ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2015Reform der psychotherapeutischen Ausbildung – Ziel: Direktausbildung

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Reform der psychotherapeutischen Ausbildung – Ziel: Direktausbildung

Bühring, Petra

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Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium und Psychotherapeutenschaft wollen die Ausbildungsstrukturen grundlegend an die der anderen Heilberufe angleichen.

Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) hat die Arbeiten an einem Gesetzentwurf, der die psychotherapeutische Ausbildung grundlegend reformieren soll, aufgenommen. Das hatte Ministerialdirektorin Karin Knufmann-Happe beim 26. Deutschen Psychotherapeutentag Ende Mai in Berlin verkündet. „Die Nachfrage nach qualifizierten Psychotherapeuten wird weiter wachsen und auch das Interesse an dem Beruf ist ungebrochen. Deshalb brauchen wir eine Ausbildung, die näher dran ist an den Strukturen der anderen Heilberufe“, sagte sie.

Näher dran an den Strukturen der Ärzte wird eine Ausbildung sein, die ein wissenschaftliches Studium der Psychotherapie auf Masterniveau vorsieht, das mit Staatsexamen und Approbation abschließt. In einer anschließenden Weiterbildung zum Fachpsychotherapeuten sind Schwerpunktsetzungen mit vertiefter Qualifizierung für die Behandlung von Erwachsenen beziehungsweise Kinder und Jugendlichen vorgesehen sowie Vertiefungen in wissenschaftlichen Psychotherapieverfahren. Erst danach soll eine Niederlassung erfolgen können.

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Status quo ist eine postgraduale Ausbildung: Nach einem Studium der Psychologie mit Masterabschluss machen angehende Psychotherapeuten, je nach Psychotherapieverfahren, eine drei- bis fünfjährige Ausbildung an einem privaten oder universitären Institut. Erst danach erhalten die Absolventen ihre Approbation. Wer sich auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen konzentrieren will, macht nach dem Studium der Sozial- oder Heilpädagogik eine Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP).

Über eine Reform der Ausbildung wird bereits seit zehn Jahren nachgedacht. Anlass sind drängende Missstände: Zum einen die wegen der Bologna-Reform zunehmende „Bachelorisierung“ der Ausbildung zum KJP: Zehn von 16 Bundesländern erkennen inzwischen den Bachelorabschluss als Zugang an. Befürchtet wird eine mindere Qualifizierung von Therapeuten, die Kinder und Jugendliche behandeln. Gefordert wird daher ein Masterstudium als Voraussetzung. Zum anderen demonstrieren Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) seit Jahren für eine angemessene Honorierung ihrer obligatorischen praktischen Tätigkeit in Psychiatrischen und Psychosomatischen Kliniken. Dieses einjährige „Praxisjahr“ wird häufig gar nicht, oft geringfügig und nur von wenigen Kliniken angemessen vergütet, weil es juristisch als Praktikum gewertet wird.

Ordnungspolitische Lösung nur mit Direktausbildung

Die Psychotherapeutenschaft stand einer so grundverändernden Reform der bewährten postgradualen Ausbildung lange sehr ambivalent gegenüber: Risiken und Vorteile wurden wieder und wieder diskutiert. Auf dem 25. DPT im November 2014 in München trafen sie schließlich eine eindeutige Entscheidung für eine Direktausbildung. Klar erschien, dass die ordnungspolitischen Probleme der Psychotherapieausbildung nur gelöst werden können, wenn die Ausbildungsstrukturen denen der Ärzte angeglichen werden.

Petra Bühring

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