ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2015Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung: Das Interesse ist gering

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Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung: Das Interesse ist gering

Osterloh, Falk

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Mit der Einführung der ASV waren viele Hoffnungen verbunden. Heute bezweifeln manche, ob sie überhaupt notwendig ist.

Foto: picture alliance
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Mit der Einführung der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) war allgemein erwartet worden, dass zahlreiche Ärzte diese neue Versorgungsmöglichkeit nutzen würden. Bis heute ist die Zahl der zugelassenen ASV-Teams jedoch überschaubar. „Nach unseren Informationen gibt es bisher 30 genehmigte Anzeigen. Knapp 20 davon sind bereits im ASV-Verzeichnis veröffentlicht“, erklärt der Vorstand des Bundesverbandes ASV, Dr. med. Axel Munte. Woran liegt das? „Die Zugangsvor-aussetzungen für die ASV sind in Deutschland extrem ungerecht verteilt“, sagt Munte.

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Ärzte, die an der ASV teilnehmen wollen, müssen dies den erweiterten Landesausschüssen (eLAs) anzeigen. Welche Unterlagen die eLAs dafür anfordern, variiert jedoch deutlich. „In manchen Bundesländern müssen ASV-Teams bis zu 300 Seiten Unterlagen heranschaffen“, kritisiert Munte. „Die Anerkennung der Teams wird dadurch stark verzögert.“ Er fordert einheitliche Zugangsvoraussetzungen: „Die erweiterten Landesausschüsse müssen sich einigen, welche Unterlagen sie sehen wollen.“

Seit April 2014 können sich Teams bei den eLAs anmelden. Einer der wenigen, der dies getan hat, ist Prof. Dr. med. Christoph Lange. Er behandelt lungenkranke Patienten in der Medizinischen Klinik des Forschungszentrums Borstel in Schleswig-Holstein. Seit vergangenem Herbst ist er auch Leiter eines ASV-Teams zur Behandlung von Tuberkulose. Wie sind seine Erfahrungen? „Durch unsere Teilnahme an der ASV hat sich bislang nicht viel verändert. Die Zahl der Patienten, die zu uns überwiesen werden, liegt nach wie vor bei etwa 40 bis 50 pro Quartal“, sagt Lange.

Linke Tasche, rechte Tasche

Andere Ärzte überlegen noch, ob sie an der ASV teilnehmen sollen, zum Beispiel der niedergelassene Onkologe Dr. med. Ingo Schwaner, der in der Onkologischen Schwerpunktpraxis Kurfürstendamm praktiziert. Dagegen spricht für ihn: „ASV gibt etwas vor, was in Berlin schon seit den 1990er-Jahren gelebt wird: die kooperative Patientenversorgung. Jede Woche nimmt unsere Praxis an acht Tumorkonferenzen teil. Und das machen andere niedergelassene Onkologen aus den anderen Schwerpunktpraxen genauso.“ Die Zusammenarbeit zwischen Niedergelassenen und Krankenhäusern funktioniere also schon sehr gut. Medizinisch werde die ASV daher keine Verbesserungen herbeiführen. „Und finanziell auch nicht“, betont Schwaner, „weil die Gesamtvergütung bereinigt wird. Das ist wieder das Prinzip ‚linke Tasche, rechte Tasche‘.“

In Borstel hat die ASV bislang ebenfalls nur wenig an der Kooperation zwischen niedergelassenen Ärzten und dem Krankenhaus geändert. „Die Zusammenarbeit mit den Niedergelassenen in der ASV funktioniert sehr gut“, sagt Lange. „Insgesamt müssen wir Konsile allerdings wenig in Anspruch nehmen.“ 

Im VSG nimmt die ASV nur wenig Platz ein (siehe Kasten). Die Auswirkungen könnten dennoch groß sein. „Es gibt Stimmen, die davor warnen, dass die Änderungen zu einer Mengenausweitung in den Krankenhäusern führen werden“, sagt Munte. Auch er glaubt, dass die Neuregelung ein Risiko für die niedergelassenen Ärzte beinhaltet, wenn sie missbraucht würde: „Ich hoffe aber, dass das nicht der Fall sein wird.“

Falk Osterloh

@Die vollständigen Interviews im Internet: www.aerzteblatt.de/vsg2015

Das steht im Gesetz

  • Bei onkologischen und rheumatologischen Erkrankungen dürfen Leistungen im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) künftig auch erbracht werden, wenn die Krankheit nicht schwer verläuft.
  • Eine Einschränkung auf schwere Verlaufsformen hätte „beispielsweise bei den gastrointestinalen Tumoren und Tumoren der Bauchhöhle zur Folge gehabt, dass etwa die Hälfte der bisher nach § 116 b versorgten Patienten nicht in der ASV hätte versorgt werden können“, heißt es dazu in der Gesetzesbegründung.

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