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Den Ausführungen von Prof. Behrens kann nur zugestimmt werden. Das Wissen um die eigenen Risikofaktoren bedeutet nicht automatisch das Bestehen der Bereitschaft, diese zu ändern. Reine Wissensvermittlung zum Beispiel in Form von Patientenvorträgen oder ärztlichen Behandlungsempfehlungen sind kaum geeignet, den Lebensstil zu modifizieren. Das von uns untersuchte Programm sollte nicht nur Patienten schulen sondern auch „behandeln“. Ganz im Sinne des Transtheoretischen Modells nach Prochaska & DiClemente (1) werden durch Gruppeninteraktion und Förderung von Eigeninitiative Stufen zum Erlernen neuer Verhaltensmuster durchlaufen. Zum Beispiel wird ein Trainingsplan individuell erstellt (Stufe der Vorbereitung) und Bewegungstagebücher werden geführt. Durch die Abfolge von drei Schulungseinheiten im Abstand von etwa einer Woche können erste positive Effekte und Erfolgserlebnisse kommuniziert werden (Stufe der Handlung). In unserer Studie konnte die Wirksamkeit des Schulungs- und Behandlungsprogramms durch den Nachweis einer Aufrechterhaltung erlernter Verhaltensmuster nach durchschnittlich 220 Tagen gezeigt werden (Stufe der Aufrechterhaltung).

Inwieweit sie sich dauerhaft in einem „neuen Verhalten“ stabilisieren lassen, war nicht Gegenstand unserer Untersuchung.

Für den Hinweis, dass für die stationäre Rehabilitation ein Schulungsprogramm für die koronare Herzkrankheit existiert, sind wir Herrn Falk sehr dankbar. Wir möchten unsere Aussage dahingehend präzisieren, dass für den ambulanten Einsatz – zum Beispiel im Rahmen von Disease Management Programmen – in Deutschland bislang keine hinreichend evaluierten und publizierten Schulungs- und Behandlungsprogramme für Patienten mit koronarer Herzkrankheit zur Verfügung stehen. Positiv hervorzuheben ist, dass in den zitierten Arbeiten (2, 3) auch das von den Rehabilitationskliniken angebotene Schulungsprogramm einen statistisch signifikanten Effekt auf den Lebensstil nachweisen konnte. Die Unterschiede erwiesen sich auch nach einem Jahr als signifikant. Damit wird die Wirksamkeit dieser Form der Intervention zur Lebensstiloptimierung nochmals unterstrichen. Es sei angemerkt, dass das von Seekatz et al. untersuchte Kollektiv zu 93,5 % aus Männern im mittleren Lebensalter von 53,1 Jahren bestand. Die von uns untersuchte Studienpopulation setzte sich aus Patienten zusammen, wie sie tagtäglich hausärztliche oder kardiologische Praxen aufsuchen. Der Männeranteil betrug 79 % und kam damit dem für Deutschland beschriebenen Geschlechterverhältnis näher (4). Auch die Altersverteilung mit einem Schwerpunkt bei den 70- bis 79-Jährigen entsprach in dem von uns untersuchten Kollektiv dem „real-life“ eher. Wir verstehen unsere Untersuchung als Beitrag zur Versorgungsforschung, wie sie nur von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten in der täglichen Praxis geleistet werden kann (5).

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0460

Dr. med. Martin Dürsch

Dr. med. Melamed

Kardiologie Frankfurt-Sachsenhausen, Frankfurt am Main

m.duersch@kfsh.de

Dr. phil. Tillmann

Studiumdigitale, zentrale E-Learning-Einrichtung,
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Interessenkonflikt

Die Autoren aller Beiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
DiClemente CC, Prochaska JO, Fairhurst SK, et al: The process of smoking cessation: an analysis of precontemplation, contemplation, and preparation stages of change. J Consult Clin Psychol 1991; 59: 295–304 CrossRef
2.
Seekatz B, Haug G, Mosler G, et al.: Entwicklung und kurzfristige Effektivität eines standardisierten Schulungsprogramms für die Rehabilitation bei koronarer Herzkrankheit. Rehabilitation 2013; 52: 344–5 CrossRef MEDLINE
3.
Meng K, Seekatz B, Haug G, et al.: Evaluation of a standardized patient education program for inpatient cardiac rehabilitation: impact on illness knowledge and self-management behaviors up to 1 year. Health Education Research 2014; 29: 235–46 CrossRef MEDLINE
4.
Robert-Koch-Institut (eds.): Koronare Herzkrankheit. Faktenblatt zu GEDA 2012: Ergebnisse der Studie: Gesundheit in Deutschland aktuell 2012. RKI, Berlin. www.rki.de/geda (last accessed on 25 October 2014).
5.
Melamed RJ, Tillmann A, Kufleitner HE, Thürmer U, Dürsch M: Evaluating the efficacy of an education and treatment program for patients with coronary heart disease—a randomized controlled trial. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 802–8 VOLLTEXT
1.DiClemente CC, Prochaska JO, Fairhurst SK, et al: The process of smoking cessation: an analysis of precontemplation, contemplation, and preparation stages of change. J Consult Clin Psychol 1991; 59: 295–304 CrossRef
2.Seekatz B, Haug G, Mosler G, et al.: Entwicklung und kurzfristige Effektivität eines standardisierten Schulungsprogramms für die Rehabilitation bei koronarer Herzkrankheit. Rehabilitation 2013; 52: 344–5 CrossRef MEDLINE
3.Meng K, Seekatz B, Haug G, et al.: Evaluation of a standardized patient education program for inpatient cardiac rehabilitation: impact on illness knowledge and self-management behaviors up to 1 year. Health Education Research 2014; 29: 235–46 CrossRef MEDLINE
4.Robert-Koch-Institut (eds.): Koronare Herzkrankheit. Faktenblatt zu GEDA 2012: Ergebnisse der Studie: Gesundheit in Deutschland aktuell 2012. RKI, Berlin. www.rki.de/geda (last accessed on 25 October 2014).
5.Melamed RJ, Tillmann A, Kufleitner HE, Thürmer U, Dürsch M: Evaluating the efficacy of an education and treatment program for patients with coronary heart disease—a randomized controlled trial. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 802–8 VOLLTEXT

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