ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2015Frage der Woche an . . . Dr. Michael Brandkamp, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Dr. Michael Brandkamp, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds

Wie lässt sich mit „Digital Health“ in den Strukturen des GKV-Systems ein Mehrwert für die Patientenversorgung generieren?

Glöser, Sabine

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Wie lässt sich mit „Digital Health“ in den Strukturen des GKV-Systems ein Mehrwert für die Patientenversorgung generieren?

Brandkamp: Während die großen IT-Integrationsprojekte ins Stocken geraten sind, ist Digital Health im Alltag der Menschen angekommen: Auf vielen Smartphones sind heute Gesundheits-Apps vorinstalliert. Sie erlauben eine Überwachung von Gesundheitsdaten und Fitness-Aktivitäten. In den App-Stores stehen geschätzt rund 100 000 unterschiedliche „mHealth“-Apps zum Download bereit: Gehirnjogging, Erinnerungs-Apps für die Einnahme von Arzneimitteln, Sporttracker und Apps mit Zugang zu Informations- und Gesundheitsportalen. Patienten überwachen ihre eigene Gesundheit, informieren sich und entscheiden bei ihren Gesundheitsfragen selbstverantwortlich mit. Die App „Washabich“ unterstützt das, indem sie medizinische Befunde in ein verständliches Hochdeutsch übersetzt.

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Die Digitalisierung hat aber auch den ersten Gesundheitsmarkt erfasst. Caterna, eine digitale unterstützende Therapie der Amblyopie bei Kindern, wird inzwischen von Krankenkassen erstattet. Gleiches erwarten wir auch für die Behandlung von Tinnitus mit Hilfe der patientenspezifisch bearbeiteten Musik durch „TinniTracks“.

Die Kostenträger begrüßen den Trend. Patienten leben, motiviert durch spielerische Apps und Diagnose, gesundheitsorientierter, werden weniger krank. Die großen gesetzlichen Krankenkassen haben im Schnitt zehn eigene Apps in den Stores, mit denen Patienten Ärzte empfehlen und bewerten, ihre Krankheiten tracken oder sich über Krankheiten austauschen können.

Digital Health wird dazu führen, dass der Patient seine Gesundheitsdaten selbst besitzt, möglichst selbst versteht und den Krankenhäusern und Ärzten zur Verfügung stellt. So kann man eine Wiederholung von Diagnosen vermeiden. Wenn der Patient seinem Arzt einen laufenden Einblick in ausgewählte Gesundheitsdaten erlaubt, kann der Arzt bereits helfen, wenn Werte aus dem Ruder laufen. Eine Vision: Der Arzt hat seine Patienten im Blick, ohne ein überfülltes Wartezimmer zu haben. Er reagiert, bevor Patienten unter gesundheitsgefährdenden Symptomen leiden. Gerade bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes bietet ein Monitoring der Patienten große Vorteile.

Wenn wir eine vertrauenswürdige Lösung zum Thema Datensicherheit haben, und die Telemedizin möglich und abrechenbar ist, kann sich die Beziehung zwischen Klinik, Arzt und Patient deutlich verändern – zum Wohle des emanzipierten Patienten. sg

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