ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2015Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz: Die Länderminister bringen sich ein

POLITIK

Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz: Die Länderminister bringen sich ein

Gerst, Thomas

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Vergütung von Ärzten im ÖGD und Begutachtung ausländischer Arztdiplome – die Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz kommt hier ärztlichen Forderungen entgegen.

Bewegung im Alltag als wichtige Ressource für Gesundheit – die GMK will diesen Gedanken auf allen Ebenen vorantreiben. Foto: iStockphoto
Bewegung im Alltag als wichtige Ressource für Gesundheit – die GMK will diesen Gedanken auf allen Ebenen vorantreiben. Foto: iStockphoto

Dass es so nicht weitergehen kann mit der Bezahlung von Ärztinnen und Ärzten im öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), ist nun offenbar auch bei der jährlichen Konferenz der Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Länder angekommen. Die 88. Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz (GMK), die am 24. und 25. Juni im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim stattfand, hält mit Blick auf die zunehmende Knappheit ärztlichen Personals im öffentlichen Gesundheitsdienst eine Angleichung der Vergütung an die Tarife in Krankenhäusern für erforderlich. Um mehr Ärzte für den ÖGD zu gewinnen, sollte zudem ein Quartal im ÖGD als Wahlfach im praktischen Jahr anerkannt werden; Förderprogramme und eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit sollen zu einer Imageverbesserung des Fachs beitragen. „Damit rennen die Länderminister bei uns offene Türen ein“, sagte dazu Dr. med. Andreas Botzlar, Zweiter Vorsitzender des Marburger Bundes. „Wir hoffen, dass sich nun auch die kommunalen Arbeitgeber der Notwendigkeit einer tariflichen Neugestaltung der Ärztevergütung im öffentlichen Gesundheitsdienst nicht länger verweigern.“

Anzeige

Ärzte aus dem Ausland

Ärztlichen Erwartungen entspricht auch ein weiterer GMK-Beschluss. Bereits seit längerem fordert der Marburger Bund eine länderübergreifende, zentrale Gutachtenstelle für zuwandernde Ärzte, die nicht aus dem europäischen Wirtschaftsraum oder der Schweiz stammen, um einheitlich und transparent die Gleichwertigkeit ausländischer Arztdiplome mit dem deutschen Berufsabschluss bewerten zu können. Eine solche Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe (akademische Heilberufe und Gesundheitsfachberufe) soll nach Abstimmung mit der Kultusministerkonferenz bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen eingerichtet werden. Dem Vernehmen nach gab es am Rande der Finanzministerkonferenz am 25. Juni auf der Arbeitsebene eine Verständigung über die künftige Finanzierung dieser zentralen Gutachtenstelle.

Unter dem Vorsitz der rheinland-pfälzischen Ge­sund­heits­mi­nis­terin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) fasste die Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz eine Reihe weiterer Beschlüsse. Ein besonderes Augenmerk galt dem Ausbau der Tele­ma­tik­infra­struk­tur. Die GMK sieht erheblichen Nachholbedarf bei der sektorenübergreifenden Vernetzung; intersektorale Übergänge müssten ermöglicht werden, und die Interoperabilität der Schnittstellen müsse gewährleistet sein. Beim Aufbau einer sektorenübergreifenden Infrastruktur sollten Partikularinteressen zugunsten von Patienteninteressen zurückstehen, heißt es in dem GMK-Beschluss. Die Länderminister sehen mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens in erheblichem Maße Länderinteressen berührt; sie wollen deshalb im Rahmen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe Telematik im Gesundheitswesen eine Strategie zum weiteren Ausbau der Tele­ma­tik­infra­struk­tur erarbeiten. Hier soll es unter anderem um die Fragen gehen, wie Anwendungen der Telemedizin systematisch in die Regelversorgung gebracht und dauerhaft finanziert werden können und welche Mindestanforderungen an den Nutzennachweis der Anwendungen gestellt werden müssen.

Qualitätskriterien vorgeben

Die GMK sieht trotz vieler Fortschritte weiterhin Defizite bei der Gewährleistung eines flächendeckenden und adäquaten Schmerzmanagements. Da künftig laut Koalitionsvertrag Qualität als ein Kriterium in der Krankenhausplanung eingeführt werden soll, wollen die Länderminister, dass der Gemeinsame Bundes­aus­schuss Qualitätskriterien für ein strukturiertes Akutschmerzmanagement der Krankenhäuser entwickelt. Weitere Beschlüsse der GMK galten dem Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung sowie der Hygienequalität in medizinischen Einrichtungen.

Thomas Gerst

@Die GMK-Beschlüsse im Internet:
www.aerzteblatt.de/151232

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #103488
KuhnJ
am Samstag, 11. Juli 2015, 10:37

Der ÖGD braucht mehr als höhere Ärztegehälter

Keine Frage: Der ÖGD muss für Ärzte (nur für Ärzte?) attraktiver werden, dazu gehört natürlich ein konkurrenzfähiges Gehalt und sicher wird auch mehr Öffentlichkeitsarbeit für das unbekannte Wesen ÖGD nicht schaden. Aber der ÖGD braucht mehr, er braucht ernstgemeinte politische Unterstützung und ein zeitgemäßes Profil seines Aufgabenzuschnitts. Für die Umsetzung des Präventionsgesetzes etwa oder das Geltendmachen regionaler Versorgungsprobleme (z.B. in kommunalen Gesundheitskonferenzen) ist der ÖGD in seiner derzeitigen Verfassung nur bedingt einsatzbereit. Schade, dass die GMK das nicht einmal mit einem Satz anspricht.
Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote