SCHLUSSPUNKT

Schach: Der Schach(t)meister

Dtsch Arztebl 2015; 112(26): [64]

Pfleger, Helmut

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Foto: Dagobert Kohlmeyer
Foto: Dagobert Kohlmeyer

Natürlich ist das Ärzteschachturnier bei allem freundschaftlichen Miteinander auch ein Wettbewerb, bei dem jeder zumindest zufriedenstellend abschneiden möchte. „Gewinnen ist schöner als Verlieren“ – sagte mir einst der ungarische Großmeister Gyözö Forintos nach seinem Turniererfolg in Reykjavik, als ich ihm die intelligente Frage stellte, wie das Turnier für ihn war. Das gilt sicher auch für deutsche Ärzte.

Und doch locken neben den Kämpfen am Schachbrett auch viele Annehmlichkeiten, so der morgendliche Besuch des Schwimmbads, wo mich Prof. Dr. med. Eberhard Schwinger zwischen Wassertreten und „Toter Mann“ an einer Volksweisheit seiner kasachischen Haushaltshilfe teilhaben lässt. Als von seinen vier Kindern eine Tochter ein Kind bekam, meinte sie: „Wenn ein anfange, dann kommen alle.“ Natürlich hatte sie recht, inzwischen pendelt er zwischen drei neuen Enkelkindern von Dubai bis zum norwegischen Bergen. Schön, dass er zwischendurch noch Zeit für Stippvisiten beim Ärzteturnier findet und die persischen Kollegen dort als Überbleibsel einer einstigen Expedition in Westpersien (siehe Deutsches Ärzteblatt vom 26. Oktober 2012) stilecht mit „Daste shoma dard nakoneh“ (Möge Ihre Hand nicht schmerzen!) begrüßen kann, worauf der Antwortwunsch „Sare shoma dard nakoneh!“ (Und auch nicht Ihr Kopf!) auch nichtpersische Schachspieler gerade bei diesem für das Königliche (= Schah) Spiel essenziellen Körperteil erfreut.

Nun eine Begebenheit, die mir Dr. med. Ulrich Mairose aus Wülfrath berichtete: „Unser früherer Vereinsmeister erzählte gern die Geschichte, dass die Spiele um die Vereinsmeisterschaft wie üblich im Hinterzimmer eines Restaurants stattfanden. Angespannte Stille – plötzlich unterbrochen durch den Kellner: ‚Ich bitte vielmals um Entschuldigung, aber der Schachmeister wird am Telefon verlangt – es wäre dringend.‘ Ein Schachmeister ans Telefon? Dringend?? ‚Ja, ich bin der Schachmeister unseres Vereins . . . Was? Ihr Schacht ist voll Wasser gelaufen und Sie wollen den Schachtmeister sprechen?‘ Da erhebt sich am Nebentisch ein würdiger Herr: „Entschuldigung, wenn ich mich in Ihr Gespräch einmische, der Schachtmeister, den der Anrufer sucht, bin ich – Herr Kollege, ich übernehme besser.“

Was mich an einen Vorfall beim Ärzteturnier erinnert, als ein Kollege sich plötzlich mit massiven Herzrhythmusstörungen äußerst unwohl fühlte. Doch Gott sei Dank überließ der mehrfache Sieger des Ärzteturniers, Dr. med. Patrick Stiller – ein wahrer Schachmeister, aber auch versierter Kardiologe –, seine Figuren ihrem Schicksal und übernahm die Notfallhilfe. Und da gute Taten in diesem Leben zuweilen belohnt werden, ging es dem Kollegen am Abend schon wieder gut und Dr. Stiller gewann seine jäh unterbrochene Partie noch. Hier eine seiner Feinheiten vom aktuellen Ärzteturnier.

Dr. Stiller als Schwarzer ist in diesem Spitzenspiel mit seinem Turm in die weißen Eingeweide eingedrungen, vor allem der angegriffene Läufer b1 von Dr. med. Jan Kröger ist ein rechtes Sorgenkind. Aber immerhin beherrscht er das etwaige Fluchtfeld h7 des schwarzen Königs, so dass das gierige 1...Sxc3?? durch 2.Td8 matt furchtbar bestraft würde. Nun führen langfristig für Schwarz wohl einige Wege nach Rom, aber welch stiller (!) Stiller-Zug erstickte jeden weiteren Widerstand im Keim?

Lösung:

Nach dem eleganten Seitschritt 1. . . . Kf8! war Weiß verloren, z. B. 2. c4 Sc3 3. Td8 + Ke7 und Turm und Läufer hängen gleichzeitig, obendrein droht ein Grundlinienmatt. Andererseits findet der Läufer nirgendwo ein sicheres Plätzchen, z. B.
2. Ld3 Sxd3 3. Txd3 Tb1+ nebst Matt oder 2. Te1 Sxc3 3. Lh7 g6 und der Läufer verhungert im feindlichen Kerker.

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