ArchivMedizin studieren2/2015Fernbeziehungen: Freudige Wiedersehen, schwere Abschiede

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Fernbeziehungen: Freudige Wiedersehen, schwere Abschiede

Richter-Kuhlmann, Eva

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Ein Medizinstudium ist mit Entbehrungen verbunden: Manchmal muss die Nähe zum Partner zeitweise geopfert werden.

Fotos: picture alliance
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Viel zu schnell ist es mal wieder Sonntagabend: Schweigend und Hand in Hand gehen Anna und Arne das Treppenhaus hinunter. „Bringst Du mich noch zum Auto?“, fragt er leise. Sie nickt nur, denn schon wieder hat sie diesen Kloß im Hals. Noch eine lange Umarmung, ein letzter Kuss, ein leises „Ich liebe Dich“. Dann lässt er den Motor an und fährt los in die alte gemeinsame Heimat, nach Plau am See. Sie bleibt mit Tränen in den Augen in Berlin zurück, in ihrer WG und mit all ihren Anatomie-, Physiologie- und Biochemiebüchern.

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Wie Anna und Arne geht es vielen jungen Paaren. Befragungen haben ergeben, dass unter Studierenden jedes vierte Paar eine Wochenendbeziehung führt. Kein Wunder also, dass Fernbusunternehmen mittlerweile mit dem Gewinn einer Reise zum/-r Liebsten werben. Bei Anna und Arne war es der Bescheid über die Zulassung zum Medizinstudium in Berlin, die das glückliche Paar trennte. „Natürlich habe ich mich über die Zusage gefreut, allerdings wusste ich auch sofort, dass es beziehungstechnisch jetzt nicht einfach werden wird für uns“, berichtet die Medizinstudentin im zweiten Semester in Berlin.

Plau am See, ein schön gelegener Ort in Mecklenburg-Vorpommern, ist zwar nicht so weit von Berlin entfernt – mit dem Auto ist man in etwa eineinhalb Stunden dort. Aber Anna hat keins, sondern nur Arne. „Ich überlege aber, ob ich mir irgendeinen Gebrauchtwagen zulege, um besser zu Arne zu kommen“, erzählt sie. „Hier in Berlin braucht man andererseits gar kein Auto. Ich komme überall mit dem Fahrrad oder der S- und U-Bahn hin.“ Nur eben nicht nach Plau am See. Die Fahrt mit der Bahn dauert gut vier Stunden, da man mehrfach umsteigen muss. „So was macht man nicht mal eben schnell. Der Autokauf wäre da eine Alternative.“ Anna und Arne fühlen beide, dass sie sich Perspektiven schaffen müssen. Eine weitere stellt Arnes Umzug nach Berlin dar – jedoch erst in ein oder zwei Jahren, nach Beendigung seiner kaufmännischen Ausbildung.

Doch auch wenn diese Optionen nicht sofort realisierbar sind, ist es wichtig, überhaupt welche zu haben, meinen Beziehungsexperten. Einer von ihnen ist der Theologe, Kommunikationstrainer und Autor Dr. Peter Wendl. Sein Buch „Gelingende Fern-Beziehung: Entfernt – zusammen – wachsen“ ist jetzt in der sechsten Auflage erschienen und wohl bereits als ein Klassiker unter den Fernbeziehungsratgebern zu bezeichnen. Wendl, der sich seit Jahren mit diesem Thema Fernbeziehung beschäftigt und auch seine Promotion darüber geschrieben hat, informiert über die Hintergründe einer Fernbeziehung und gibt zudem ganz konkrete Tipps zum Gelingen. Nach seinen Erkenntnissen dauern Fernbeziehungen durchschnittlich drei Jahre, danach zieht das Paar meist entweder an einem Ort zusammen oder es trennt sich.

Doch eine Regel gibt es da ebenso wenig wie eine Garantie: Fernbeziehungen können auch länger halten, manchmal sind sie sogar für die Ewigkeit. Und: Generell trennen sich etwa die Hälfte der Paare – egal ob sie eine Fern- oder eine Nahbeziehung haben. Beziehungen sind eben immer ein Risiko.

