ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2015Hypertonie bei gebrechlichen Patienten: Blutdruck sollte nicht unter 130 mmHg gesenkt werden

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hypertonie bei gebrechlichen Patienten: Blutdruck sollte nicht unter 130 mmHg gesenkt werden

Heinzl, Susanne

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Der Wert einer Blutdrucksenkung bei gebrechlichen älteren Menschen wird uneinheitlich bewertet. Stark evidenzbasiert ist die Empfehlung, einen systolischen Blutdruck über 160 mmgHg auf einen Wert unter 150 mmHg zu senken. Andererseits konnte in der PARTAGE-Studie (Predictive Values of Blood Pressure and Arterial Stiffness in Institutionalized Very Aged Population) gezeigt werden, dass die Gesamtsterblichkeit umso höher war, je niedriger der systolische Blutdruck bei alten Menschen lag. Nun wurde in einer weiteren Analyse der PARTAGE-Studie der Frage nachgegangen, ob die Sterblichkeit mit der Anzahl der eingenommenen Antihypertensiva assoziiert ist.

In die longitudinale Analyse wurden Daten von 1 127 Altenheimbewohnern in Frankreich und Italien einbezogen, die im Mittel 87,6 Jahre alt waren und über 2 Jahre beobachtet wurden. Ihre Blutdruckwerte wurden an 3 aufeinanderfolgenden Tagen mit einer unterstützten Selbstmessung erhoben. Die Daten von Patienten mit einem systolischen Blutdruck unter 130 mmHg, die eine kombinierte Antihypertensiva-Medikation nahmen, wurden mit denen der anderen Teilnehmer verglichen.

Bei den Senioren mit einem systolischen Blutdruck < 130 mmHg stieg die Sterblichkeit signifikant, wenn sie zwei oder mehr Antihypertonika einnahmen (32,3 %) im Vergleich zu Personen mit systolischem Blutdruck unter 130 mmHg, die nur ein Antihypertonikum erhielten (19,7 %) (adjustierte Hazard-Ratio: 1,78, p < 0,01). Dieser Befund wurde mit 3 Sensitivitätsanalysen bestätigt. Bei Personen, deren Blutdruck > 130 mmHg lag und die eine Kombination von mindestens 2 Antihypertonika einnahmen, war im Vergleich zu Senioren ohne oder mit einer antihypertensiven Therapie die Sterblichkeit nicht erhöht. Patienten der Kombinationsgruppe mit einem Blutdruck < 130 mmgHg verwendeten häufiger Schleifendiuretika und Kalium-sparende Diuretika, sie erhielten seltener Kalziumkanalblocker, Thiaziddiuretika und Angiotensin-Rezeptorblocker als Patienten unter Kombinationstherapie und mit einem Blutdruck > 130 mmHg.

Fazit: Gebrechliche Senioren im Altenheim, bei denen der systolische Blutdruck unter 130 mmHg liegt und die eine kombinierte antihypertensive Therapie erhalten, haben ein mehr als zweifach erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu Personen, die nur eine Monotherapie bekommen. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Benetos A, et al.: Treatment with multiple blood pressure medications, achieved blood pressure, and mortality in older nursing home residents. The PARTAGE Study.
    JAMA Intern Med 2015, 175: 989–95.
  2. Aronow WS: Multiple blood pressure medications and mortality among elderly individuals. JAMA 2015; 313: 1362–63.

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