale Humerusfrakturen: Operative und konservative Therapie sind gleichwertig

Eckert, Nadine

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Proximale Humerusfrakturen werden häufig operiert. „Entgegen dem Trend zur operativen Intervention konnten neuere Studien unabhängig vom Frakturtyp auch mit konservativen Therapien zufriedenstellende funktionelle Ergebnisse dokumentieren, sodass die frühzeitige Operation grundsätzlich in Frage gestellt wurde“, erklärt Prof. Dr. med. Peer Eysel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Köln. Neue Evidenz liefert die Proximal Fracture of the Humerus Evaluation by Randomization (PROFHER)-Studie: 250 Patienten mit proximaler Humerusfraktur wurden randomisiert operativ durch Fixierung oder Gelenkersatz oder konservativ mit Ruhigstellung und Verband behandelt. Zur Beurteilung der Schulterfunktion wurde der Oxford Shoulder Score angewendet (primärer Endpunkt). Sekundäre Endpunkte waren die gesundheitsbezogene Lebensqualität (SF-12), Komplikationen, Folgetherapien und Mortalität. Die Patienten wurden bis zu 2 Jahre nachbeobachtet und nach 6, 12 und 24 Monaten befragt. Weder zu einzelnen Untersuchungszeitpunkten, noch nach durchschnittlich 2 Jahren unterschied sich der Oxford Shoulder Score signifikant (39,07 Punkte bei Operation, 38,32 Punkte konservativ; p = 0,48). Auch bei den sekundären Endpunkten gab es keine signifikanten Unterschiede.

Bewertung von konservativer und operativer Therapie der Humerusfraktur mit Hilfe des Oxford Shoulder Scores
Grafik
Bewertung von konservativer und operativer Therapie der Humerusfraktur mit Hilfe des Oxford Shoulder Scores

Fazit: „Diese multizentrische prospektiv-randomisierte Studie belegt eindeutig, dass sich die Zweijahresergebnisse nach konservativer oder operativer Behandlung der proximalen Humerusfraktur, unabhängig vom Frakturtyp, nicht unterscheiden. Wenngleich sich diese Ergebnisse ausschließlich auf die subjektive Einschätzung durch Self-Assessment-Fragebögen stützen und keine objektiven und radiologischen Befunde bewertet wurden, hat die Studie dennoch eine hohe Bedeutung, da letztlich die subjektive Beurteilung des individuellen funktionellen Therapieergebnisses durch den Patienten die für den behandelnden Arzt maßgebliche Determinante ist. Es bleibt aber abzuwarten, ob sich die Langzeitergebnisse, die durch posttraumatische Arthrosen nach konservativer Therapie und implantatassoziierte Komplikationen nach Operation beeinflusst werden, in gleicher Weise darstellen werden.“ Nadine Eckert

Rangan A, et al.: Surgical vs nonsurgical treatment of adults with displaced fractures of the proximal humerus the PROFHER randomized Clinical Trial. JAMA 2015; 313: 1037–47.

Bewertung von konservativer und operativer Therapie der Humerusfraktur mit Hilfe des Oxford Shoulder Scores
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Bewertung von konservativer und operativer Therapie der Humerusfraktur mit Hilfe des Oxford Shoulder Scores

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