Allerdings kann die Distanz eine Trennung forcieren. Diese Erfahrung machte Lukas Käsmann, Medizinstudent im achten Semester in Lübeck. Mit seiner Freundin, mit der er zu Beginn seines Studiums zusammen war, führte er eineinhalb Jahre eine Fernbeziehung. „Wir haben uns etwa jedes zweite oder dritte Wochenende gesehen und sind immer wechselseitig mehrere Hundert Kilometer zwischen A und B gependelt“, berichtet er. Zudem hätten sie täglich telefoniert und auf diese Weise versucht, den anderen in den eigenen Alltag einzubeziehen. „Wir haben uns trotzdem auseinandergelebt. Wahrscheinlich wegen der fehlenden gemeinsamen Perspektive. Dies hat der Beziehung die Stabilität genommen. Man ist jung, am Beginn einer beruflichen Entwicklung, die Lebensumstände ändern sich schnell. Da ist es – glaube ich – normal, wenn Beziehungen auch scheitern. “

„Wenn man am Beginn einer beruflichen Entwicklung steht, ist es normal, wenn Beziehungen auch scheitern.“ Lukas Käsmann, Medizinstudent in Lübeck; Foto: privat
„Wenn man am Beginn einer beruflichen Entwicklung steht, ist es normal, wenn Beziehungen auch scheitern.“ Lukas Käsmann, Medizinstudent in Lübeck; Foto: privat

Sollte man auf das Gelingen einer Fernbeziehung setzen, ist es gut, wenn man sich gemeinsam mit dem Partner darüber im Klaren ist, wie es später weitergehen soll, wie lange man getrennt leben kann oder muss und wann man bestenfalls einen Zeitpunkt und einen Ort für das Zusammenziehen im Auge hat.

Denn eine Fernbeziehung bedeutet: kein gemeinsamer Alltag in konventioneller Form, wenig Raum für spontane Treffen, „Kuschelzeiten“ oder Events sowie eine gehörige Portion Sehnsucht. Stattdessen sollte man sich auf lange Telefonate, SMS, E-Mails sowie Botschaften auf WhatsApp und Co. einrichten.

Kommunikation sei der Dreh- und Angelpunkt jeder Beziehung, aber bei einer Fernbeziehung von entscheidender Bedeutung, erklärt Peter Wendl. Das kommunikative Geschick des Einzelnen und die kommunikative Ebene der Beziehung entscheiden über das Bestehen oder Vergehen dieser. Den anderen durch Gespräche am Alltag teilhaben zu lassen, kann jedoch persönliche Anwesenheit nicht ganz ersetzen. Einen Plan, wie man gegenseitige Treffen am Wochenende oder in den Semesterferien arrangieren kann, sollte man deshalb ebenfalls haben. Ob Auto, Bahn, Mitfahrgelegenheit oder das Flugzeug das beste Transportmittel sind, richtet sich nach Entfernung, Infrastruktur und den persönlichen Vorlieben. Möglichkeiten gibt es auf jeden Fall viele. Es lohnt sich, verschiedene Varianten auszuprobieren.

So schwierig Fernbeziehungen auf den ersten Blick auch sein mögen – ganz ohne positive Aspekte sind sie nicht: Nach einem schweren Abschied folgt meist ein wunderschönes Wiedersehen. „Es ist immer wieder aufs Neue ein Erlebnis“, berichten Anna und Arne. Dies unterstreichen auch wissenschaftliche Untersuchungen: Das Prickeln im Bauch wie bei der ersten Verabredung hält bei diesen Paaren meist länger an als bei Paaren in Nahbeziehungen.

Tipps für Pendler

Bahn:

Sparpreis-Fahrten gibt es bei frühzeitigem Buchen (drei Monate im Voraus) deutschlandweit schon ab 19 Euro. Es gibt aber immer nur ein begrenztes Kontingent und es besteht Zugbindung. Alternativen sind das Quer-durchs-Land-Ticket oder das Schönes-Wochenende-Ticket sowie die Bahncard 50: www.bahn.de

Günstige Last-Minute-Fahrten mit der Bahn gibt es auch über L’TUR: www.ltur.com

Billigflüge:

Es gibt viele Billigfluglinien. Deshalb sollte man einen günstigen Flug mit einer Flugsuchmaschine suchen. Auch hier zahlt sich frühzeitige Planung und Buchung häufig aus: www.skyscanner.de, www.billigfluege.de, www.swoodoo.com, www.momondo.de, www.opodo.de

Fernbusse:

Seit einiger Zeit sieht man viele Fernbusse auf den Autobahnen und es gibt mehrmals am Tag Verbindungen zwischen den größeren Städten Deutschlands. Von Berlin nach Hamburg kommt man teilweise schon für 10 bis 15 Euro. Der Nachteil ist eine vergleichsweise lange Reisedauer: www.meinfernbus.de, www.flixbus.de, www.fernbusse.de, www.berlinlinienbus.de, www.postbus.de

Mitfahrgelegenheiten:

Ebenso günstig kommt man mit Mitfahrgelegenheiten zum Liebsten. www.mitfahrgelegenheit.de, www.mitfahrzentrale.de, www.bessermitfahren.de

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