ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2015Film über psychisch Kranke: Berührend und mutig

KULTURTIPPS

Film über psychisch Kranke: Berührend und mutig

Henkemeyer, Elisabeth

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Der Dokumentarfilm „Nicht alles schlucken“ beleuchtet das Stigma psychotisch Erkrankter und die Macht von Medikamenten.

Der Film folgt der Methode des Trialogs: Betroffene, Angehörige und Fachkräfte kommen in dem Stuhlkreis zu Wort. Foto: credofilm
Der Film folgt der Methode des Trialogs: Betroffene, Angehörige und Fachkräfte kommen in dem Stuhlkreis zu Wort. Foto: credofilm

Auch unter Ärzten und Psychotherapeuten gibt es Unsicherheiten und Hemmschwellen, über psychische Krankheiten, insbesondere Psychosen mit ihren Folgen und über den Umgang mit Psychopharmaka offen zu sprechen. Was bedeutet es, „normal“, „gesund“ oder „psychisch krank“ zu sein?

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Der Dokumentarfilm zeigt in 24 portraitierenden Nahaufnahmen in einem Stuhlkreis Menschen mit Psychoseerfahrung, Angehörige, Pfleger, Ärzte und Therapeuten. Kleinste innere Regungen werden dabei mit enormer Intensität sichtbar. Der Film folgt der Methode des Trialogs, ein therapeutischer Ansatz, der auf Gesprächsrunden von Erkrankten, deren Angehörigen und den behandelnden Fachkräften basiert. Die Kameraführung lässt den Zuschauer am Kreis teilnehmen: Aus Fällen werden Menschen mit individuellen Geschichten, die neugierig machen auf die manchmal ungewöhnliche, aber auch bereichernde Gedankenwelt der Betroffenen, statt sie zu stigmatisieren.

„Nicht alles schlucken“ ist ein berührender Film, der auf Effekthascherei verzichtet, der innere Ambivalenzen aller Beteiligten – auch die Gefühle und Zweifel der Ärzte und Pfleger – benennt, aber wenig wertet. Die Filmemacher wollen den Beteiligten eine Stimme geben und schaffen einen Raum, in dem alle in Ruhe zu Wort kommen. Sie zeigen, wie wichtig es für professionell Behandelnde ist, auf die Zwischentöne zu hören, weniger Schubladen zu gebrauchen. Deutlich wird das Dilemma der oft notwendigen medikamentösen Behandlung in der akuten Krise und dem Wunsch des Einzelnen, sich zu spüren, ohne betäubt zu sein. Bewundernswert ist dabei der Mut aller Protagonisten. Entstanden ist ein ein berührender und nachdenklich machender Film mit behutsamer Annäherung an das Thema.

Beabsichtigt ist die Produktion eines zusätzlichen ausführlichen Lehrfilms, der voraussichtlich im September des Jahres erscheinen wird. Dr. med. Elisabeth Henkemeyer

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