ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2015Bedeutung der psychologischen Begleitung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

In meiner doppelten Betroffenheit als niedergelassene Internistin und als transsexuelle Frau möchte ich die Arbeit gerne kommentieren: Die Arbeit beschäftigt sich nicht nur mit den Folgen der geschlechtsangleichenden OP, sondern streift auch die Problematik der medizinischen Versorgung transsexueller Menschen allgemein (1). Ich freue mich über eine Deutung weg von der sexualpathologischen Sichtweise. Leider rangiert Transsexualität immer noch unter den psychischen Erkrankungen. Das Anliegen vieler Betroffener wäre eine medizinische Versorgung komplett jenseits einer geschlechtsspezifischen und sexualpathologischen Betrachtungsweise. Ich freue mich ferner über die Untersuchung bezüglich der Zufriedenheit unter den verschiedenen Gesichtspunkten, von Ästhetik über Funktion, Orgasmusfähigkeit bis hin zu gesellschaftlichen Aspekten. Meine persönliche Deutung der geringen Rücklaufquote der Fragebögen ist die, dass sehr zufriedene und in ihrer Rolle angekommene Personen ein geringeres Bedürfnis haben, dies über Fragebögen mitzuteilen.

Der Meinung der Autoren, ein intensiveres Empfinden des Orgasmus sei eine Folge einer stimmigeren Körperwahrnehmung möchte ich mich anschließen.

Meine persönliche Vermutung bezüglich der Zufriedenheit nach operativem Vorgehen ist zudem, dass diese von den Erwartungen an die Effekte einer Operation abhängt: Einige Menschen verbinden mit der OP die Hoffnung auf Lösung aller ihrer menschlichen und gesellschaftlichen Probleme. Andere verbinden mit der OP die Hoffnung, durch das operative Vorgehen selbst und ohne weiteres Zutun die ersehnte Rolle zu erreichen. Diese Überfrachtung mit Erwartungen und Hoffnungen führt nach meiner Einschätzung zu einem erhöhten Risiko der Unzufriedenheit, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden. Insofern glaube ich, dass eine effektive und professionelle psychologische Begleitung von großer Bedeutung bleibt, auch wenn von vielen transsexuellen Menschen eine verpflichtende Psychotherapie als Zugangsvoraussetzung zu medizinischen Maßnahmen abgelehnt wird.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0461a

Dr. med. Maria Kohl

Weißenhorn

dr.maria.kohl@gmx.de

1.
Hess J, Rossi Neto R, Panic L, Rübben H, Senf W: Satisfaction with male-to-female gender reassignment surgery—results of a retrospective analysis. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 795–801 VOLLTEXT
1.Hess J, Rossi Neto R, Panic L, Rübben H, Senf W: Satisfaction with male-to-female gender reassignment surgery—results of a retrospective analysis. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 795–801 VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige

Stellenangebote