ArchivDeutsches Ärzteblatt19/1999Kassenärzte: „Großfeldversuch Ost“

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Kassenärzte: „Großfeldversuch Ost“

Hofmann, Eva

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LNSLNS Die ostdeutschen Kassenärzte fürchten um das Wohl ihrer Patienten und ihre wirtschaftliche Existenz. Auf dem Zweiten Ostdeutschen Kassenärztetag am 1. Mai in Leipzig machten sie ihrem Unmut über die Politik der neuen Bundesregierung Luft (siehe dazu den Bericht unter "Politik aktuell" in diesem Heft).
Sie fühlen sich betrogen. Ein Arzt brachte das auf seine Weise zum Ausdruck: Er kam mit Clownsmaske ins Gewandhaus, weil er sich genarrt fühlt - vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium und von den Krankenkassen. "Großfeldversuch Ost" - anders sei die Gesundheitspolitik der rot-grünen Bundesregierung gar nicht zu bezeichnen, wetterte ein Arzt. "Es wird getestet, wieviel man dem Osten wegnehmen kann - und die Patienten überleben immer noch." Er appellierte an die für den ökologischen Artenschutz bekannten Grünen, sich für die ostdeutschen Patienten zumindest ebenso einzusetzen wie für Regenwürmer und Trockengräser.
Die Versorgung der chronisch Kranken, die einen großen Anteil des Arzneimittelbudgets benötigen, sei zunehmend gefährdet. Ständig im Spannungsfeld zwischen Budgetierungen und ethischer Pflicht - das sei die Realität in der Praxis. Viele Ärzte kämpften schon um die bloße Existenz.
Die Zusage von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Andrea Fischer, sich um die Anliegen der ostdeutschen Ärzte zu kümmern, vermochte nicht zu besänftigen. "Wenn die Patienten in einem halben Jahr nicht mehr versorgt werden können, ist es zu spät", lautete die Entgegnung. Bei gleichem Honorar die doppelte Patientenzahl zu betreuen sei nicht länger durchzuhalten und die von Frau Fischer so viel zitierte "sprechende Medizin" schon gar nicht zu gewährleisten. Eva Hofmann
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