ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2015Geschlechterdichotomie transkulturell bedingt
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Zunächst muss man zu dieser umfassenden Studie gratulieren (1). Es ist allerdings bedauerlich, dass sich die Autoren sprachlich mit den Vertretern der empirisch längst widerlegten Gendertheorie gleich machen, die die Transsexuellen gerne für ihre weitreichenden gesellschaftspolitischen Absichten instrumentalisieren. Dies geschieht, wenn sie bereits im Anfangssatz der Studie behaupten, dass der „Begriff des Geschlechts […] – kulturell bedingt – als eine selbstverständliche Dichotomie mit eindeutiger Zuordnung angesehen“ wird. In Wirklichkeit ist die Geschlechterdichotomie nicht kulturell, sondern transkulturell und naturbedingt. Ohne sie würde es uns nicht geben. Transsexuelle bestätigen diese Dichotomie dadurch, dass sie sich zwar dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen, dabei aber immer auf eines der beiden Geschlechter bezogen bleiben. Es gibt keine Belege dafür, dass es in liberalen, die Geschlechterdifferenz weniger betonenden Gesellschaften weniger Transsexuelle gibt als in traditionellen, wenngleich liberale Gesellschaften bessere Bedingungen für deren Leben bieten. Transsexualität bedeutet schweres Leid für die Betroffenen, deren Angehörige und besonders für deren Kinder, das durch hormonelle oder chirurgische Maßnahmen nur gelindert werden kann. Die 2011 erschienene schwedische Studie von Cecilia Dhejne et al. hat die erhöhte Rate an psychischen Störungen, Suizidversuchen und Suiziden nach geschlechtsumwandelnden Operationen gezeigt. Auch die immer wiederkehrenden Wünsche nach Rückoperation dürfen nicht übersehen werden, vergleiche www.sexchangeregret.com. Die Geschwindigkeit, mit der heutzutage bereits Jugendliche in der Pubertät in Richtung operative Maßnahme geführt werden, ist beängstigend. Bei allem Erfolg sollten wir uns eingestehen, dass es kein Ruhmesblatt für uns ist, einer tiefgreifenden Identitätsstörung mit Hormonen und Messer zu Leibe rücken zu müssen. Unser Bestreben sollte sein, Wege zu finden, das Leid so zu lindern, dass diese Maßnahmen eines Tages der Vergangenheit angehören.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0461b

Dr. med. Mag. phil. Christian Spaemann

Simbach am Inn

ch.spaemann@web.de

1.
Hess J, Rossi Neto R, Panic L, Rübben H, Senf W: Satisfaction with male-to-female gender reassignment surgery—results of a retrospective analysis. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 795–801 VOLLTEXT
1.Hess J, Rossi Neto R, Panic L, Rübben H, Senf W: Satisfaction with male-to-female gender reassignment surgery—results of a retrospective analysis. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 795–801 VOLLTEXT

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